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Nahost

"Der Irak hat enormes Potenzial!"

Im nordirakischen Erbil wirbt derzeit eine internationale Handelsmesse um deutsche Investoren. DW-WORLD.de sprach mit Felix Neugart von der DIHK über Chancen und Risiken für deutsche Firmen im Irak.

Irakische Stadt Erbil, Foto: dpa (Archiv)

Erbil: Viele Chancen für deutsche Investoren?

DW-WORLD.de: Die Sicherheitslage im Irak ist immer noch schlecht - gibt es überhaupt deutsche Unternehmer, die im Irak investieren wollen ?

Felix Neugart: Man muss sehen, dass der Irak ein Land mit einem enormen Potential ist. Es hat die drittgrößten Erdölvorräte weltweit, erhebliche Gasvorräte und das in einem Land, wo seit Jahren nicht mehr nach Rohstoffen gesucht worden ist. Das ist die eine Seite: die hohe Kapitaldecke. Auf der anderen Seite ist der Irak in weiten Teilen zerstört, die Infrastruktur muss wieder aufgebaut werden, hier sind erhebliche Investitionsvorhaben notwendig. Und da bestehen für Deutschland große Chancen. Es gibt ja auch eine lange Tradition der deutsch-irakischen Handelskooperation gerade in den 1970er und 1980er Jahren: Damals gab es nur wenige Großprojekte im Infrastruktur- und im Industriebereich, die ohne Beteiligung deutscher Unternehmen voran getrieben wurden.

Wer investiert denn jetzt schon im Nordirak?

Eine Deutsche Schule in Erbil am 19.09.2010 eröffnet, Foto: DW

Gute Beziehungen: Gerade erst wurde in Erbil eine deutsche Schule eröffnet

Sehr interessant ist für deutsche Unternehmen der Öl- und Gassektor. Hier hat es Lizensierungsverfahren gegeben, internationale Unternehmen haben geboten und viele große Felder sind vergeben worden. Und in diesem Bereich werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten Milliarden Dollar investiert werden.

In anderen Bereichen ist man zurückhaltender mit Investitionen, dafür ist das Land zu instabil. Es gibt zwar ein Investitionsgesetz im Irak, das zumindest auf dem Papier attraktive Bedingungen bietet, aber ich glaube, da müssen wir vor allem im Sicherheitsbereich auf bessere Rahmenbedingungen warten, um Investitionen im größeren Ausmaß zu sehen.

Was hat sich denn an der Sicherheitslage für deutsche Investoren seit dem Abzug der US-Truppen im Sommer 2010 geändert?

Ich glaube, grundsätzlich ist die Lage seit dem Abzug wieder unsicherer geworden. Es gab einige große Anschläge in Bagdad, die sicher auch dazu gedacht waren, Unsicherheit zu streuen und internationale Partner des Irak und Unternehmer aus dem Ausland zu verunsichern. Auf der anderen Seite muss man auch sehen, dass das Land schon wesentlich stabiler ist, als auf dem Höhepunkt des Bürgerkrieges in den Jahren 2006/2007

Investieren deutsche Unternehmen denn nur im kurdischen Nordirak, der als relativ sicher gilt?

Felix Neugart, Nahost-Experte beim deutschen Industrie- und Handelskammertag DIHK. Foto: DIHK

Glaub an das Potential des Irak: Felix Neugart

Grundsätzlich bietet die kurdische Region einen attraktiven Anlaufpunkt für am Irakgeschäft interessierte Unternehmer und dort gibt es eine sehr viele bessere Sicherheitslage als im Rest des Irak. Dort hat es zwar auch Anschläge gegeben, aber man kann sich als Ausländer relativ sicher bewegen und Geschäfte machen. Die kurdische Region hat eine sehr positive Entwicklung gemacht und es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Man darf allerdings nicht vergessen, dass die großen Aufträge im Irak nach wie vor von der Zentralregierung vergeben werden. Darum ist für deutsche Unternehmen auch der Kontakt mit Bagdad wichtig.

Seit 2009 stehen auf Initiative des Auswärtigen Amtes deutschen Unternehmen zwei Wirtschaftsbüros zur Verfügung: eins in Erbil und eins in Bagdad. Was können die Büros leisten, um die Wirtschaftsbeziehungen zu fördern?

Sie können einerseits Informationen sammeln, gerade bei Ausschreibungen, über Möglichkeiten, im Irak Geschäfte zu machen, diese dann nach Deutschland weiter leiten und an interessierte Unternehmen verteilen. Und auf der anderen Seite leisten sie auch konkrete Unterstützung für Unternehmen, die vor Ort Kontakte und Vertriebspartner suchen und helfen sowohl in Erbil als auch in Bagdad unter den schwierigen Voraussetzungen, die Wirtschaftsbeziehungen zu intensivieren.

Felix Neugart ist Referatsleiter Nordafrika / Nah- und Mittelost beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Das Interview führte Diana Hodali

Redaktion: Ina Rottscheidt

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