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Deutschland

Der Integrator Alparslan Marx

Alparslan Marx ist ein neuer Name in der türkischstämmigen Kabarettisten-Zunft. Er nennt sich selbst der "Integrator". Seit einem Jahr tritt der Kölner auf der Bühne auf und betreibt mit Erfolg politisches Kabarett.

Alparslan Marx (Foto: Marx)

Wir sitzen alle in einem Boot, meint Alparslan Marx

Das Kölner Bürgerzentrum "Altenberger Hof" ist bis auf den letzten Platz besetzt. Auf der Bühne steht Alparslan Marx, sein Künstlername lautet "der Intergrator". "Ich heiße Alparslan und ich bin ein Türke. Ich bin voll integriert" – mit diesen Worten beginnt der Kabarettist seine zweistündige Show.

Kabarett-Programm "Alles wird gut"

Bissig, selbstironisch und unterhaltsam bringt er Themen wie Integration, Migration und Einwanderung in kleinen Dialogen auf den Punkt so, dass sie kein Auge trocken lassen. Meistens erzählt der Türke Anton seinem deutschen Freund Günther, wie es sich als Migrant in Deutschland so lebt. Seit einem Jahr bereist der Integrator mit seinem Kabarett-Programm "Alles wird gut" ganz Deutschland.

Alparslan Marx (Foto: Marx)

Er spielt gerne mit Klischees und Vorurteilen

"Ich habe immer schon ein bisschen Theater gespielt. Es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht", erinnert sich Alparslan Marx an den Anfang seiner Karriere auf der Bühne. Deswegen hat er vor zwölf Jahren angefangen in Köln Theater zu spielen. Als die Integrationsproblematik in Deutschland immer akuter und gesellschaftlich virulenter wurde, hat es den heute 46-Jährigen auch gereizt. Besonders interessant fand er, was man über Türken und Migranten allgemein zu hören bekommt. So entstand die Kunstfigur "der Integrator".

Das Leben liefert Anekdoten

Im richtigen Leben ist Alparslan Marx Bauunternehmer. Er ist verheiratet mit einer deutschen Frau und hat drei Kinder. Er ist zwar in Lübeck geboren, aufgewachsen ist er aber in Istanbul. Vieles aus seinem Programm hat der Türke am eigenen Leib erfahren, als er Anfang der 1990er Jahre zum Studium nach Deutschland kam.

Die Ideen für die Kabarett-Nummern entstehen durch Begegnungen mit den Menschen, die in Deutschland leben: mit Deutschstämmigen aber auch mit Ausländern. "Alle haben fast die gleichen Vorurteile", stellt Alparslan Marx fest. "Es fängt mit dem Namen an. Ich notiere mir alles, sei es Dialoge bei den Behörden, sei es bei geschäftlichen Begegnungen. Ich freue mich immer, sie dann bei der nächsten Gelegenheit als Anekdote erzählen zu können."

Deutschland nicht aufnahmefähig?

Wie einen Flickenteppich breitet Alparslan Marx seine Witze vor dem Publikum aus. Dabei geht es leitmotivisch immer wieder darum, wie Deutsche und Türken nebeneinander und trotzdem aneinander vorbei leben. Der 46-jährige Hobby-Kabarettist nimmt in seinem Soloauftritt die typischen Verhaltensweisen der Einheimischen und der Migranten aufs Korn und spricht fast jeden Lebensbereich an: angefangen bei der Bildung, über den berüchtigten Einbürgerungstest bis hin zu türkischen Traditionen.

Der Integrator Alparslan Marx ist inzwischen ein gern gesehener Gast auf Deutschlands Theaterbühnen, vor allem bei Benefiz- und Antirassismusveranstaltungen. Jedes Mal stellt er dabei fest, dass die Witze über Integration sowohl beim deutschen als auch türkischen Publikum gleichermaßen gut ankommen. Integration sei ja tatsächlich ein Witz, eine Fata Morgana, sagt er.

Alparslan Marx (Foto: Marx)

Seit einem Jahr ist der Intergrator auf den Kabarett-Bühnen unterwegs

Die deutsche Gesellschaft werde sie nie erreichen, ist sich der Kölner Kabarettist sicher: "Wenn man die Deutschen fragt: 'Was meint ihr mit der Integration?', dann sagen sie: 'Deutsch lernen'. Gut, ich habe Deutsch gelernt. Was denn noch? 'Auf unsere Verfassung schwören.' Das mache ich auch, was denn sonst?" Weil es keine klaren gesellschaftlichen Kriterien gebe, sei Deutschland auch nicht aufnahmefähig, lautet das Fazit des Kabarettisten.

D-Länder statt Ausländer

Das ist auch der Grund, warum sich Alparslan Marx seit Jahren für die Einführung einer neuen Definition der deutschen Staatsangehörigkeit einsetzt. "Wir bekennen uns zu unserer ethnischen Herkunft, aber wir vergessen, uns zu der Gesellschaft zu bekennen, in der wir leben." Dafür fehle auch ein Wort, meint der Kabarettist und schlägt einen neuen Begriff für alle Bewohner Deutschlands vor: D-Länder oder Deutsch-Länder. "Ich beziehe mich auf meine territoriale Herkunft, damit unsere Gemeinsamkeit rauskommt. Wir sitzen alle in einem Boot."

Autorin: Nadja Baeva

Redaktion: Manfred Götzke

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