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Deutschland

Der Innenminister und die Spendensammler

Quoten, Integration, Parteienzwist: Bundesinnenminister de Maizière bereiten die Flüchtlinge vor allem Probleme. Jetzt konnte er sich entspannt umsehen: bei denen, die dafür sorgen, dass es irgendwie doch weiter geht.

Von Krise spricht hier eigentlich niemand - obwohl es um Flüchtlinge geht. Bundesinnenminister Thomas de Maizière scheint das zu genießen, als er zwischen den Bürotischen und LCD-Displays umhergeht, an denen das Internetportal

Zusammen für Flüchtlinge

betreut wird, hier im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. "Das ist ein Ort, an dem mit kleinem Geld vieles bewirkt wird", freut sich der CDU-Politiker. Hier wird nicht problematisiert, hier wird angepackt. Das gefällt dem Minister, der ja auch eher ein Typ ist, der Dinge in Ruhe abarbeiten will.

Thomas de Maizière - Foto: Mauersberger (Imago)

Minister de Maizière: "Mit kleinem Geld vieles bewirken"

De Maizières Ministerium fördert das Projekt, auf dessen Internetseite Hilfs- und Integrationsprojekte für Asylsuchende in Deutschland und Unterstützung für Flüchtlinge in den Krisengebieten der Welt gebündelt und präsentiert werden. 450.000 Euro auf zwei Jahre verteilt ist der Bundesregierung die Förderung des Internetportals wert.

Das Projekt wird von betterplace.org gemanagt, ein Portal, das sich als Deutschlands größte gemeinnützige Spendenplattform bezeichnet. Jetzt schon können sich Interessierte bei "Zusammen für Flüchtlinge" über fast 300 Projekte informieren, schauen, wo sie sich vor Ort engagieren können und auch gleich spenden. Das geht ziemlich zielgerichtet: Die "German Doctors" brauchen zum Beispiel noch 142 Euro für ihre mobile Klinik in München. Mit ein paar Mausklicks kann man die Ärzte mit einer Spende unterstützen.

Handlungsfähig dank Ehrenamt

Thomas de Maizière hat bei dem Termin in Berlin wieder einmal die Möglichkeit, das Ehrenamt zu loben. Die vielen Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und ohne die - auch das weiß der Minister - sich die derzeit angespannte Situation wahrscheinlich schon zu einer Art Katastrophe entwickelt hätte.

Screenshot Internetseite zusammen-fuer-fluechtlinge.de

Internetseite "Zusammen für Flüchtlinge": Mit ein paar Mausklicks spenden

Der Bundesregierung ist das immer wieder angekreidet worden, dass sie es ohne die engagierten Menschen im Land wohl nicht so weit geschafft hätte. De Maizière kann daran nichts Schlechtes finden. "Stellen Sie sich vor, wir wären zur Bewältigung aller Lebenslagen vollständig auf den Staat angewiesen", gibt er zu bedenken und fügt hinzu: "Ich wollte in einem solchen Staat nicht leben."

Er kann sich auf die Tatkraft der Bürger allem Anschein noch immer verlassen. Viel ist in den vergangenen Wochen darüber geredet worden, dass die Stimmung im Lande kippt, das die Helfer am Ende ihrer Kräfte sind. Aber dem widersprechen Aktivisten aus der Helfer-Szene.

Christian Kraus - Foto: Heiner Kiesel (DW)

Plattformbetreiber Kraus: "Der Bedarf ist da"

De Maizière schaut auf seine rechte Seite. Dort steht Ulrike Kostka, Direktorin der Berliner Caritas. "Vor zwei Jahren hat kaum jemand auf unser Spendenmailing für Flüchtlinge reagiert. Das letzte im vergangenen Jahr war das höchste in unserer Geschichte", sagt Kostka, deren Verband auf der Internetplattform ebenfalls um Spenden für ein Projekt wirbt. Dann schaut der Minister auf den Mann zu seiner Linken. "Die Tatsache, dass sich pro Woche 20 bis 30 Projekte auf 'Zusammen für Flüchtlinge' registrieren, zeigt doch, dass Bedarf da ist", bestätigt Christian Kraus, der Vorsitzende der Betreibergesellschaft von betterplace.org. Die Bereitschaft Geld zu spenden, als auch dafür vor Ort mitzuarbeiten, sei ungebrochen, betont Kraus.

Und dann kommen wieder die schwierigen Fragen

Aber dann holt den Minister die Tagespolitik jenseits des bürgerlichen Engagements wieder ein. Österreich hat angekündigt, den Zuzug von Flüchtlingen zu deckeln. Presseleute wollen wissen, wie er dazu steht. Die Leute neben ihm können da nicht weiterhelfen. Er schaut auf den Boden vor dem Pult und quält eine Antwort heraus.

"Die österreichische Entscheidung ist eine österreichische Entscheidung", sagt der Bundesinnenminister stockend mit seiner leicht schnarrenden Stimme. Es sei ja auch noch nichts endgültig entschieden, die Österreicher hätten ja noch ein Gutachten in Auftrag gegeben. De Maizière hofft auf eine gesamteuropäische Entscheidung. Doch: "Die Zeit läuft davon", stellt er fest. Aber vielleicht gibt es ein wenig Hoffnung, dass sich inzwischen dauernd neue Projekte auf dem Flüchtlings-Portal anmelden, um die Probleme abzufedern, die die Politik nur schwer lösen kann.

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