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Afrika

Der Horror von Luvungi im Ostkongo

In mehreren Gewaltorgien von Ende Juli bis Ende August sollen im Osten des Kongo mindestens 500 Frauen und Kinder vergewaltigt worden sein. Die UNO hat jetzt Fehler ihrer Blauhelmsoldaten vor Ort eingeräumt.

Vergewaltigungsopfer in der Provinz Südkivu, aufgenommen im November 2007. (Foto: dpa)

Vergewaltigungsopfer in der Provinz Kivu

Der Horror begann in der Nacht zum 30. Juli 2010 in Luvungi, einer Siedlung mit rund 2000 Einwohnern in den Bergen der Provinz Nord-Kivu: In Gruppen von zwei bis sieben Männern sollen Hutu-Rebellen in die Lehmhütten eingedrungen sein. Die männlichen Dorfbewohner flüchteten in benachbarte Siedlungen oder wurden von den Milizen gefangen genommen. Die verbliebenen Frauen wurden von den marodierenden Horden mit Fackeln angesengt, geschlagen und ausgezogen. Die Folterer vergewaltigten ihre Opfer nacheinander, oft mehrfach und vor den Augen ihrer Kinder. Das jüngste Opfer soll gerade einmal sieben Jahre alt gewesen sein. Die Schreie der Vergewaltigten verhallten offenbar ungehört in den umliegenden Wäldern.

Blauhelmsoldaten, die nur wenige Kilometer von dem überfallenen Dorf stationiert waren, wurden von den Bewohnern offensichtlich aus Angst vor Racheakten nicht herbeigerufen. Für Mobilfunktelefone soll es in der Region keine Verbindung geben.

Brutale Milizen

Bewaffneter Kämpfer der FDLR mit Dorfbewohnern (Foto: AP)

Bewaffneter Kämpfer der FDLR mit Dorfbewohnern

Für Gewalt in der Region werden Milizen der "Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas" (FDLR) und kongolesische Mai-Mai-Rebellen verantwortlich gemacht. Die FDLR ist eine Miliz von Hutus, die 1994 nach dem Völkermord in Ruanda in das damalige Zaire (heute Kongo) geflohen waren. Die Miliz wird wegen ihrer Brutalität gefürchtet. Viele Mitglieder sollen in den Massenmord an 800.000 Tutsi und gemäßigten Hutu in Ruanda verstrickt sein.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte nach der Massenvergewaltigung in Luvungi den stellvertretenden Untergeneralsekretär für UN-Friedensmissionen, Atul Khare, in die Region entsandt. Dieser erfuhr vor Ort von weiteren Vergewaltigungen auch in einer anderen Region des Ostkongos. Die Zahl der bekannten Opfer liegt laut Khare jetzt bei 500.

UNO-Mission gescheitert?

Mit Lasten beladene Kongolesin vor einem Lastwagen der UN im Ostkongo. (Foto:ap)

UN-Friedensmission im Kongo

Nach seiner Rückkehr hat Atul Khare in New York Fehler der UNO eingeräumt. Die Blauhelm-Soldaten hätten auf die Rebellenangriffe "nicht angemessen" reagiert und seien "gescheitert", sagte der Untergeneralsekretär für UN-Friedensmissionen. Zwar liege die Sicherheit der Bevölkerung im Kongo vor allem in Händen der Regierung des Landes, die dortige UN-Friedensmission MONUSCO sei aber "gleichfalls gescheitert", so Khare. "Unsere Handlungen waren nicht angemessen und haben eine inakzeptable Brutalisierung in der Region nach sich gezogen. Wir müssen es besser machen", gestand der UN-Vertreter ein und sagte mehr Patrouillen und Kontrolleinsätze in der Region zu. Den Opfern gegenüber fühle er sich "persönlich schuldig".

Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrats zeigten sich empört über die Übergriffe. US-Botschafterin Susan Rice sagte, ihr Land werde prüfen, ob es UN-Sanktionen gegen Führer von beteiligten Milizen beantragen werde. Zugleich warf auch sie den UN-Blauhelmsoldaten im Kongo "Fehler und Versäumnisse" bei ihrer Reaktion auf die Massenvergewaltigungen vor. Berichte über die Taten waren nur nach und nach bei der UNO eingegangen.

Autorin: Klaudia Pape (afp, dpa)

Redaktion: Katrin Ogunsade

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