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Kultur

Der Hiphop überdröhnt Afrikas Traditionen

Multikulti-Sender im Radio, Weltmusik-Konzerte und Festivals: Traditionelle Musik aus Afrika ist in Europa gefragt – da, wo sie herkommt, dagegen nicht: Pop und Hiphop sind mächtiger. Die Musiker suchen Hilfe.

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Aus dem Radio kommt immer seltener ghanaische Ur-Musik

Happy Hour in Accras Luxushotel Golden Tulip. Am Swimming Pool ist ein Klassiker zu hören: Der Kingston Town Reggae - etwas abgeflacht und verhalten, abgestimmt auf den vermeintlichen Geschmack der internationalen Gäste. Im Jazz Club des Tulip Hotel spielt immer freitagnachts auch Mustapha Bortieh Borquaye, der Schlagzeuger, mit seiner Band. Cocktails, weißberockte Kellner und Gäste in Designeranzügen - das ist dann seine Welt.

Vom Luxus in die Überschwemmung

Musik aus Ghana

Traditionelle Musiker haben es schwer in Ghana - der Mainstream-Pop ist mächtig

Doch wer Mustapha an anderen Tagen trifft, der sieht eine ganz andere Welt. Denn der Musiker lebt in Avenor, einer ärmlichen Siedlung von Accra, zwischen einer alten Eisenbahnlinie und einem verdreckten Flussbett. Hier sind die meisten Menschen arm. Elektrisches Licht brennt nur in wenigen Straßen. Und wenn es wieder mal geregnet hat, steht auch Mustaphas Hütte unter Wasser. Warum er sich nicht längst eine andere Bleibe gesucht hat? "Tja, all das Geld das ich die Jahre über verdient habe mit Jazz - und das obwohl ich ein sehr bekannter Schlagzeuger bin -, das ging für die Ausbildung meiner Kinder drauf."

Einmal die Woche probt Mustapha mit einer traditionellen Trommel- und Tanzgruppe in einem Hinterhof von Avenor. Diese Musik hat nichts mit dem Jazz zu tun, den er für die Hotelgäste spielt. Doch Mustapha hofft, irgendwann mit einer CD mal ganz groß rauszukommen. Denn die Live-Auftritte in Accra, so sagt er, sind weniger geworden. Die Leute hätten eben auch kein Geld mehr, um auszugehen. Und von der Regierung komme auch keine Unterstützung.

Modernisierung an den Wurzeln

John Agyekum Kufuor

Ghanas Präsident John Agyekum Kufuor hat Kulturförderung versprochen. Die Musiker vermissen aber Unterstützung

Musiker haben es schwer in Ghana, insbesondere wenn sie keinen Pop-Mainstream vertreten. Zum Beispiel die Gruppe "Roots of Africa". Mit ihrer Mischung aus Reggae, High-Life, Calypso, Jazz und traditionellen Elementen wollen die Musiker eine ganz eigene Fassung dessen anbieten, was sie unter den "Wurzeln Afrikas" verstehen. "Black Wonder", ein Musiker aus der Gruppe, der sich ausschließlich bei seinem Künstlernamen rufen lässt, erläutert das Konzept der Band: "Wir versuchen, den 'palmy course' zu modernisieren, den unsere Großväter gespielt haben, wenn sie unter den Bäumen saßen und Palmwein getrunken haben. Dann haben sie Gitarre gespielt, afrikanische Gitarre. Das nennen wir 'palmy course'." Die "Roots of Africa" benutzen traditionelle Instrumente – so gesellt sich eine ghanaische Flöte zur Bassgitarre.

Keine Spur von Förderung

MTV Awards in Rom Eminem

Die Jugend in Ghana will Eminem statt 'Black Wonder'

Allerdings: Außer den Touristen in Ghana lassen sich bisher nur wenige Zuhörer für die afrikanischen Wurzeln begeistern. Das gilt insbesondere für die einheimischen Jugendlichen, die lieber Hiphop hören und alles, was da sonst noch an Sound über den großen Teich, meist aus den USA, zu ihnen herüberschwappt. "Roots of Africa" sowie zahlreiche andere Bands hoffen deshalb auf einen Promoter aus der Musikbranche, der sie groß rausbringt. "Die meisten Promoter wollen ihr Geld ganz, ganz schnell. Deshalb kümmern sie sich um die Rapper, um Hip-Life und so weiche Sachen", weiß "Black Wonder". "Kreativität dagegen braucht Zeit."

Zwar hatte die ghanaische Regierung unter Präsident John Agyekum Kufuor schon vor Jahren beschlossen, die traditionelle Kultur zu fördern. Dazu gab es Workshops, Gesetzesentwürfe, Debatten. Konkret getan, so klagen die Künstler, habe sich aber wenig. Von Verhältnissen wie etwa im Musik- und Tanzland Brasilien, wo mit Gilberto Gil ein Musiker sogar Kulturminister wurde, können die

Afrikaner bislang nur träumen. Ghana hat bis heute nicht einmal ein Kulturministerium.

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