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Kultur

Der Himmel und das Himmelreich

Der Mensch erobert den Weltraum. Ist er Herr des Himmels? Marianne Ludwig beschreibt für die evangelische Kirche den Unterschied zwischen dem Himmel, der über uns ist und dem Himmel, der für uns immer erreichbar ist.

This illustration shows a stage in the predicted merger between our Milky Way galaxy and the neighboring Andromeda galaxy, as it will unfold over the next several billion years. In this image, representing Earth's night sky in 3.75 billion years, Andromeda (left) fills the field of view and begins to distort the Milky Way with tidal pull. (Credit: NASA; ESA; Z. Levay and R. van der Marel, STScI; T. Hallas; and A. Mellinger)

Hubble Milchstraße Andromeda Position in 3.75 Milliarden Jahren

Der Himmel über uns regt seit jeher die Phantasie an. Ein biblischer Psalmdichter fragt: „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschenkind, dass du sich seiner annimmst?“ [1] Die Unendlichkeit des Himmels bringt Menschen zum Staunen. Aber nicht jeder verbindet die Weite des Himmels mit Gott.

Nach seinem ersten Weltraumflug sagte der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin: „Ich war im Himmel und habe Gott nicht gesehen, also gibt es keinen Gott!“ [2]Spätere Kosmonauten urteilen vorsichtiger: "Ich saß in der Station am Bullauge und beobachtete. Wer weiß warum, sehr oft, fast immer schien es so, als ob jemand von der Seite mich beobachtete. In jenem Augenblick war etwas. Und mir schien, dass irgendetwas Großes mich beobachtete, und schaute, wie ich das machte. Wie ich mit diesem Flug zurecht komme. Was das war, ist schwer zu sagen. Aber es war wirklich. Es war irgendeine gewaltige Vernunft des Weltalls. Mir schien es manchmal so, als ob ich das Raumschiff Gagarins, Wostok, mit ausgestreckten Antennen fliegen sehe. Ich weiß nicht, waren das Kontakte mit der Vergangenheit oder der Zukunft ?"[3]

Die Erfahrungen der sowjetischen Kosmonauten mit dem Himmel könnten unterschiedlicher nicht sein. Für den einen ist der Himmel ein Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Nur das ist wirklich, was man messen, sehen und anfassen kann. Für andere zählen auch Empfindungen und Spiritualität. In der unendlichen Weite des Himmels begegnen sie der Ewigkeit.

Zwei verschiedene Himmel

Reden Gagarin und die anderen Kosmonauten vom selben Himmel? Leider unterscheidet unsere deutsche Sprache nicht zwischen den unterschiedlichen Erfahrungen. Die englische Sprache ist da genauer: „sky“ und „heaven“, beides übersetzen wir mit „Himmel“. „Sky“ ist der natürliche Himmel, das Firmament über uns. „Heaven“ dagegen ist ein Ort, der sich unserem Zugriff entzieht. Er kann nicht beschrieben, wohl aber besungen werden. Heaven – das ist der Himmel, wo sich unsere Träume und Hoffnungen ansiedeln. Wo Tränen der Freude und Tränen der Trauer zu Hause sind. Tears in heaven stehen für eine Gewissheit: Unser Gott überlässt uns nicht der Leere und Kälte des Weltraums. Nicht das Zufallsprinzip bestimmt unser Leben, sondern die Weisheit Gottes. Wie das Himmelreich ist sie Menschen nicht unmittelbar zugänglich. Aber von Zeit zu Zeit bricht dieser Himmel auf.

Vor allem dann, wenn die Zeiten finster sind. In den Kriegswirren der Barockzeit haben Menschen diese Erfahrung sogar in Bildern festgehalten. Die Kirchen der Barockzeit sind berühmt für ihre Deckengemälde. Wer in eine solche Kirche eintritt, wendet seinen Blick unwillkürlich nach oben. Zum Himmel. Die Deckenbilder erzählen eine dramatische Geschichte: Wenn der Himmel aufreißt, bleibt es nicht dunkel. Das Licht drängt den Wolkenvorhang zur Seite und vertreibt mit seinen Strahlen die Dämonen der Mutlosigkeit und des Hasses. Diese Botschaft dieser Bilder ist auch heute noch verständlich: Dieser Himmel ist nicht himmelweit entfernt. Sondern, wie die Bibel sagt: Er ist den Menschen nahe. (vgl. Lukas 17,21). Ganz besonders in finsteren Zeiten.

Pfarrerin Marianne Ludwig, Berlin Eingestellt am 10.12.2010. Das Bild wurde von dritter Seite zur Verfügung gestellt: Rundfunkarbeit im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) für den Medienbeauftragten des Rates der EKD

Pfarrerin Marianne Ludwig, Berlin

Zur Autorin: Marianne Ludwig (Jahrgang 1958) ist seit Februar 2007 Pfarrerin bei der Bundespolizei mit Dienstsitz in der Bundespolizeiabteilung Blumberg. Sie wurde in Bad Berleburg (Nordrhein-Westfalen) geboren und studierte ev. Theologie und Judaistik in Berlin, Göttingen und Jerusalem. Sie wurde nach dem Vikariat 1989 ordiniert und arbeitet seither überwiegend in der Spezialseelsorge (Ev. Familienbildungsstätte, Kinderklinik). 1997 schloss sie berufsbegleitend ein Studium der Erziehungswissenschaften in Berlin ab, 1997 – 1999 eine Ausbildung in Klinischer Seelsorge und 1999 - 2002 eine Ausbildung zur Supervisorin am Ev. Zentralinstitut für Familienberatung. Sie hat derzeit einen Predigtauftrag in der JVA Tegel/Berlin. Marianne Ludwig ist verheiratet und hat drei Kinder.


[1] Psalm 8, v. 4.5 Übersetzung nach M. Luther

[2]Zit. nach: J. Bayer, „Himmel“ in: Entwurf 1/2013, Zeitschrift f. Religionsunterricht, Friedrich-Verlag, S. 5

[3]Bernd Schuh, Der Himmel ist leer. Vom Anfang und Zweck der bemannten Raumfahrt. Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, Sendung vom 10.4. 2011


Audio und Video zum Thema