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Europa

Der Herr wird’s schon richten

Ende Januar 2009 hatte Papst Benedikt XVI. ein Dekret erlassen, das die Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Brüderschaft beendete. Der Sturm der Entrüstung war groß. In Italien allerdings ist man gelassen.

Papst Benedikt XVI. grüßt aus dem Flugzeug (17.03.2009/AP Photo/Pier Paolo Cito)

Papst Benedikt XVI. wird in Italien geschätzt

Papst Benedikt XVI. ist mit dem Dekret, das die Exkommunikation von vier Bischöfen aufheben sollte, auf die Piusbruderschaft zugegangen – und dieser Schritt hat nicht nur in Deutschland Irritationen und heftigen Widerspruch ausgelöst. Denn zu den vier Bischöfen, die in den Schoß der Kirche zurückkehren sollten, gehört auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson. In Italien kritisierten große Tageszeitungen den Papst sogar noch rascher als die Presse jenseits der Alpen.

Heftiger, aber kurzer Aufruhr

Der Bischof Richard Williamson (19.02.2009/AP Photo/Courtesy SVT)

Bischof Richard Williamson hatten den Holocaust geleugnet

Doch erstaunlicherweise legte sich dieser Sturm ebenso schnell wieder. Abtprimas Notker Wolf, der seit dem Jahr 2000 als oberster Repräsentant der weltweiten benediktinischen Konföderation in Rom lebt, hat die Entwicklung verfolgt. Im Februar hätten die Traditionalisten noch angekündigt, die Kirche nun von hinten aufrollen zu wollen, erzählt er. "Aber die Italiener haben das gelassen hingenommen, es ist schon längst nicht mehr in der Presse."

In Deutschland hatte nicht nur die antijüdische Haltung der Traditionalisten der Pius- Bruderschaft Empörung ausgelöst. Viele angesehene Theologen hatten auch die Sorge, auf den Schritt des Papstes könne ein Rechtsruck in der Kirche folgen, denn die Pius-Bruderschaft lehnt Teile des Zweiten Vatikanischen Konzils ab.

Italiener sympathisieren mit dem Papst – schon immer

Tausende Gläubige stehen vor der Saint Peter´s Basilika im Vatikan (05.04.2005/dpa)

Über einen Mangel an Gläubigen kann sich Italien nicht beschweren

Papst Benedikt XVI. bemühte sich zwar, diese Bedenken auszuräumen. Doch sein Ansehen hat in den Augen vieler gelitten. Das gelte jedoch nicht für jedes Land, erklärt Notker Wolf. In Deutschland sei das zwar der Fall, aber in der italienischen Bevölkerung sei von der Empörung nichts zu spüren. "Wenn ich mit den Leuten rede: Sie respektieren den Papst. Sie sagen: Er ist ein Deutscher, er gibt klare Orientierung. Das wird sehr geschätzt, mehr als bei uns in Deutschland. Ich bin da immer wieder erstaunt."

Die Sympathie für den Papst ist in Italien und besonders in Rom fest im Volk verankert. Kritik hört man selten - außer von Vertretern der politischen Linken, die bis weit ins 19. Jahrhundert hinein vom Vatikan unterdrückt wurde. Kirchenfeindliche Strömungen habe es in Italien schon immer gegeben, sagt auch Notker Wolf. "Und ich verstehe auch, dass in einem Land, in dem die Kirche immer relativ pompös und mächtig aufgetreten ist, natürlich auch eine antiklerikale Stimmung gegen eine Übermacht der Kirche aufkommen kann."

Kulturabgabe statt Kirchensteuer

Plakate mit dem Konterfei von Papst John Paul II. hängen in Rom (03.04.2005/AP Photo/Alessandra Tarantino)

Der Papst ist populär in Italien - egal welcher

Nicht-katholische Christen wie Anglikaner, Lutheraner oder Orthodoxe bilden zwischen Südtirol und Sizilien nur winzige Minderheiten. "Christ sein" bedeutet daher für das italienische Volk bis heute: "katholisch sein". Nur durch die Taufe kann man zu einem Teil der Kirche werden.

Eine staatlich registrierte Mitgliedschaft gibt es in Italien ebenso wenig wie eine Kirchensteuer. Die Gemeinden finanzieren sich durch freiwillige Beiträge und Spenden. Aber es gebe in Italien die Kultursteuer, die der deutschen Kirchensteuer ähnlich sei, sagt Abtprimus Wolf. Jeder Bürger könne entscheiden, wem er diese Steuer zuführen möchte. "Erstaunlicherweise kommen die Kirchen dabei sehr gut weg. Die Italiener kennen ihre Leute nur all zu gut und wissen, dass es viel Korruption gibt. Sie trauen den Kirchen immer noch am meisten."

Volle Kirchen am Sonntag

Blick auf den Vatikan - das Herzstück des Katholizismus (01.10.2000/(AP Photo/Massimo Sambucetti)

Blick auf den Vatikan - das Herzstück des Katholizismus

Italienische Sonntagsgottesdienste sind gut besucht – auch mit Jugendlichen. Sie suchen in der Kirche Werte, doch Lehrsätze nimmt man dabei nicht ernster als nötig. Schließlich weiß man, dass kleine Verfehlungen vergeben werden. Es gebe eine Art religiöse Grund-Gestimmtheit in Italien, sagt Notker Wolf: "Man glaubt daran, dass Gott uns geschaffen hat, unser Ziel ist, dass er uns beschützt und dass er uns auch vergibt. Die Italiener sind da viel großzügiger als wir Deutschen."

Vielleicht können die Italiener deshalb dem Papst leichter verzeihen, wenn er aus ihrer Sicht einmal einen Fehler macht.

Autorin: Corinna Mühlstedt
Redaktion: Mareike Röwekamp

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