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Kultur

Der Held und der Feind seines Feindes

Subhas Chandras Bose gilt in Indien als Freiheitsheld – aber warum dreht der indische Regisseur Shyam Benegal einen Film über Boses Leben in Deutschland? DW-WORLD war am Set.

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"Netaji - The Last Hero": Regisseur Shyam Benegal (rechts) mit Schauspielern

Marquardt ist ein verschlafenes Dorf in der Nähe von Potsdam. Ende Juli 2003 hatten die Einwohner allen Grund sich die Augen zu reiben: Eine komplette indische Filmcrew hatte das malerisch an einem See gelegene Barockschloss in Beschlag genommen. Lastwagen beladen mit Geräten und Kostümen parkten in der Auffahrt, umschwirrt von Schauspielern und Technikern, die sich in Deutsch, Englisch und einer handvoll indischer Sprachen unterhielten. Die Dreharbeiten für ein gewichtiges indisches Geschichtsepos waren im Brandenburgischen angekommen.

Netaji Subhas Chandra Bose in INA Uniform Porträtfoto

Netaji Subhas Chandra Bose

Dabei geht es um die abenteuerlichen letzten fünf Jahre im Leben des Subhas Chandra Bose, der in Indien noch immer Netaji, der Führer, genannt wird. Bose hatte während des Zweiten Weltkriegs die Indian National Army (INA) aufgestellt, um die englische Herrschaft über sein Land gewaltsam abzuschütteln.

Hitler und der "letzte Held"

Shayam Benegal Filmregisseur Netaji The last hero

Shayam Benegal

Der Film "Netaji – The Last Hero" soll unter der Regie der 70-jährigen Regie-Legende Shyam Benegal Licht auf ein wenig bekanntes Kapitel der deutsch-indischen Beziehungen werfen: Den zweijährigen Aufenthalt Boses in Berlin – und seine Versuche Adolf Hitler zu einer Unterstützung des indischen Freiheitskampfes zu bewegen. Eine Geschichte, die nicht nur bei den Bewohnern Marquardts weitgehend unbekannt ist.

Der Revolutionär Bose stand mit seinen Auffassungen in Widerspruch zu den passiven und gewaltlosen Methoden Mahatma Gandhis. 1941 floh er aus Indien und schaffte es in wilden Verkleidungen, sich über Afghanistan und Moskau nach Berlin durchzuschlagen. Bose war der Überzeugung, dass die Briten den Krieg verlieren würden und wollte sich die Unterstützung Hitlers für die indische Unabhängigkeit sichern. "Das kam ja dann alles anders", sagt Regisseur Benegal. Die Deutschen gewährten Bose zwar finanzielle Unterstützung für seine Propaganda-Sendungen im Radio, auf das immer wieder versprochene Treffen mit Hitler musste Bose aber über ein Jahr warten.

Die große Entäuschung

Als es am 27. Mai 1942 dann endlich zu Stande kam, war die Unterredung für Bose eine große Enttäuschung – Hitler verweigerte die erhoffte Hilfe. Professor Johannes Voigt von der Uni Stuttgart, der ein Buch über Indien im Zweiten Weltkrieg geschrieben hat, meint, dass Hitler die Hilfe für Bose aus rassischen Gründen verweigerte. "Hitler war zudem von der Notwendigkeit europäischer Herrschaft in Indien überzeugt", so Voigt. "Und außerdem war Indien für ihn viel zu weit weg."

Einzig die Aufstellung der "Indischen Legion" wurde gestattet: eine aus indischen Kriegsgefangenen bestehende Einheit von etwa 3000 Mann, die nach Boses Vorstellungen nach dem deutschen Sieg über die Sowjetunion zur Speerspitze im Kampf gegen die Briten in Indien werden sollte. Nach der deutschen Niederlage in Stalingrad 1943 war auch Bose das Illusorische eines solchen Planes klar.

Von U-Boot zu U-Boot

Netaji: The Last Hero vom Regisseur Shyam Benegal

Am zweiten Drehort in Kiel

Bose wollte nun die Japaner für seine Pläne gewinnen. Im Februar 1943 bestieg Bose dafür in Kiel das deutsche U-Boot U 180 für eine abenteuerliche Reise um den halben Globus. Nach wochenlanger Fahrt wurde der indische Revolutionär vor der Küste Mosambik an ein japanisches U-Boot übergeben, das ihn schließlich in das Land der aufgehenden Sonne brachte. Bose konnte zwar tatsächlich mit japanischer Hilfe die INA in Burma aufbauen, die indische Unabhängigkeit erlebte er aber nicht mehr. Bose starb am 4. Mai 1945 bei einem Flugzeugabsturz.

Der Film über diese dramatischen Ereignisse soll schon im Januar 2004 in den indischen Kinos anlaufen. Ob er auch in Deutschland zu sehen sein wird ist noch unklar. Regisseur Benegal, der auch schon Filme über Gandhi drehte, rechnet mit durchaus kontroversen Reaktionen auf "Netaji – The Last Hero". "Unter allen Führern des asiatischen Befreiungskampfes ist Bose der letzte, den die Briten immer noch einen Verräter nennen", so der Regisseur zu DW-WORLD. "Für mich ist er aber ein Held, denn er verfolgte ein einfaches Ziel – die Befreiung Indiens".