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Der hat Sorgen!

Fast jeder kennt es: Man macht sich Sorgen, trägt für etwas Sorge, sorgt sich um jemanden. Aber ist wirklich jede Sorge berechtigt? Oder sollte man seine Sorgen nicht besser vergessen, sie loswerden und sorgenlos sein?

Audio anhören 07:01

Der hat Sorgen! – die Folge als MP3

An der Haltestelle „Neumarkt“ steigt ein Junge ein und setzt sich zu mir in den Vierer. Ich sitze in der S-Bahn, Linie 16, an der nächsten Station muss ich raus. Der Junge, der mir nun gegenübersitzt, ist vielleicht 16 oder 17. Ich fühle mich auf einmal so alt, obwohl ich gerade einmal 29 bin. Für ihn bin ich aber bestimmt schon uralt. Er hat sein Handy am Ohr. Am Telefon scheint ein Freund zu sein: „Wie? Du hast mir doch versprochen, dass du mir ein 18er-Bändchen für die Party am Samstag besorgst? Du weißt doch, dass ich sonst um zwölf aus dem Club geschmissen werde. Das wäre ja die totale Katastrophe!“

Sorgenlose Kindheit

Kinder spielen Hüpfkasten.

Unbeschwert mit Freunden spielen

Ach, Junge! Du hast Sorgen!, denke ich mir in dem Moment. Aus der kleinsten Mücke wird ein riesiger Elefant gemacht. An die Zeit erinnere ich mich zu gut, in der Hindernisse unüberwindbar schienen. Plötzlich tauchten sie aus dem Nichts auf, diese vermeintlichen Probleme, Krisen, Ängste und Sorgen, auf die es vorher keine Hinweise gab. Denn als Kind war man doch noch so sorgenlos, man genoss einfach das Leben.

Nach der Schule wurde auf der Straße gespielt, die Hausaufgaben waren uns egal. Die konnten wir auch noch morgens schnell ins Heft kritzeln. Angst, dass unsere Schlampigkeit einmal Konsequenzen haben könnte, dass wir deswegen ein schlechtes Abschlusszeugnis bekämen, keine Ausbildung und deshalb keinen Job finden würden – diese Sorgen hatten wir nicht. Wir lebten im Hier und Jetzt. Ja, so sollte eine Kindheit doch sein: voller Spaß und ohne jeglichen Kummer.

Elterliche Sorge

Ein Mädchen guckt traurig, weil ihre Eltern streiten.

Elterliche Sorge kann schon mal in einen Streit münden

Den hatten bloß unsere Eltern! Gerade dann, als wir in die Pubertät kamen und wir Mädchen uns auf einmal ganz toll für die Jungen interessierten. Egal, ob wir mit 14 heimlich auf eine Party gehen wollten. Sie machten sich Sorgen. Oder sie sorgten sich um uns, wenn wir für einen netten Plausch mit unseren Freundinnen im Café den Matheunterricht schwänzten.

Auch der Staat nimmt die Eltern in die Pflicht. Es gibt eine gesetzliche elterliche Sorge, umgangssprachlich Sorgerecht genannt. Eltern sind verpflichtet, ihr Kind zu versorgen, zu betreuen und zu erziehen. Und so manch einer muss sich diese Aufgabe mit seinem geschiedenen Partner teilen oder erstreiten.

Es hört nie auf

Alle Mamas und Papas dieser Welt quält zeitlebens ihre elterliche Sorge – selbst wenn ihre Kinder schon erwachsen sind. Nicht anders verhielt es sich bei mir. Als der Abschluss in der Tasche war, ging das Abenteuer erst richtig los. Was mache ich jetzt? Werde ich Arzt, Architekt oder doch Superstar? Ich wollte Schauspielerin werden. Meiner Mama und meinem Papa bereitete dieser Plan große Sorgen. Sie hatten Angst um die Zukunft ihres geliebten jüngsten Kindes. Brotlose Kunst sorgt nicht gerade für Sicherheit.

Oh ja, für die eine oder andere Sorgenfalte auf ihren Gesichtern bin ich sicher verantwortlich. Sie äußerten zwar mehrfach ihre Besorgnis, waren aber immer für mich da. Dafür muss ich sie loben. Ja, sie waren sehr fürsorglich – und dass, obwohl ich für sie wohl immer ihr Sorgenkind bleiben werde.

Vernunft versus Leidenschaft

Die Hosentasche ist leer.

Noch nicht einmal mehr Kleingeld in der Hosentasche!

Ich ergatterte zwar einen der heißbegehrten Studienplätze an der Schauspielschule. Naiv wie ich war, dachte ich, damit sei alles in trockenen Tüchern und sah mich schon auf den großen Bühnen der Welt stehen. Kaum war das Studium allerdings abgeschlossen, platzte diese Seifenblase. Ich fragte mich, ob ich nicht doch der Vernunft hätte gehorchen sollen. Dann hätte ich Mathematik oder Informatik oder irgend so etwas studiert.

Dann hätte ich jetzt einen sicheren Job, würde genug verdienen, könnte mich zurücklehnen und das Leben in vollen Zügen genießen. Apropos Züge, dann säße ich gerade nicht in dieser S-Bahn und müsste nicht die Gesellschaft eines jammernden Teenagers genießen. Ich müsste nicht von einem Casting zum nächsten hetzen und seit drei Jahren jeden Aushilfsjob, der mir nur über den Weg läuft, annehmen – sei er noch so schlecht bezahlt.

Der Traum so vieler

Hollywood Walk of Fame

Bald steht dort auch mein Name, bestimmt!

Ich habe von Hollywood geträumt. Von einem Stern auf dem Walk of Fame, davon dass ich das weibliche Pendant zu Til Schweiger werden würde. Ich wäre ein Star, berühmt, könnte das machen, wovon ich immer geträumt hab. Niemals erstrebenswert für mich war es allerdings, für Schlagzeilen zu sorgen und auf dem Titelblatt bestimmter Frauenblätter zu erscheinen.

Ich habe diesen Beruf gewählt, weil er mir Spaß macht. Und natürlich auch, um gleichzeitig genug zu verdienen. Stattdessen habe ich nun finanzielle Sorgen und Engagements selbst auf den kleinsten Bühnen gibt es nicht. Viele Schauspieler und auch Sänger teilen meine Sorgen, suchen einen Ausweg, wollen ihre Sorgen loswerden. Sie satteln um, suchen sich einen anderen Job. Aber wird man mit einem „Plan B“ oder „C“ wirklich glücklich?

Suche nach der Hoffnung

Eine Frau liegt betrunken zwischen vielen leeren Flaschen.

Für einen Moment sorgenfrei sein

Keine Sorge, wenn das einer schafft, dann bist du das!“, haben meine besten Freundinnen immer gesagt. Damit versuchen sie wohl meine Sorgen zu vertreiben, schaffen es aber nicht immer. Sie selbst haben ja leicht reden. Sie haben eine feste Anstellung, sind verlobt oder verheiratet und stehen kurz vor der Familienplanung.

Ich könnte wie in einer dieser Seifenopern die Abende in miefigen Kneipen verbringen und meine Sorgen in Alkohol ertränken. Dann wären sie für einen Moment vergessen und ich glücklich. Am nächsten Morgen wären aber die Angst, die Not und dieses große Problem wieder da – und Kopfschmerzen gäbe es oben drauf gratis dazu. Ich fühle mich jeden Morgen genau so wie es Jürgen von der Lippe in seinem Lied besingt: „Guten Morgen liebe Sorgen, / seid ihr auch schon alle da? / Habt ihr auch so gut geschlafen? / Na, dann ist ja alles klar.“

Können wir tauschen?

Die Bahn hält, ich steige aus. Ach, wäre ich doch immer noch 16 oder 17, würde mich jeden Morgen müde zur Schule quälen und meine einzige Sorge wäre, ob ich für die nächste Party ein 18er-Bändchen ergattern kann. Ich laufe ein Stück neben der abfahrenden Bahn her Richtung Ausgang und sehe den Jungen, der ganz verzweifelt aus dem Fenster starrt, als wäre diese Party das Wichtigste in der Welt. Ich denke mir nur: Deine Sorgen möchte ich haben!






Arbeitsauftrag

Hört euch das ganze Lied „Guten Morgen liebe Sorgen“ unter folgendem Link an: http://bit.ly/1gkyw0R. Nehmt erst beim zweiten Hören den Text zur Hilfe, den ihr hier findet: http://bit.ly/1hc1wG7. Schreibt eine Zusammenfassung. Worum geht es in dem Lied?

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