1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Der Haifisch in der Sardinenbüchse

Schon seit mehr als 40.000 Jahren sollen Menschen Fische angeln. Seitdem bereichern sie nicht nur den Speiseplan, sondern auch die Sprache mit Redewendungen, Sprichwörtern und bildhaften Ausdrücken.

Audio anhören 06:59

Der Haifisch in der Sardinenbüchse – die Folge als MP3

Fürs Angeln braucht man Ruhe und Zeit. Wer stundenlang aufs Wasser schaut, bis ein Fisch endlich anbeißt, der hat viel Muße. Er hat Zeit, die Fische zu beobachten und sich so seine Gedanken zu machen: über große, kleine, frische und alte Fische, über Angelhaken und Fischkonserven, und darüber, wie die Fische sich so verhalten. Und dabei drängt sich die Frage auf: „Sind wir Menschen nicht eigentlich genau so wie die Fische?“

Das Wort an der Angel

Ein Angler am Fluss hält seinen Fang hoch

Glück für den Angler – Pech für den Fisch

Definiert wird der Fisch im Wörterbuch so: „Der Fisch ist ein im Wasser lebendes, durch Kiemen atmendes Wirbeltier mit einem von Schuppen bedeckten Körper und Flossen, mit deren Hilfe er sich fortbewegt.“ Der Duden sieht’s wie immer sachlich.

Aber das Wort „Fisch“ existiert auch ohne den bestimmenden männlichen Artikel. Nur dann ist es ein Fischgericht. Es heißt nicht: Als Hauptgang gibt es einen Fisch, sondern schlicht „auf der Speisekarte steht heute Fisch“. In der Pluralform gibt es Fische auch – dann sind es die Fische und sie leben nicht nur im Wasser, sondern man findet sie auch am Himmel – als Sternbild und als sogenanntes Tierkreiszeichen. Wer ein Rätsel lösen möchte, schaut nach, in welchem Monat im Tierkreiszeichen der Fische Geborene zur Welt gekommen sind.

Gefischte Redewendungen

Doch zurück zu unserem Angler. Der hat einen Köder am Haken und hofft, dass ein Fisch anbeißt. Für den Fisch endet das bekanntlich nicht gut. Er muss zunächst das machen, was der Angler will. Wenn er vorher einen Köder geschluckt hat, dann ist er dazu noch getäuscht worden. Falls der Angler keine Angel, sondern ein Netz zum Fischen verwendet, kann der Fisch ihm auch ins Netz gehen, was für das Ende des Fisches in etwa dasselbe bedeutet.

Ein Karpfen zappelt im Netz

Eben hat dieser Karpfen noch kleine Fische gefressen – jetzt ist er bald selbst die Mahlzeit

Eben noch ging es dem Fisch gut, er fühlte sich wie ein Fisch im Wasser, doch gleich darauf liegt er auf dem Trockenen. Ihm fehlt das Wichtigste zum Leben. Sagt jemand also, dass er sich wie ein Fisch auf dem Trockenen fühlt, dürfte sein Gefühlszustand klar sein, oder? Der Angler befasst sich nun mit seinem Fang. Da liegen sie, die Fische, und müssen ausgenommen und gesäubert werden. Wahrlich, keine schöne Arbeit! Wen wundert’s da, dass der Angler am Ende erleichtert ausruft: Der Fisch ist geputzt, die Arbeit ist getan, das Abendessen gesichert!

Geflügelte Fischworte

Vielleicht waren es ja wirklich die Angler und Fischer, die die zahlreichen Redewendungen, in denen es um Fische geht, in die Sprache eingebracht haben. Sie beobachteten, dass die großen Fische die kleinen fressen – und was das in übertragener Bedeutung heißt, muss wohl nicht erklärt werden. Bei der Gelegenheit wurde auch gleich ein großer Fisch zu einer wichtigen Person, manchmal auch zu einem Schwerverbrecher, der der Polizei ins Netz gegangen ist. Kleine Fische interessierten sie eher weniger.

Den Fischern fiel auch auf, dass der Fisch, wenn er alt wurde, am Kopf zu stinken begann. Wer heute sagt: Der Fisch stinkt vom Kopfe her, meint allerdings eher die Führung einer Firma oder einer Partei. Die Redensart bedeutet schlicht, dass sie schuld ist etwa an mangelndem Erfolg oder an schlechter Stimmung.

Was Butter und Fische miteinander zu tun haben

Heringe auf einem Teller mit Roter Beete, Salzkartoffeln, Salat und Zitrone.

Hier fehlt nur noch die Butter ...

Die Angler wussten auch am besten, wann ein Fischgericht wirklich lecker ist. Nämlich dann, wenn man kurz vor dem Servieren noch etwas Butter dazugibt. Und weil die Angler mehrheitlich aus Norddeutschland stammen, ist daraus die sprachlich nicht ganz korrekte Redewendung: „Nu mal Butter bei die Fische“ entstanden. Das wird heutzutage auch in Süddeutschland verstanden und bedeutet: „Komm zur Sache, rede mal Klartext.“ Ein Küstenbewohner nennt sich übrigens scherzhaft Fischkopp.

Wahrscheinlich würden sich die Fische lauthals beschweren, über all die Sprichworte und Redewendungen, in denen sie vorkommen. Doch sie sind bekanntlich stumm und müssen Einiges ertragen: zum Beispiel, dass man jemanden, der etwas nicht sieht oder findet, als Blindfisch bezeichnet, oder dass jemand, der keine Gefühle zeigt, kalt wie ein Fisch ist. Auch der Vergleich: „Besuch ist wie Fisch, nach drei Tagen beginnt er zu stinken“, ist nicht sehr schmeichelhaft.

Wie die Heringe, Sardinen, Aale und Hechte

Nicht nur die Fische als Gattung, auch einzelne Arten müssen für Redewendungen herhalten. Der Hering – seit jeher ein beliebter Speisefisch – wurde früher in Salz eingelegt und in Fässern aufbewahrt. Dort lagen oder standen die Fische dicht gedrängt, bis sie gegessen wurden. Heute stehen Menschen wie die Heringe beim Konzert oder einer Großveranstaltung, oder sie liegen gedrängt wie die Heringe an den Stränden Spaniens und Italiens.

Ein überfüllter Bus

Auch im Berufsverkehr kann man sich wie in einer Sardinenbüchse fühlen

Ähnlich eng geht es in der Sardinenbüchse zu. Kein Wunder, dass moderne Flugzeuge mit ihrem Sitzabstand von 38 Zentimetern gerne als Sardinenbüchse bezeichnet werden. Bei so viel Enge kann man sich nicht einmal winden wie ein Aal. Der Hecht im Karpfenteich hat es da schon besser. Er ist größer als die anderen. Er kann sich daher aussuchen, ob er das Sagen hat, also der Chef ist, oder einfach nur ein wenig Unruhe stiften will, weil die kleineren Fische Angst vor ihm haben. Im Haifischbecken geht es noch viel rauer zu. Hier frisst jeder jeden, und es geht ums nackte Überleben.

Ein neues Fischsprichwort?

Trotz aller Brutalität sind die meisten Fische wesentlich friedlicher als Menschen. Unser Angler dürfte das wissen. Vielleicht wird es Zeit, dass er daraus mal ein Sprichwort macht. Es muss ja nicht gleich ein Zungenbrecher sein wie „Fischers Fritz fischt frische Fische. Frische Fische fischt Fischers Fritz“!




Arbeitsauftrag
Sich winden wie ein Aal, sich fühlen wie ein Fisch im Wasser, sich verhalten wie ein Hecht im Karpfenteich, … Viele übertragene Redewendungen und Begriffe stehen für ein bestimmtes Verhalten bzw. eine Charaktereigenschaft von Menschen. Tragt alle Redewendungen und Begriffe aus diesem Text zusammen und findet weitere. Formuliert auf einem Arbeitsblatt einen Lückentext, in den zehn Redewendungen bzw. Begriffe eingesetzt werden müssen. Tauscht die Arbeitsblätter untereinander aus. Diejenige bzw. derjenige, der keine Fehler hat, bekommt den Auftrag, den Zungenbrecher fehlerfrei zu sprechen!

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads