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Der gute alte Goethe!

Die deutsche Sprache hat Goethe viel zu verdanken – zahlreiche Zitate sind aus der Alltagssprache nicht mehr wegzudenken. Man muss sich nur umhören. Deren wahren Ursprung kennen jedoch nur die Wenigsten.

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Der gute alte Goethe!

Die deutsche Umgangssprache lebt auch von ihnen: von Zitaten großer deutscher Dichter. Zu den Paradebeispielen gehört zweifelsohne Johann Wolfgang von Goethe. In fast jedem Zitatenlexikon sammelt er die meisten Punkte. Selbst eine Miniaturauswahl bringt es noch auf rund 300 gängige Aphorismen, Sentenzen und Verse. Nicht jeder, der entsprechende Begriffe oder Wendungen in der Umgangssprache verwendet, weiß allerdings, dass sie aus Werken des „alten Goethe“ stammen.

Bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!

Symbolbild: Jemand versucht mit einem Flaschenöffner eine Weinflasche zu öffnen (Colourbox)

Bist du nicht willig, …

Ein Beispiel aus dem Alltag: „Neulich in der Bäckerei hatte ich ein lustiges Erlebnis. Da stand eine junge Frau neben mir und die wollte zwei Brötchen kaufen. Die Verkäuferin versuchte vergeblich, in die zu kleine Tüte die zwei Brötchen reinzuwürgen. Dann sagte die junge Frau neben mir: ‚Ach, bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!‘ Daraufhin fragte ich die junge Frau: ‚Ach, Sie haben also auch noch den ‚Erlkönig‘ von Goethe in der Schule auswendig gelernt? – ‚Wie, Erlkönig? Was ist das? Weiß ich gar nicht!‘“

Die Ballade „Erlkönig“ erzählt die Geschichte eines Vaters, der mit seinem schwerkranken Söhnchen nach Hause reitet. In seinen Fieberphantasien glaubt sich das Kind von einem Naturgeist namens „Erlkönig“ umworben, der zuerst mit Verlockungen, dann mit Drohungen auf sein Ziel hinarbeitet. In diesem Zusammenhang fallen die Worte: „Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt!“ Der Satz stieg – mit einem leicht ironischen Nebenton versehen – in die Spitzengruppe der Goethe-Gemeinplätze auf. Verwendet wird er in der Alltagsprache meist, wenn Geschicklichkeit allein nicht mehr ausreicht und man etwas nachhelfen muss.

Der verzweifelte arme Tor

Die meisten umgangssprachlichen Goethe-Zitate stammen jedoch aus einem seiner Hauptwerke: dem „Faust“. Ziemlich zu Beginn des Werks heißt es: „Habe nun, ach! Philosophie, / Juristerei und Medizin / Und leider auch Theologie / Durchaus studiert, mit heißem Bemüh’n. / Da steh ich nun, ich armer Tor! / Und bin so klug als wie zuvor.“

Obwohl das ganze Zitat zwei Verse umfasst, die der Dichter nicht zufällig durch einen Paarreim eng miteinander verbunden hat, werden in der Umgangssprache nur die letzten beiden Zeilen gebraucht: nämlich dann, wenn man über etwas sehr enttäuscht ist, nicht weiter weiß. Ähnlich verhält es sich mit einer weiteren Wendung.

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube

Symbolbild; Ein bärtiger Mann hat den Mund zweifelnd verzogen und hält seine rechte Hand am Kinn (Colourbox)

Die Botschaft hör’ ich wohl, ...

„Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Den Satz sagt Faust gegen Ende seines großen Eingangsmonologs. Nachdem die Wissenschaften seinen Erkenntnisdurst nicht zu stillen vermochten, spielt er kurz mit dem Gedanken, es noch einmal mit den Verheißungen der Religion zu versuchen – ohne Erfolg. 

Jemand, der in der Umgangssprache sagt: „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“, drückt damit aus, dass handfeste Zweifel an etwas bestehen, beispielsweise daran, dass die Bürgerinnen und Bürger wirklich weniger Steuern zahlen sollen. Zu oft ist ihnen das schon versprochen worden.

Die graue Theorie

In die Abteilung „Zweifel“ gehört auch dies: „Das ist doch alles graue Theorie!“ Im Originaltext lautet die Belehrung, die Mephisto, der als Doktor Faust verkleidete Teufel in Person – einem angehenden Studenten erteilt so: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie / Und grün des Lebens gold’ner Baum.“

Mit der Erstveröffentlichung des „Faust I“ im Jahr 1808 wurde auch dieser Spruch publik. In der Umgangssprache wird die Wendung „Das ist nur graue Theorie!“ heutzutage benutzt unter anderem für unfruchtbare Diskussionen und unrealistische Pläne.

Des Pudels Kern

Symbolbild: Ein schwarzer Pudel (picture-alliance/Arco Images/P. Wegner)

Was wohl dieses „Pudels Kern“ ist?

Das kann man von der Bedeutung der Wendung „des Pudels Kern sein“ nicht sagen. Hier ist es eher die plötzliche Erkenntnis, das „Aha-Erlebnis“. Faust begegnet bei seinem Spaziergang einem schwarzen Pudel, den er in sein Studierzimmer mitnimmt. Vor seinen Augen verwandelt sich der Pudel plötzlich in Mephisto. Die Überraschung darüber kleidet Faust in die Worte: „Das also war des Pudels Kern!“

Mit der Metapher des „Pudels Kern“ erklärt man, plötzlich erkannt zu haben, was hinter einer Sache steckt. Ein Beispiel: „Eine authentische Geschichte von einer älteren Dame, die immer von ihrem Neffen besucht wurde, dann immer seltener, bis er eines Tages immer häufiger wiederkam. Und der Grund war, dass sie eben im Lotto gewonnen hatte. Das ist des Pudels Kern.“

Die Gretchenfrage

Eine Szene aus einer Faust-Aufführung aus den 1920er Jahren mit Gretchen (links), Faust (rechts) und Mephisto (hinten) (picture alliance/kpa)

Die „Gretchenfrage“

Während viele Wendungen aus dem „Faust“ in der Umgangssprache in verkürztem Wortlaut verwendet werden, trifft das auf die oft zitierte „Gretchenfrage“ nicht zu. Zum Hintergrund: Faust begegnet dem Leben, der Liebe, zum ersten Mal in Person des Gretchens, einem frommen, gläubigen Mädchen aus dem Volke. Als die Affäre ernst wird und zumindest Gretchen Konsequenzen fürchtet, will sie von ihm wissen: „Nun sag’: Wie hast du’s mit der Religion?“

Das ist die bekannte „Gretchenfrage“ im Urtext. Wer heute indes von einer „Gretchenfrage“ spricht, denkt kaum noch an die Szene im Garten von Gretchens Nachbarin Marthe. Vielmehr wird jemandem die „Gretchenfrage“ gestellt, um herauszubekommen, wie diese Person denkt oder was sie beabsichtigt, ohne dass diese das preisgeben möchte.

Dichterworte für die Ewigkeit

„Das ist der Anfang vom Ende“. Ein weiterer Goethe-Spruch? Mitnichten. Aber der stark abgewandelte Spruch eines weiteren großen Poeten: William Shakespeare. Wer’s nicht gewusst hat: kein Problem! Man muss die Werke der Dichter nicht unbedingt kennen. Solange man aus ihnen zitiert, wird der Beweis angetreten, dass Dichterworte weiterleben – auch wenn unbewusst „zitiert“ wird, Quelle und Urheber gar nicht mehr bekannt sind.

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