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Welt

Der große Freibrief – Magna Carta vom 15. Juni 1215

Die Unterzeichnung der "Magna Carta" räumte zunächst dem englischen Adel und später den Bürgern Englands umfassende Rechte ein. Am 15. Juni 1215 musste König "Johann Ohneland" dem Druck der Barone nachgeben.

Die Magna Carta (dpa/Monika Graff/Landov)

Die Magna Carta

Der englische König Johann Ohneland (1167 – 1216) sah sich gezwungen eine Urkunde von weitreichender Bedeutung zu unterzeichnen. Die Regentschaft des als starrsinnig und unbeherrscht geltenden englischen Königs stand unter keinem guten Stern. Er wurde verhöhnt, weil ihn sein Vater Heinrich II. (1133 – 1189) bei der Aufteilung des Erbes übergangen hatte – sein Beiname "Ohneland“ ("John Lackland") entsprach also den Tatsachen.

Von Anfang an litt er darunter, der Nachfolger seines populären Bruders Richard Löwenherz (1157 – 1199) zu sein. Zudem war er in eine Dauerfehde mit der Kirche verstrickt. Sorgsam wachte der Klerus darüber, dass er nicht zuviel Einfluss auf die innerkirchlichen Belange bekam. Ausschlaggebend für den rasanten Ansehensverlust des Königs waren aber die Jahre langen Auseinandersetzungen mit Frankreich. Dabei ging es um die kontinentalen Landesbesitze der englischen Krone im Norden Frankreichs ging.

Invasion Frankreichs scheiterte – Freibrief für englischen Adel entstand

Philipp II. von Frankreich (Stahlstich, 1845, von Jacques Étienne Pannier)

Philipp II. von Frankreich

Seit 1202 setzte ihm der französische König Philipp II. August (1165 – 1223) zu. Mal wurden die britischen Landesbesitzungen in Frankreich konfisziert, mal durch vertragliche Regelungen wieder zurückgegeben. Mal revoltierten französische Adlige im Norden Frankreichs gegen die britische Krone, mal schaltete sich der Papst ein. 1209 wurde Johann Ohneland sogar exkommuniziert. Anfang 1214 drohte der französische König mit einem Angriff auf England, dem König Johann mit einer Invasion Frankreichs zuvorkam. Aber diese Invasion scheiterte kläglich. Die Schmach der Niederlage brachte den englischen Adel endgültig gegen den König auf. Sie schrieben in 63 Artikeln jene Rechte auf, die sie vom König für ihr Leben und das ihrer Nachkommen garantiert haben wollten.

Die wichtigste Forderung war das Recht, dass keine Steuern mehr ohne ihre Zustimmung erhoben werden durften. Ferner sollte kein freier Bürger durch königliche Beamte festgehalten werden können, ohne dass die Gründe seiner Verhaftung überprüft werden mussten. Außerdem legten sie unveräußerliche Privilegien für sich fest, die weder vom König noch vom Papst rückgängig gemacht werden konnten.

Dem König waren die Konsequenzen dieses "Freibriefes" klar. Denn fortan würde zum ersten Mal ein englischer König nicht von "Gottes Gnaden" oder mit dem Segen des Papstes herrschen, sondern musste sich um einen Interessensausgleich erst mit den Adligen und später mit dem Volk bemühen. Aber es blieb dem König nichts anderes übrig, als die Magna Carta an jenem historischen 15. Juni 1215 im südenglischen Runnymede – in der Grafschaft Surrey – zu unterschreiben. Die Adligen hatten mehrere Kopien erstellt – für jede Grafschaft eine, so dass der Inhalt und die Folgen der Magna Carta binnen weniger Tage im ganzen Land bekannt waren.

"Magna Carta" - Eckpfeiler der europäischen Rechtsgeschichte

Die 1215 unterschriebene "Magna Carta" ist in abgewandelter Form Teil und Grundlage der heutigen Gesetze Großbritanniens. Gemeinsam mit der "Bill of Rights" des Jahres 1791 wurde sie die Basis aller Gesetze der USA, deren Verfassung sich in weiten Teilen auf die Magna Carta bezieht. Es ist wohl nicht übertrieben in der Magna Carta jene Urkunde zu sehen, die die Voraussetzung dafür geschaffen hat, dass sich mehr und mehr bürgerliche Freiheiten und Rechte durchsetzen konnten. Zuerst auf der britischen Insel und später auf dem europäischen Kontinent.

Der Grundsatz, dass der König "ohne die allgemeine Zustimmung Unseres Reiches" keine Steuern erheben durfte, erinnert nahezu wörtlich an die politische Forderung des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges am Ende des 18. Jahrhunderts: "No taxation without representation!" – Keine Zustimmung zu Steuern ohne angemessene Vertretung im Parlament!

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