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Kultur

"Der Golem" - eine Oper kehrt zurück

Die Geschichte vom Lehmmonster fasziniert Literaten, Künstler und Musiker. Doch die Oper von Eugen d'Albert dazu wurde fast vergessen. In Bonn hat man sie jetzt wiederentdeckt. Das Publikum liebt sie. Wir wissen, warum.

Szene aus der Oper Der Golem von Eugen d'Albert. Inszenierung von Andrea Schwalbach, musikalische Leitung: Stefan Blunier mit Mark Morouse(Golem), Tansel Akzeybek (Jünger), Ingeborg Greiner(Lea) (Foto: Lilian Szokody)

Im Gerangel: Golem, Lea und der Jünger

Prag im 17. Jahrhundert. Rabbi Löw hat aus Ton eine geheimnisvolle Figur geschaffen, die er mit einem magischen Ritual zum Leben erweckt und die er sich dienstbar machen will. Doch er verliert die Kontrolle über das unheimliche Wesen, das sich in Löws Pflegetochter Lea verliebt - eine aussichtslose, zerstörerische Liebe, der die beiden Liebenden schließlich zum Opfer fallen. Die Allmachtsphantasien des Rabbi schwinden dahin und die Juden, die vom Golem Rettung aus Verfolgung und Not erhofft hatten, bleiben ungetröstet.

Theater Bonn., Oper Der Golem von Eugen d'Albert. Szenenausschnitt mit Tansel Akzeybek (Jünger), Katrin Schyns (Jüdin), Alfred Reiter (Rabbi Löw), Giorgos Kanaris (Kaiser) (Foto: Lilian Szokody)

Im Liebeswahn

Wechselbad der Gefühle

Diese Oper ist eine Rarität, sagt der Bonner Generalmusikdirektor Stefan Blunier. Die Musik sei eine Mischung aus vielen Elementen: "Sinnlich, süffig, herb – ein Wechselbad der Gefühle". 1926 entstanden und in Frankfurt am Main uraufgeführt war Eugen d’Alberts "Golem" freilich keine lange Lebensdauer beschieden. In der Nazizeit konnte die Oper mit der jüdischen Thematik nicht aufgeführt werden. Und nach dem Krieg interessierte man sich an deutschen Musiktheatern für andere Stile und Stoffe. "Jetzt aber haben wir eine Renaissance", glaubt Blunier. "Es ist ein Trend für neue Sinnlichkeit da – Puccini wird auch immer beliebter – und wenn das mal ins Bewusstsein der Menschen kommt, sehe ich für dieses Stück die große Chance, dass es wenigstens ab und zu wieder auf dem Spielplan erscheint."

Angeblich ließ sich der Komponist, Eugen d'Albert, von einer Geliebten zu der Oper inspirieren. Der Schotte mit dem Schweizer Pass war zeitlebens nicht nur ein Freund deutscher Kultur, sondern auch ein Freund der Frauen. Sechs Mal verheiratet - mit der siebten Partnerin lebte er, wie man so sagte, in "wilder Ehe". Diese siebte habe ihn auf das Thema gebracht, heißt es.

Theater Bonn, Oper Der Golem von Eugen d'Albert. Szene mit Ingebor Greiner (Lea) und Mark Morouse (Golem) (Foto: Lilian Szokody)

Verführungskünste: Lea und der Golem

"Der Golem" ist mehr als ein hochdramatischer liebestrunkener Stoff und auch mehr als lediglich eine alte Legende, sagt Opernregisseurin Andrea Schwalbach. Fragen von Macht und Moral spielten hier eine Rolle: "Es geht auch um eine eingeschlossene Gesellschaft, in der die Frage gestellt wird, wann wird man vom Opfer zum Täter und wann wird der Täter zum Opfer. Zugrunde liegt das Problem, dass ein Mensch sich überhebt, in den Schöpfungsprozess eingreift, und niemanden mehr hat, der ein Korrektiv für ihn ist – und das wiederum ist eine ganz aktuelle Geschichte."

Drama mit Bedeutung – bis heute

Schwalbach und ihr Team haben daher auf alles Folkloristische verzichtet: Auf der Bonner Bühne gibt es kein Schtetl und auch Prag spielt als Ort der Inszenierung keine Rolle. Die Bühne ist überwölbt von einer Kuppel, die Schutz und Gemeinschaft, aber auch das Eingeschlossensein symbolisiert. Am Ende ist die Kuppel zerborsten, der Golem und seine Liebe Lea sind tot, Rabbi Löw ist entzaubert, die verängstigten Menschen bleiben unerlöst. Das Ensemble -mit Mark Morouse in der Titelpartie, Alfred Reiter von der Frankfurter Oper als Rabbi Löw und Ingeborg Greiner als Lea – wird vom Publikum in Bonn gefeiert.

Theater Bonn, Oper Der Golem von Eugen d'Albert. Szene mit Mark Morouse(Golem), Ingebort Greiner(Lea) und Alfred Reiter (Rabbi Löw) (Foto: Lilian Szokody)

Verhängnisvolles Bündnis: Der Golem, Lea und Rabbi Löw

Der Bonner Generalmusikdirektor Stefan Blunier widmet sich mit dieser Aufführung zum zweiten Mal einer fast vergessenen oder nur selten gespielten Oper. Im vergangenen Jahr begann er sein Oper-Wiederentdeckungs-Projekt mit "König Roger" von Karol Szymanowski. Im nächsten soll es ein Werk von Franz Schreker sein. " Ich will ganz gezielt Stücke ausgraben, von denen ich überzeugt bin, die muss man machen. Dem Publikum entgeht etwas, wenn sie das nie in ihrem Leben gehört haben." Leider überwiege heute aber oft das kommerzielle Denken. Und die Experimentierfreude deutscher Opernhäuser lasse zu wünschen übrig.

Autorin: Cornelia Rabitz

Redaktion: Marlis Schaum

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