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Wirtschaft

"Der Gipfel war ein großer Erfolg"

Auf dem Weltfinanzgipfel haben sich die Ideen der Europäer durchgesetzt: Eine strengere Kontrolle der Finanzmärkte fordern einige EU-Staaten schon seit langem, so der Wirtschaftswissenschaftler Adam Posen im Interview.

Sitzungssaal beim Finanzgipfel (15.11.2008, Quelle: AP)

Der Finanzgipfel war erfolgreicher als frühere internationale Treffen, meint Adam Posen

DW-WORLD.DE: Wie bewerten Sie den Gipfel? War er erfolgreich?

Adam Posen: Das war ein großer Erfolg. Kein totaler Erfolg, wie man sich gewünscht hatte - dieses so genannte Bretton Woods II - aber es war ein Erfolg im Vergleich mit früheren internationalen Gipfeln. Es gibt nun einen bestimmten Zeitplan und bestimmte Fortschrittsstufen und es gibt eine gemeinsame Meinung zum wichtigen Thema Regulierung.

Noch vor einem halben Jahr schien es undenkbar, dass insbesondere die USA und die Briten der Kontrolle von Hedge Fonds und Derivaten zustimmen würden. Ist dies eine Wende in der Hinsicht, dass Amerikaner und Briten jetzt teilen, was die meisten Europäer schon seit langem fordern, nämlich das globale Märkte auch global reguliert werden müssen?

Das ist halb richtig. Die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben gesagt, dass sie weitergehende Regulierung mitmachen wollen und Sie haben vollkommen Recht, dass das die europäische Perspektive ist. Aber Regulierung ist eher Sache der Nationalstaaten und weniger Gegenstand internationaler Zusammenarbeit. Großbritannien hat mehr Interesse an internationaler Zusammenarbeit als die Amerikaner. Auch betrifft die Regulierung mehr den Derivate-Markt und nicht so sehr den Hedge Fonds-Markt. Die Hedge Fonds bleiben auch weiterhin nicht so stark reguliert - und das gefällt den Amerikanern.

Von der klassischen anglo-amerikanischen Betrachtung von Wirtschaft aus gesehen, bedeutet das Ergebnis des Gipfels die Europäisierung der Finanzstrukturen?

Das ist eine Europäisierung der Führung der globalen Wirtschaft. Und zurzeit hat Europa, besonders Frankreich, Großbritannien und Brüssel in diesem Bereich den intellektuellen Plan für die ganze Welt. Aber es ist keine Europäisierung der Finanzmärkte selbst. Die Finanzmärkte bleiben in London und in den Vereinigten Staaten, in New York und nicht so sehr in Frankfurt oder Mailand. Es ist mehr eine Frage der Politik und in der Politik ist Europa am stärksten.

Welche Bedeutung hat der Aktionsplan, der auf dem Gipfel verabschiedet wurde, für amerikanische und europäische Firmen, von denen ja viele gerade ums Überleben kämpfen?

Der Gipfel hat große Bedeutung für die Haushaltspolitik. Er setzt Deutschland und alle anderen Ländern unter Druck, keynesianische Politik zu machen und "Stimulus-Pakete" zu verabschieden. Aber für die mittelständischen Firmen, die Kredite brauchen, gibt es keine weiteren Hilfen. Es wurde nichts auf diesem Gipfel verabschiedet, dass direkt diesen Kreditbereich betrifft.

Adam Posen ist Vize-Direktor des Peterson Instituts für Internationale Wirtschaft in Washington DC und Europa-Experte.

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