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Kultur

Der geschmiedete Himmel

Faszination Bronzezeit: Vor sieben Jahren wurde die Himmelsscheibe von Nebra in Sachsen-Anhalt entdeckt. Noch bis zum 16. Juli 2006 ist sie im im Reiss-Engelhorn Museum in Mannheim zu sehen.

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Ein Einblick in das Weltbild der Bronzezeit

Der Vollmond und die Sterne stehen am Himmel. Ein Schiff segelt hindurch, um den Sonnengott von Ost nach West zu bringen. Diese Szene ist auf der Himmelscheibe von Nebra zu sehen. Die rund fünf Pfund schwere Bronzescheibe mit Goldapplikationen ist eine der wichtigsten archäologischen Entdeckungen des letzten Jahrhunderts. Und die Geschichte ihres Fundes liest sich wie ein Krimi: Im Jahr 1999 hatten Schatzjäger die Scheibe zusammen mit anderen Artefakten aus der Bronzezeit in einer Steinkammer aus dem Mittelberg bei der sachsen-anhaltinischen Stadt Nebra entdeckt. Sie säuberten die wertvolle Scheibe mit Stahlwolle und boten sie auf dem Schwarzmarkt für antike Kunstwerke an. Marktwert: rund eine halbe Million US-Dollar. "Ich traf mich mit den Dieben in Basel. Nachdem sie mir die Scheibe gezeigt hatten, sagte ich ihnen, dass ich die Echtheit der Scheibe testen wolle. Und nach dem Test stürmte die Polizei den Raum und verhaftete die Diebe", erzählt Harald Meller, Leiter des Landesamts für Archäologie Sachsen-Anhalt, der entscheidend an der Wiederbeschaffung des Meisterstücks aus der Bronzezeit beteiligt war.

Hochmoderne Methoden bewiesen Echtheit

Seitdem hat die Himmelsscheibe von Nebra für viel Diskussionsstoff zwischen internationalen Wissenschaftlern und Archäologen gesorgt und war Gegenstand dutzender Gerichtsverhandlungen, bei denen es auch um Fragen ihrer Echtheit ging. Denn viele Experten glaubten, die Scheibe wäre eine Fälschung, weil sie so plötzlich auf dem Kunstmarkt aufgetaucht war. Doch durch modernste Methoden konnte letztendlich Ernst Pernizca, Gründer des Archäometrie Zentrums in Mannheim, die Zweifel an der Authentizität der Scheibe ausräumen. "Leider können wir Metallobjekte nicht wirklich datieren, aber wir können herausfinden, ob das Metall innerhalb der letzten 100 Jahre hergestellt wurde oder ob es älter ist", erklärt Pernizca. Dazu nutzen die Experten in den archäometrischen Laboren hochempfindliche Technologien, die zum Teil für die Raumfahrt entwickelt wurden.

In diesem Fall kam zunächst ein Röntgenfluoreszenzspektrometer zum Einsatz, das kleinste Proben des zu untersuchenden Materials analysieren kann und so Rückschlüsse auf das Alter des Artefakts zulässt. "Wir haben diesen Test sehr schnell durchgeführt. Und so konnte ich Harald Meller glücklicherweise dann versichern, dass es sich bei der Scheibe nicht um eine Fälschung handelt", erinnert sich Pernizca. "Später haben wir noch dutzende weitere Parameter untersucht, um eine Fälschung auszuschließen.

Einblick in die intellektuelle Welt der Bronzezeit

Über 300.000 Menschen haben die Sonnenscheibe während der Ausstellung in Sachsen-Anhalt gesehen, so dass sie zur erfolgreichsten archäologischen Ausstellung im Deutschland der Nachkriegsjahre wurde. Jetzt ist der "geschmiedete Himmel" zusammen mit über 400 Stücken aus Museen in der ganzen Welt in Mannheim zu sehen. Aber der Star der Show ist und bleibt die legendäre Sonnenscheibe, die nach Schätzungen der Wissenschaftler 3.600 Jahre alt ist. "Dieser Fund ist so wichtig, weil er ein kleines Stück der geistigen und intellektuellen Welt der Bronzezeit zeigt", sagt Harald Meller. Normalerweise sehe man nur die materielle Welt, nicht die intellektuelle. "Aber die Sonnenscheibe stellt das Weltbild der Bronzezeit dar - ähnlich dem der Babylonier oder Griechen - aber 1.000 Jahre älter. Außerdem konnte ich herausfinden, wie komplex das astronomische Wissen der vorgeschichtlichen Bevölkerung war."

Aber nicht nur auf das Wissen der Bronzezeit gibt sie Hinweise: Die Sonnenscheibe war ein Kultobjekt ihrer Zeit und enthüllt gleichzeitig die Glaubensstrukturen und religiösen Praktiken der Menschen vor über 3.600 Jahren. Und damit ist sie ein Indiz dafür, dass die Zivilisation der Bronzezeit viel weiter entwickelt war, als wir glaubten.

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