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Kultur

Der geheime Siegeszug der Glanzbilder

Manche mögen sie als Kitsch bezeichnen. Für andere dagegen sind die bunten Bildchen Erinnerung an gute alte Zeiten. Ein einziger Familienbetrieb stellt in Deutschland noch Glanzbilder her und verkauft sie in alle Welt.

Glanzbild mit zwei Mädchen (Foto: Ernst Freihoff Papierwarenvertriebsgesellschaft)

Ein Klassiker: das Glanzbild "Jugendtraum"

Gesammelt wurden und werden Glanzbilder seit über 100 Jahren. Und wenngleich das Interesse an Glanzbildern durch neue Sammelgebiete zurückging, haben sie bis heute nichts von ihrem Reiz verloren. Weltweit gibt es noch zwei Hersteller von Glanzbildern, einer von ihnen befindet sich in Coesfeld, mitten im bäuerlichen Münsterland.

Viel Handarbeit und Liebe zum Detail

Glanzbild mit Blumen-Arrangement (Foto: Ernst Freihoff Papierwarenvertriebsgesellschaft)

Die Ernst Freihoff Papierwarengesellschaft in Coesfeld bringt es auf einige hundert Motive. Seit über 60 Jahren existiert das Familienunternehmer. Sie schmücken die Wände der Geschäfts- und Produktionsräume. Glitzernde, glänzende und stets hübsch anzuschauende liebliche Motive. Sie sind Projektionsfläche für Träume, Illusionen, Wünsche und Sehnsüchte – wenn auch nur auf dem Papier.

Hunde und pausbäckige Engelsgesichtchen

Glanzbild mit Engel und Weihnachtsbaum (Foto: Ernst Freihoff Papierwarenvertriebsgesellschaft)

Es scheint kein Motiv zu geben, das es nicht gibt: Blumen, Kinder, Tiere, Engel, Weihnachts-, Oster- oder Märchenmotive. Paradiensvögel, Heiligenfiguren, Feen und Prinzessinen, kuschelige Hunde und Katzen, zarte Elfenwesen, märchenhafte Blumenteppiche oder feinst gewebte und gewirkte Phantasiemuster aus Früchten und zarten Zweiglein: Freihoffs Angebot ist poetisch, kitsch und anrührend zugleich. Die Motive gehen auf alte Vorlagen zurück, manche wurden vor 200 Jahre gemalt und bildeten die Vorlage für die Glanzbilder, erklärt Mitinhaber Ralph-Thorsten Freihoff. Fortschritt und neue Motive wären hier eher ein Rückschritt – Tradition und das Alte bewahren ist für das Unternehmen das wichtigste Kapital. So wurde die Firma weltweit bekannt, geliefert wird in alle Herren Länder: Japan, USA, Lateinamerika.

Goldstaub, Klebepresse und Handstanze

Glanzbild mit Tischdekoration (Foto: Ernst Freihoff Papierwarenvertriebsgesellschaft)

Glanzbilder sind bunt, ihr Markenzeichen ist der Prägedruck, der Perspektive und Lebendigkeit in die zweidimensionalen Bildchen bringt. Doch die so genannten beglimmerten, die mit feinstem Goldstaub verziert wurden, sind etwas ganz Besonderes. Wie auch das Ausstanzen der Motive, geschieht das Beglimmern überwiegend in Handarbeit und nur mit einer Klebepresse. Die Glanzbilder werden mit Kleber versehen und in einen Karton feinsten Goldflitters gedrückt. Danach muss das Bildchen zum Trocknen noch mindestens zwei Tage ruhen, bevor es gut verpackt auf die Reise geht - in der Hauptsache in Schreib-, Spielwaren- und Dekogeschäfte.

Sammelobjekt mit therapeutischer Wirkung

Glanzbild mit übereinander angeordneten Engelchen(Foto: Ernst Freihoff Papierwarenvertriebsgesellschaft)

Als beliebte nostalgische Sammelobjekte erfreuen sich Glanzbilder heute wieder allgemeiner Beliebtheit, nicht nur bei Kennern und eingefeleischten Liebhabern. Die frisch-fröhlichen Motive erfüllen auch therapeutische, sogar gesundheitsfördernde Zwecke, zum Beispiel in Seniorenheimen, in denen Ralph-Thorsten Freihoff regelmäßig Ausstelllungen organisiert. Denn die bildgewordenen Geschichten und Erzählungen aus dem Hause Freihoff sind eines der wichtigsten Hilfsmittel für Erinnerungsarbeit. Anhand solcher visuellen Eindrücke werden die Heimbewohner angeregt, über positive Erlebnisse in ihrem Leben nachzudenken. Das hält sie geistig fit und wirkt der gefürchteten "Verkalkung und Demenz" entgegen. Das bringt wieder etwas Glanz in den Alltag.

Autor: Peter Kolakowski

Redaktion: Sabine Oelze

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