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Kultur

Der falsche Weg zum Doktortitel

In ganz Deutschland stehen mehr als 100 Hochschullehrer unter Korruptionsverdacht. Sie sollen Geld dafür kassiert haben, zum Teil ungeeigneten Kandidaten einen Doktortitel verschafft zu haben.

Doktorhut mit einem übergroßen Schatten

Dunkler Schatten über dem Doktor-Titel

Einen Doktortitel zu haben, ist für viele eine Prestigefrage. In manchen Branchen kann man mit dem akademischen Grad besser Karriere machen. Ein "Dr." verdient laut einer Studie bis zu 15.000 Euro mehr pro Jahr. Der Weg zur Promotionsurkunde ist aber aufwändig. Der angehende Doktor muss eine schriftliche Arbeit verfassen, die so genannte Dissertation, außerdem muss er in der Regel eine mündliche Prüfung ablegen. In dem aufwändigen Verfahren soll man unter Beweis stellen, selbstständig wissenschaftlich arbeiten zu können. Deshalb sind die Regeln ziemlich streng.

Steiniger Weg zur Promotion

So muss jeder Doktorand versichern, keine fremde Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Viele aber finden gar nicht erst einen Professor, der bereit ist, ihre Doktorarbeit zu betreuen. In Zeiten überfüllter Hörsäle an den Universitäten scheuen Hochschullehrer oft davor zurück, zu viele Anwärter auf einen akademischen Grad anzunehmen. Im Gegensatz zur Verteilung von Studienplätzen können die Professoren weitgehend frei wählen, wen sie für eine Dissertation zulassen.

Überfüllter Hörsaal

Professoren haben freie Wahl, wen sie zur Promotion zulassen

Hinzu kommt, dass sich manche Studenten auf wissenschaftliche Fragen konzentrieren, die sie in ihrem Studium gar nicht bearbeitet haben. Wenn es das entsprechende Forschungsfeld an der eigenen Universität, wo man die Professoren kennt, nicht gibt, ist die Suche nach einem "Doktorvater" äußerst problematisch. In ganz Deutschland muss man versuchen, einen entsprechenden Fachmann zu finden, der zudem noch bereit ist, die Betreuung der Arbeit zu übernehmen. Das haben Beratungsinstitute als Marktlücke entdeckt und bieten ihre Hilfe bei der Suche an. Dabei geht es nicht immer ganz legal zu.

Schmiergeld für einen Doktorvater

Ein Professor aus Hannover war bereits im Jahr 2007 verurteilt worden, weil er Doktoranden gegen Geldzahlung annahm. Der frühere Geschäftsführer des "Instituts für Wissenschaftsberatung" in Bergisch Gladbach bei Köln wurde rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Daraufhin durchsuchten die Ermittler der Kölner Staatsanwaltschaft im März 2008 die Büroräume des Instituts. Die Auswertung der umfangreichen Unterlagen dauert immer noch an. Deshalb gibt die Behörde bisher auch keine Auskunft darüber, welche Hochschullehrer derzeit beschuldigt werden. Über 100 Hochschullehrer stehen unter Verdacht Geld für die Aufnahme von Doktoranden genommen zu haben. Der Kreis der Verdächtigen könne sich aber noch erweitern, hieß es.

Meist sollen die Kandidaten nicht gewusst haben, dass die Suche nach einem Doktorvater von dem "Institut für Wissenschaftsberatung" mit Schmiergeldern befördert wurde. Sie zahlten den Erkenntnissen der Ermittler zufolge bis zu 20.000 Euro an die Experten. In vielen Fällen sollen zwischen 2.000 und 4.000 Euro illegal an die Professoren weiter geleitet worden sein. "Dadurch wurde die freie Auswahl der Doktoranden verhindert", sagte die Kölner Staatsanwältin Carolin Breloer: "Der Zugang zum Verfahren soll quasi erkauft worden sein."

Falscher Titel unter Strafe

Studentin setzt sich den Doktorhut auf den Kopf

Ein Doktorhut macht noch keinen Doktor

In Deutschland ist die Vortäuschung eines Doktorgrades als so genannter Titelmissbrauch strafbar. Wer sich zu Unrecht bei einer solchen Arbeit helfen lässt, muss zunächst keine strafrechtlichen Folgen befürchten. Gleichwohl sind die Universitäten gehalten, in entsprechenden Verdachtsfällen mit Hilfe einer Kommission die wissenschaftliche Leistung erneut zu überprüfen und womöglich den Titel formal abzuerkennen.

Der Deutsche Hochschulverband, in dem Professoren aus dem ganzen Land organisiert sind, hält Beratungsinstitute wie das in Bergisch Gladbach grundsätzlich für eine "zwielichtige Branche". Es bestehe generell der Verdacht, so ein Sprecher, dass sich die Helfer an der unredlichen und wissenschaftlich unlauteren Vergabe von Doktortiteln beteiligen. Juristisch sei das aber schwierig nachzuweisen. Deshalb fordert der Verband seit längerem strengere Vorschriften für Promotionen. Die Ermittlungen der Kölner Staatsanwaltschaft begrüßt der Hochschulverband. Schließlich ginge es darum, den Ruf der deutschen Wissenschaft zu wahren.

Autor: Frank Überall

Redaktion: Sabine Oelze/GR