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Wissen & Umwelt

Der falsche Glanz der Seltenen Erden

Brasilien will wieder Seltene Erden fördern. Denn die begehrten Metalle sind auf dem Weltmarkt gefragt. Aber die Abbaustätten liegen in Naturschutzgebieten und den Reservaten indigener Völker.

Seltene Erden Transferred from en.wikipedia Foto: Research Service, the research agency of the United States Department of Agriculture

Rohstoffe Seltene Erde

Aus modernen Industrieprodukten sind sie nicht mehr weg zu denken: die Metalle aus der Gruppe der Seltenen Erden. 17 chemische Elemente, beispielsweise Lanthan und Europium, gehören zu dieser Gruppe.

Für die Industrie sind sie so wertvoll, da sie unter anderem besonders hitzebeständig sind. Man braucht sie zum Beispiel für Mobiltelefone, Computer und Flachbildschirme. Genauso unabdingbar sind sie für die Produktion von Elektromotoren für Windkraftwerke und Elektroautos.

Angesichts der steigenden Preise für die Rohstoffe will Brasilien erneut in die Förderung einsteigen.

Ein lohnendes Geschäft

Abbau seltener Erden in China.

Noch hat China die Vorreiterstellung im Abbau der Seltenen Erden. Das will Brasilien ändern.

Derzeit dominiert China mit rund 95 Prozent den weltweiten Markt für die Produktion dieser Hochtechnologiemetalle. Brasilien betrieb den Abbau wegen eines starken Preisverfalls nur bis zu Beginn der 1990er Jahre. Seitdem die Preise wieder anziehen, lohnt es sich wieder, diese Stoffe zu fördern, die zum Teil nur in sehr geringen Mengen in Erzen vorkommen.

Umgerechnet 3,8 Millionen Euro will die brasilianische Regierung in den nächsten vier Jahren in neue Förder- und Verarbeitungsanlagen investieren. Der brasilianische Senat hat deshalb eine Expertenkommission zusammengestellt. Der zuständige Senator Luiz Henrique da Silveira glaubt, dass das Geschäft mit den Seltenen Erden in den kommenden 30 Jahren bis zu 20 Milliarden Euro Umsatz bewegen könnte.

Umweltverschmutzender Abbau

Die meisten Seltenen Erden kommen in der Erdkruste zwar sehr zahlreich vor. Aber größere Lagerstätten sind selten, und der Abbau der Metalle ist hochkompliziert. Denn Seltene Erden kommen nur als Spuren in Gemischen mit anderen Verbindungen vor und nie als reine Rohstoffe.

Außerdem sind sich die 17 Verbindungen chemisch sehr ähnlich. Die Metalle müssen mit aufwendigen Trennverfahren und oft unter Einsatz von Säuren oder Laugen gewonnen werden. Dabei können radioaktive und andere umweltverschmutzende Endprodukte entstehen. Der Abbau ist so kompliziert, dass die brasilianische Regierung dafür eine eigene gesetzliche Regelung für nötig hält.

Gefährliche Unwissenheit

Das brasilianische Zentrum für Bergbautechnologie (CTM) warnte erst kürzlich wieder vor den Risiken. Geologe José Affonso Brod von der Universität Brasília erklärt, dass der komplizierte Abbau für viele Unternehmen rund um die Welt ein Problem sei: "Das ist auch der Grund dafür, dass sich viele vom Abbau der Seltenen Erden wieder abwenden und die Metalle dann auf lange Sicht lieber aus China importieren."

Außerdem fehle vielen Unternehmen, die Seltene Erden abbauen, das grundlegende Wissen über die Stoffe, erzählt der Geologe Claudinei Gouveia de Oliveira, auch von der Universität Brasília: "Oft hat ein Unternehmen die Erlaubnis, einen Stoff abzubauen, und was zurück bleibt, weiß keiner. Das können aber teilweise hoch gefährliche Stoffe sein", warnt er. Hier seien klare Regelungen von Anfang bis Ende unabdingbar.

Indianer im Amazonas.

Ein Großteil der potenziellen brasilianischen Abbaugebiete für Seltene Erden liegt im Amazonasregenwald

Abbaustätten im Amazonasregenwald

Nach Schätzungen von Experten könnten Brasiliens Vorkommen an Metallen der Seltenen Erden bei gleichbleibendem Konsum den weltweiten Bedarf für die nächsten 50 Jahre decken, sagt Brod. Allein im potenziellen Abbaugebiet im zentralen Bundesstaat Goiás seien 6,5 Millionen Tonnen der Metalle verfügbar.

Doch viele der möglichen Abbaustätten liegen in Umweltschutzgebieten oder Reservaten indigener Völker. Besonders im Amazonas wurden zahlreiche Vorkommen erschlossen, teilweise werden dort bereits andere Metalle,  beispielsweise Blei, abgebaut. Umweltaktivisten rund um den Globus protestieren deswegen an Minen, in denen Seltene Erden gefördert werden.

Zu viel Konkurrenz verdirbt den Markt

Brasilien ist nicht das einzige Land, das ein Auge auf das Geschäft mit Seltenen Erden geworfen hat. Nach Daten der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover, die dem Bundeswirtschaftsministerium untersteht, gibt es mehr als 400 Initiativen in 36 Ländern. Nach Ansicht von Experten könnte das den ersehnten großen Profit mit diesen Metallen senken.

Menschen protestieren. Foto: ddp images/AP Photo/Vincent Thian

Umweltschützer rund um den Globus protestieren gegen den Abbau von Seltenen Erden, so wie hier in Malaysia.

Geologe Brod hält die Pläne der brasilianischen Regierung deshalb für ausgesprochen optimistisch: "Das Problem ist folgendes: Der Markt ist sehr klein. Es werden nur ein bisschen mehr als 130 Tonnen pro Jahr gebraucht", erklärt er. Wenn sich zu viele Länder als Lieferanten etablierten, könne der Preis stark sinken.

Oliveira schlägt vor, den brasilianischen Markt vor weiteren Investitionen erst einmal auszubauen. Dem stimmt auch Brod zu: "Man müsste den Abbau der Seltenen Erden damit verbinden, eine lokale Produktionskette zu etablieren."

Senator Luiz Henrique da Silveira spricht sogar schon von Partnerschaften zwischen Deutschland und Brasilien, um die Industrie weiter zu entwickeln, und sagt, dass es bereits unterschriebene Übereinkommen dazu gebe.

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