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Sprachbar

Der Fall der Fälle

Ohne ihn geht es nicht: ein vollständiger deutscher Satz braucht immer ein Subjekt. Und das Subjekt steht immer im Nominativ. Er ist die Nummer Eins unter den Fällen. In der Anwendung ist der Nominativ pflegeleicht.

Wir sitzen in einer Bar. Am Nebentisch wird unter Lehrern heiß über die deutsche Grammatik diskutiert. Interessiert hören wir zu. Da geht es auch um die verschiedenen Kasusformen. Anlass genug, sich dieses Themas anzunehmen. Betrachten wir mal den Nominativ. Aber was ist er nun eigentlich, der Nominativ?

Die Nummer Eins

Udo WACHTWEITL und Miroslav NEMEC posieren vor einem Plakat mit dem Tatort-Symbol. Die beiden spielen die Kommissare Leitmayr und Batic.

Die Tatort-Kommissare aus München

Zunächst ist der Nominativ ganz klar die Nummer Eins unter den Fällen. Der erste Fall. Man fragt nach ihm mit wer oder was. Ganz einfach. Ein Beispiel: Der Kommissar hockt im Büro und grübelt. Wer? Jawohl, Sie haben richtig gehört. Der Kommissar. Weil der Kommissar ein Mann ist, versehen wir ihn mit männlichem Artikel.

Spätestens seit es die Krimi-Serie "Tatort" gibt, wissen wir, dass es auch Kommissarinnen gibt. Die weibliche Form von Kommissar braucht auch einen weiblichen Artikel. Nämlich die. Wenn wir beide, Kommissar und Kommissarin, in den Plural setzen, nehmen wir wieder "die" als Artikel.

Die Funktionen

Der ist auch richtig bei Nominativen, die Neutrum sind. Die Häuser zum Beispiel. Also "die" als bestimmter Artikel für Nominativ Plural. Im Singular brauchen wir der, die und das: Der Mann, die Frau, das Haus. Nominative können auch ohne bestimmte Artikel auftreten. Wie man rauskriegt, welches Wort im Nominativ, also im ersten Fall steht, haben wir schon gesagt.

Ein Klassenzimmer mit Schülern und einer Lehrerin.

Schon in der Grundschule lernt man den Nominativ.

Jetzt geht es darum, einmal nachzuschauen, welche Funktion der Nominativ hat. Neues Beispiel mit einem Eigennamen im Nominativ und ohne Artikel: Stefan putzt das Auto. Wenn wir Stefan weglassen, stellen wir etwas schlagartig fest: nämlich nicht wie wichtig Stefan, sondern wie wichtig der Nominativ ist; denn unser einfacher Beispielsatz wäre jetzt verkürzt auf "putzt das Auto".

Wichtiges Subjekt

An Stelle von Stefan kann natürlich auch Martin, Herr Meier oder sonst wer treten. Aber einer oder eine muss da sein. Und zwar als Subjekt; oder um den deutschen grammatikalischen Ausdruck zu gebrauchen, als Satzgegenstand. Und der ist wichtig.

Wenn man es ganz genau und streng nach den Regeln der deutschen Grammatik nimmt, gibt es ohne Satzgegenstand keinen korrekten Satz. Der Nominativ zeigt im Satz den Satzgegenstand an. Dieser zeigt an, wer oder was der oder die Handelnde ist.

Der Gleichsetzungsnominativ

Keine Angst, der Nominativ steigt so schnell nicht in den Kopf. Wir liefern erhellende Beispiele. Gehen wir zurück zu Stefan: Stefan putzt das Auto. Klarer Fall: Stefan handelt. Er tut etwas. Er putzt. Beim Putzen merkt er, dass unten am hinteren Kotflügel ein böser Kratzer im Lack ist. Den kann er fachmännisch selber ausbessern.

Denn: Stefan ist Lackierer. Jetzt wird’s ein klein wenig kompliziert; denn so einfach dieser Satz gebaut ist, enthält er doch eine ganz besondere Form des Nominativs, nämlich den Gleichsetzungsnominativ. Im Klartext: Stefan und Lackierer sind ein und dieselbe Person.

Probe aufs Exempel

Diese Art Nominativ findet sich häufig in Sätzen, die Formen der Verben "sein" oder "heißen" enthalten. Also: Herr Müller ist Facharbeiter. Seine Freundin heißt Sabine. Jetzt machen wir die Gleichsetzungsprobe: Herr Müller ist. Seine Freundin heißt. Es ist offensichtlich: Ohne "Facharbeiter" und "Sabine", die gleichgesetzten Nominative, sind wir aufgeschmissen.

Ein Automechaniker repariert in einer Werkstatt ein Auto.

Er ist Automechaniker.

Aber gehen wir noch einmal rüber zu Stefan, der Lackierer ist. Inzwischen kennen wir ihn ganz gut und wissen, dass er seinen Beruf gerne ausübt. Das Lackieren von Oldtimern in den Originalfarben macht ihm besonderen Spaß. Da haben wir’s: Das Lackieren. Ein Verb wird zum Substantiv. Zum Nomen. Es wird, um den Fachausdruck zu gebrauchen, nominalisiert. Man kann auch sagen substantiviert.

Nominalisierungen

Nominalisierungen gibt es im Deutschen sehr häufig. Ganz typisch für Verwaltungs-, Wissenschafts- oder juristische Texte. Mitunter trifft man auf wahre nominalisierte Wortungetüme wie Eignungsprüfungsvoraussetzungen. Aber das nur nebenbei. Zurück zu unserem Beispiel: "Das Lackieren" ist ein Nominativ und auch der Satzgegenstand. Probe: Was macht ihm besonderen Spaß? – Eben.

Und jetzt zum Schluss, bevor wir die Bar verlassen, nehmen wir einen richtig schönen langen Satz mit Ergänzungen und Objekten und fast allem, was hinter dem Satzgegenstand kommen kann.

Ohne sie geht's nicht

"Die Bardame entschloss sich doch noch – aus lauter Mitleid – den bereits deutlich angetrunkenenen Gästen aus dieser merkwürdig geformten Flasche einen kleinen Schluck in die schon wieder geleerten Gläser zu gießen." Ohne die Bardame in ihrem Nominativ wär’s halt kein richtiger Satz.

Fragen zum Text

In den folgenden Sätzen steht im Nominativ: …

1. Maiers Kleider sind schön.

2. Die Kirche steht im Dorf.

3. Mit dem Ball spielt das Kind.

Kein Gleichsetzungsnominativ ist in dem Satz …

1. Frau Schmidt entpuppt sich als Schreinerin.

2. Der König gilt als großer Gönner der Künste.

3. Das Kind schläft im Bett.

In dem Satz Die Kinder sammeln Muscheln steht Muscheln im …

1. Nominativ Plural Femininum

2. Akkusativ Plural Femininum

3. Genitiv Plural Maskulinum

Arbeitsauftrag

Suchen Sie sich mindestens zwanzig Nomen mit Artikel. Bilden Sie mit diesen Sätzen, in denen Sie die komplette Singular- und Pluralform des Nomens im Nominativ verwenden.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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