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Amerika

Der ewige Kandidat vor dem Ziel

Nach drei gescheiterten Versuchen will der Präsidentschaftskandidat der brasilianischen Arbeiterpartei, Luiz Inácio "Lula" da Silva, nach der Wahl am Sonntag (6.10.) endlich in den Amtssitz des Präsidenten einziehen.

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Optimistisch: Dauerkandidat Luiz Inacio Lula da Silva

Der 56-jährige Dauerkandidat der Partido dos Trabalhadores (PT), der sich bei den Wahlen 1994 und 1998 dem späteren Präsidenten Fernando Henrique Cardoso geschlagen geben musste, führt diesmal in allen Umfragen mit deutlich über 40 Prozent. Damit hat er über 20 Prozentpunkte Vorsprung vor seinem härtesten Rivalen, dem Sozialdemokraten Jose Serra. Ob er im ersten Anlauf mehr als 50 Prozent schafft und sich damit die Stichwahl spart, ist indess noch ungewiss. "Es ist auf jeden Fall knapp. 27 Prozent der Wähler sind noch immer unentschieden", will sich Gilberto Calcagnotto, Brasilien-Experte am Institut für Iberoamerika-Kunde in Hamburg, nicht festlegen.

Politisches Lehrgeld bezahlt

Es scheint aber, als würde sich da Silvas Hartnäckigkeit schließlich auszahlen. Zudem hat der ehemalige Gewerkschaftsführer das politische Lehrgeld, dass er mit drei Niederlagen bezahlen musste, gut angelegt. "Lula hat aus den drei fehlgeschlagenen Experimenten gelernt", erklärt Calcagnotto. Bei den vergangenen Wahlen war der Politker noch als linker Hardliner aufgetreten, der eine Umstrukturierung des Schuldenbergs forderte und Privatisierungen von Staatsunternehmen rückgängig machen wollte. Heute bekennt sich der 56-jährige zur Einhaltung des vom IWF geforderten Schuldendienstes und hat bekundet, die Errungenschaften von Cardosos Konsolidierungskurs bewahren zu wollen.

Gerechtigkeit plus Stabilität

"Er hat ein Regierungskonzept vorgestellt, dass ihn als jemand ausweist, der soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt stellt, ohne die wirtschaftliche Stabilität zu gefährden", so Calcagnotto. Ob der Veränderung hin zu "Lula Light" ein wirklicher Gesinnungswandel zugrunde liegt oder nur das Kalkül seiner Wahlkampfstrategen, muss sich erst noch zeigen. Mit der neuen programmatischen Ausrichtung hat es der frühere Bankenschreck aber geschafft, in die politische Mitte zu rücken und konnte sogar Verbündete aus dem Unternehmerlager gewinnen. Er habe es verstanden, seine gesellschaftliche Basis zu verbreitern, bestätigt Calcagnotto. Viele Wirtschaftsvertreter seien heute der Ansicht: "Auch mit einem Lula können wir leben."

Mann des Volkes

Nachdem die Rezepte der bisherigen Regierunskoalition für die Lösung der zahllosen Probleme gescheitert sind, soll nun Lula als Mann des Volkes die Brasilianer aus der wirtschaftlichen Not führen. Der Politiker hat die Armut am eigenen Leib kennen gelernt. Als seine Eltern vor Dürre und Hunger in die Millionenmetropole Sao Paulo flohen, musste das jüngste von acht Kindern bald als Straßenverkäufer selbst zum Familienunterhalt beitragen. Der Weg aus den Armenvierteln der Großstadt zum Präsidentschaftskandidaten führte den streitbaren Arbeiter von einer Ausbildung zum Dreher in der Metallindustrie über den Chefposten in der Metallgewerkschaft zeitweise sogar ins Gefängnis. Als die Militärführung 1981 die Zulassung von neuen Parteien verkündete, gründete da Silva mit anderen die Arbeiterpartei. Und auch wenn er über die Jahre gemäßigter geworden ist, sieht sich Lula heute vor allem als "Ergebnis des politischen Bewusstseins der Arbeiterklasse."

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