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Kultur

Der ewig modische Tanzschuh

Es war einmal ein Tanzschuh, der war so schön, dass alle Frauen ihn haben wollten. Sie bekamen den Ballerina. Der ist modisch seit den 1950ern nicht mehr wegzudenken. Die Firma Bloch ist daran nicht ganz unschuldig.

Frau mit braunen Ballerinas (Foto: dpa)

Als die Ballerinas vor einigen Jahren mal wieder schwer in Mode kamen, dachten viele, es sei so wie mit den Flipflops - ein paar Sommer lang angesagt, dann würden die Damen sie eher wieder vergessen. Mit den zur Ballerina unvermeidlichen Röhrenjeans mag das so sein, nicht aber mit den Schuhen selber. Im Gegenteil, gerade in diesem Jahr sind sie durch den Film "Black Swan" noch beliebter geworden, als sie es immer mal wieder waren. Und sollte die Welt nicht untergehen, dann werden sie auch in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr aus der Modewelt wegzudenken sein.

Füße einer Ballerina beim Spitzentanz (Foto: dpa)

Der Schuh, mit dem der Spitzentanz weniger weh tut

Auf der Fashion Week in Berlin präsentiert sich dieses Jahr ein Label, das zum Erfolg der Schuhe maßgeblich beigetragen hat: Bloch aus Australien. Der Stand ist ein Paradies für Ballerinaliebhaberinnen, es gibt sie hier in allen Formen, Farben, Materialien und Größen, sogar als Kindervariante. "Süüüüüß", ruft eine Frau im Vorbeigehen. Guy Rapp ist der Geschäftsführer von Bloch, des größten Tanzschuhherstellers der Welt, und hat sich neben einem silbrig glänzenden, mit rosa Perlen bestickten Tutu postiert. 1932 habe alles begonnen, sagt er, denn Firmengründer Jacob Bloch war nicht nur Schuster, sondern auch Ballettliebhaber. "Als das russische Ballett nach Australien kam, beschloss Bloch, Schuhe für die Tänzer herzustellen und hat ziemlich schnell die bequemsten Spitzenschuhe der Welt entwickelt."

Audrey wollte tanzen – und bekam Ballerinas

Der Russe Jacob Bloch hatte in Moskau selbst mal versucht, als Balletttänzer ein Engagement zu bekommen, allerdings ohne Erfolg. Erst als er nach Australien auswandert, hat er Glück im Tanzgeschäft – als Schuster. Seine Firma avanciert schnell zum größten Tanzschuhhersteller der Welt. Mit Mode wollte das Label aber lange nichts zu tun haben und deswegen gilt heute der italienische Designer Salvatore Ferragamo als Erfinder der Ballerinas.

Oscar-winner Audrey Hepburn poses with her statuette at the 26th Annual Academy Awards ceremony in New York on March 25, 1954. Hepburn won for best actress for her portrayal in Roman Holiday. (Foto: AP)

Für Audrey wurden die Straßenballerinas entworfen

Seine gute Freundin, Schauspielerin und Stilikone Audrey Hepburn war zeitlebens unglücklich über ihre Größe. Sie wollte Balletttänzerin werden, war mit ihren 1,80 Meter aber deutlich zu groß für die Welt der kleinen, zierlichen Frauen. Ferragamo entwarf ihr ein Paar Schuhe, die Ballerinas, damit sie sich zumindest stilistisch wie eine Tänzerin fühlen konnte. Und Modell für genau diese Ballerinas von Ferragamo stand ein Spitzenschuh von Bloch. Denn damals, in den 1950er Jahren, trugen alle Primaballerinas Blochschuhe.

Sexy Leisetreter der Damenmode

Die Firma Bloch verschläft allerdings diese erste, von Audrey Hepburn inspirierte, Ballerina-Mode-Welle. Jacob Bloch fühlt sich zwar geschmeichelt von Ferragamos Entwürfen, mehr aber auch nicht. Erst seine Tochter bemerkt, dass die Ballerinas mehr sind als ein Trend und entwirft in den 1970ern eine erste straßentaugliche Modekollektion des Labels. "Als wir diesen Ballerina-Trend gesehen haben, haben wir eine eigene Modelinie entwickelt, aber dafür die gleichen Maschinen genutzt wie für unsere Spitzenschuhe. Das ergibt einen einzigartigen Tragekomfort", sagt Label-Chef Guy Rapp.

Ballerinas from the School of American Ballet (Foto: AP)

Dieses Ballettgefühl kann man in einem Schuh mit auf die Straße nehmen

Weiches Leder, biegbare Sohlen, das macht viele Ballerinas aus. Auch in diesem Jahr auf der Fashion Week in Berlin sind die Schuhe mal wieder angesagt. Nicht unbedingt bei den Models, aber die Besucherinnen laufen gerne in den bequemen Ballerinas umher. Schuhe, die für Anmut und Eleganz stehen mit denen man auf leisen Sohlen durch die Welt federn und an jeder Straßenkreuzung elegante Drehungen vollziehen kann. Ballerinas sind die Leisetreter unter den Damenschuhen, nicht so unbequem und laut wie High Heels, aber auch nicht so unsexy und klobig wie manche Sneakers.

Tänzerische Eleganz ohne Qual

Außerdem, sagt Guy Rapp, seien die Schuhe vielfältig einsetzbar. "Die 1950er und 1960er sind wieder da, dieser ganze Look von Audrey Hepburn, elegant und zeitlos, mit Caprihosen und Röhrenjeans. Geschichte wiederholt sich immer. Aber nicht viele Marken können so wie wir sagen: ich war schon vor 80 Jahren da. Wir sind eben ein Klassiker." Das gilt auch für die modischen Ballerinas. Filme wie "Black Swan" sorgen immer wieder für neue Wellen der Tanzleidenschaft und lassen einen eintauchen in die Welt des Spitzentanzes, seine Eleganz, aber auch Qual. Wer diese Qual nicht will, aber das Flair mag, kauft sich eben die Straßenvariante der Ballerinas. Und versucht lieber, die Straße zur Bühne für seine Leisetreter zu machen.

Autorin: Johanna Kutsche

Redaktion: Marlis Schaum