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Wirtschaft

Der Euroskeptiker

Ein Portrait des britischen Notenbank-Chefs Sir Edward George

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Der britische Notenbankchef Sir Edward George

Seit gut einem Jahr darf sich Edward George „Sir Edward“ nennen. Denn letztes Jahr schlug Königin Elisabeth II. den Präsidenten der Bank von England zum Ritter. Auch sonst ist der Familienvater für viele seiner Landsleute ein vorbildlicher Brite. Er spielt leidenschaftlich gerne Bridge und ist gegen einen voreiligen Beitritt des Inselreichs zur kontinental-europäischen Währungsunion.

Britischer Euro-Skeptiker

Nachdem im Juni bereits Schatzkanzler Gordon Brown denen einen Dämpfer erteilt hatte, die einen baldigen Beitritt des Königreichs zur europäischen Währungsunion erwartet hatten, schlug der 63-jährige Notenbankchef einen noch skeptischeren Ton an. Er halte einen Euro-Beitritt Großbritanniens nur dann für möglich, so Sir George vor Vertretern der Londoner Finanzwelt, wenn der Wechselkurs des Pfundes gegenüber dem Euro "wesentlich" sinke. Dies sei allerdings in naher Zukunft unwahrscheinlich.

Sollte das Pfund aber dennoch auf ein akzeptables Niveau für den Euro-Beitritt fallen, sei gleichzeitig die Gefahr eines Inflationsschubs groß. Die britische Wirtschaft würde destabilisiert und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt.

Ein Leben für die Bank von England

Eine derartige Entwicklung zu vermeiden ist für George stets oberstes Ziel gewesen. Schon in jungen Jahren wurde ihm nachgesagt, dass er jede Art von Inflation als eine Art persönlichen Feind betrachte. Deshalb wurde ihm auch der Spitzname "Steady Eddie" verliehen.

Der Wirtschaftswissenschaftler hat nahezu sein ganzes Berufsleben der Bank von England gewidmet. Seine Laufbahn begann 1962, als er sich zunächst mit dem Bereich Osteuropa und später mit internationalen Währungs- und Finanzfragen befasste. Nach kurzen Ausflügen zur Internationalen Bank für Zahlungsausgleich in Basel und zum Internationalen Währungsfonds in Washington stieg er schließlich 1993 zum Gouverneur der Bank von England auf. Hier machte er sich einen Namen als Fürsprecher einer unabhängigeren, wenngleich dem Parlament gegenüber weiterhin verantwortlichen Notenbank.

Mehr Autonomie unter der Labour-Regierung

Die Bank von England ist nur beratendes Organ der Regierung. Einen großen Schritt hin zu mehr Autonomie erreichte sie 1997, als Labour-Schatzkanzler Brown der Zentralbank weitgehende Zinshoheit einräumte und damit den Weg für eine spätere Teilnahme Großbritanniens an einer gemeinsamen europäischen Währung freimachte. Die ist allerdings zum heutigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Bevor die Engländer mitmachen, muss der Euro, wie Sir George es auszudrücken pflegt, gegenüber dem Dollar erst einmal "die Muskeln spielen lassen".

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  • Datum 02.01.2002
  • Autorin/Autor Ellen Schuster
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