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Europa

Der Euro ist mehr als nur eine Währung

Europa ohne Euro? Ein Experte denkt dieses Szenario durch und meint: Die politischen Folgen für die EU wären immens. Die Union würde an Macht und an Zusammenhalt verlieren. Darum ist er der Meinung: Der Euro bleibt.

Ein Verkaeufer legt Anfang 2002 DM-Scheine in seine Kasse und hält in der anderen Hand einen neuen Euro-Schein. (Foto: AP)

Ein Europa ohne Euro? Kaum vorstellbar

Je mehr sich im Laufe des Frühjahrs die finanzielle Lage für Griechenland zuspitzte, desto mehr zeigte sich: Es ging nicht nur um Griechenland. Sondern: Es ging um den Euro insgesamt. Immer beschwörender wurden die Formeln der Politiker: Man müsse jetzt zusammenstehen und den Euro retten. Anfang Mai sagte der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou, es gelte, "die Stabilität unserer gemeinsamen Währung zu sichern, aber auch die Stabilität Europas überhaupt". Mit der Stabilität Europas war offenbar nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die politische Stabilität gemeint.

Euro als politische Investition

Portemonnaie mit Euro-Scheinen und Kreditkarten (Foto: dpa)

Der Euro ist mehr als ein Zahlungsmittel

Doch was würde politisch in der EU passieren, wenn die Eurozone auseinanderbrechen und jedes Land zu seiner eigenen Währung zurückkehren würde? "Die Folgen wären gewaltig, denn es geht hier um die wichtigste Investition der Europäer in den Aufbau der EU seit fast 30 Jahren. Wenn das scheiterte, würde es wahrscheinlich in großem Streit und in Uneinigkeit geschehen - und die Uneinigkeit würde bleiben und das Verhältnis der Mitgliedsländer untereinander belasten", sagt Jean Pisani-Ferry, Leiter des Bruegel-Instituts, einer Denkfabrik in Brüssel.

In der Europapolitik würde dann eine allgemeine Re-Nationalisierung stattfinden - und dabei würden sich die großen Mitgliedsstaaten auf Kosten der kleinen durchsetzen, sagt Pisani-Ferry weiter. Das Ergebnis: Der gesamte Integrationsprozess würde gestoppt, zumindest vorübergehend.

Mehr als eine Währung

Und die Wirkung nach außen? Wie viel vom weltpolitischen Gewicht Europas hängt am Euro? Jean Pisani-Ferry meint: sehr viel. Bei den Welthandelsgesprächen der Welthandelsorganisation (WTO) zum Beispiel sei die EU ein Machtfaktor - solange sie eine Gemeinschaftswährung habe. "Falls der Euro verschwindet, spielt Europa da keine Rolle mehr", ist der Experte überzeugt. Die Einzelstaaten seien jeder für sich genommen zu klein. "Wenn wir an diesen Verhandlungen teilhaben wollen, müssen wir dort als Einheit auftreten." Ein Ende des Euro hätte "Folgen weit über das Monetäre hinaus".

Hauptquartier der Welthandelsgesellschaft (Foto: AP)

Auch hier ist der Euro von Bedeutung: bei Gesprächen mit der WTO

Die Gemeinschaftswährung war von Anfang an nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein politisches Projekt, um die Integration voranzutreiben. Deshalb haben ihre Gründer auch öfter ein Auge zugedrückt, wenn die finanzpolitischen Voraussetzungen in manchen Bewerberländern eigentlich nicht stimmten.

Ob in einigen Jahren noch alle jetzigen Euro-Länder zur Währungsunion gehören werden? Darauf will sich Pisani nicht festlegen. Doch an die Gemeinschaftswährung an sich glaubt er weiterhin: "Der Euro wird überleben."

Autor: Christoph Hasselbach
Redaktion: Julia Kuckelkorn