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Kultur

Der etwas andere Bibelkalender

Kalender mit nackten Frauen kommen meistens von Reifenfirmen oder Erwachsenen-Magazinen. Jetzt hat eine Kirchengruppe beschlossen, Bibelgeschichten mit Nacktfotos zu würzen. Das Ergebnis: ein ganz besonderer Kalender.

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Stein des Anstoßes: Nackte Eva im Kirchenschiff

Bibelkalender.de

Moderne Bibelbilder

Auf einem Bild will die dunkelhaarige Delila gerade dem schlafenden Samson das Haar abschneiden. Direkt unter der Schere, die auf eine Locke von Samsons Haar gerichtet ist, kann man deutlich ihre nackte linke Brust sehen. Ein anderes Bild zeigt Eva, wie sie dem Betrachter einen Apfel entgegenhält. Sie steht in einem Kirchengang. Nackt - abgesehen von ihrem langen, wehenden Haar und einem strategisch platzierten Feigenblatt.

Interesse für die Bibel wecken

Das sind nur zwei der Fotos in dem neuen erotischen Kalender, der seit dem vergangenen Wochenende in der protestantischen Kirche im mittelfränkischen Katzwang verkauft wird. Andere Bilder zeigen die Taufe Jesus', Lots Töchter, den Tanz der Salomé und die Opferung des Isaak.

Der Kalender ist ein Projekt der kirchlichen Jugendgruppe der Kirchengemeinde Katzwang. "Idee und Hintergrund des Konzepts war es, 'neue' Menschen für das Thema Kirche zu interessieren", heißt es auf der Webseite zu dem Kalender. Jedes der Bilder wird von einem theologischen Text begleitet, der die dargestellte Bibelstelle erklärt. Außerdem wollte die Jugendgruppe mit dem Kalender ihre Kassen auffüllen. Finanzielle Einschnitte gefährden momentan viele Aktivitäten der Gruppe. Jetzt hofft sie, an dem Kalender, der für 12,50 Euro pro Stück verkauft wird, zu verdienen.

Hitzige Debatten

Aber für einige Gläubige sind Nackte, die in Gotteshäusern posieren, jenseits der Grenzen des guten Geschmacks. Im Internet brach eine Protestwelle auf der Kommentar-Seite zum Kalender los. Die Seite ist jetzt nicht mehr online. Der Grund: Einige hätten versucht, die Seite für "Lob und Kritik" als Plattform zum Diskutieren zu nutzen. Jetzt werde an einem Diskussionsforum gearbeitet. "Was ihr macht ist unzivilisiert! Das ist eine Kirche", schrieb ein anonymer Kritiker. "Die Bibel als Motivvorlage für Nacktfotos zu missbrauchen, finde ich schamlos", schrieb ein anderer. "Bekennt eure Sünde und lasst sie hinter euch."

Andere wiederum unterstützten das Projekt: "Endlich, ein bisschen Pepp in einer protestantischen Kirche", schrieb ein Bewunderer. Ein weiterer Eintrag lobte den Mut der Jugendgruppe, so etwas im "prüden Bayern" zu machen. Der Pastor der Gemeinde, Bernt Graßer, versteht die ganze Unruhe nicht. Er findet es bewundernswert, dass sich die jungen Leute mit Bibelgeschichten beschäftigen. Trotz der aufreizenden Fotos habe der Kalender schließlich einen direkten Bezug zur Bibel, unterstrich Graßer. (jam/chr)

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