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Musik

Der ESC 2.0

Sie bloggen live vom Planeten ESC: Die Macher der Seite www.prinz-esc.de sind Finanzexperten, DJs und Pädagogen - und führen den beliebtesten unabhängigen ESC-Blog Deutschlands. Was wird da gepostet?

"Für die einen ist es die größte Unterhaltungsshow seit es europaweites Fernsehen gibt, für die anderen noch viel mehr!" - berichtet ein Blogger mit Künstlernamen "WM" auf der Seite www.prinz-esc.de bei seinem Besuch in Kopenhagen. Lebhaft und amüsant beschreibt der Blogger die "ESC-Welt, ach was, den ESC-Planeten". Das hektische Treiben auf dem Areal des Eurovision Song Contests, ehemals das Gelände eines Schiffbauunternehmens, die Pressevertreter, Veranstalter, Techniker, Manager und Sänger, die zwischen Bühne, Hallen, Lounge-Sälen und Chemietoiletten herumschwirren. Schnell taucht man ein in diese Welt des ESC, zwischen "Chaos und Leidenschaft", so der Blogger.

Ein ESC-Blog, der von Herzen kommt

Oliver Lepold (l) Matthias Breitinger (r) lächeln in die Kamera (Foto: privat)

Oliver Lepold (l) und Matthias Breitinger (r)

Der Blogger "WM" - im echten Leben ist er Lehrer - ist einer von zwölf Autoren, die für die Seite www.prinz-esc.de schreiben. Die Prinz-Blogger berichten unabhängig und ehrenamtlich. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufssparten, Journalisten sind allerdings nur wenige. "Das ist eine ganz spannende Mischung, das zeigt sich auch auf dem Blog", sagt Prinz-Blogger Matthias Breitinger, der eigentlich Wirtschaftsredakteur ist. Seit 2008 gibt es den Blog, heute ist er einer der führenden ESC-Internetportale im deutschsprachigen Raum, mit über 25.000 veröffentlichten Kommentaren. Dabei startete es als reines Freizeitprojekt. Die Blogger sind seit ihrer Kindheit Fans des Eurovision Song Contest, einige sind Mitglieder in ESC-Vereinen wie dem "OGAE Germany" oder dem "Eurovision Club Germany". "Der Blog ist ein reines Fanprojekt. Wir schreiben im Prinzip das, was wir selber gerne lesen würden", sagt Prinz-Blogger Oliver Lepold, der sonst für Finanzfachmagazine schreibt.

An seinen ersten ESC erinnert sich Oliver Lepold noch gut: "Da war ich elf Jahre alt. 1978, der ESC in Paris, Izhar Cohen hatte gewonnen für Israel, Ireen Sheer hat den deutschen Beitrag gesungen. Seitdem habe ich keinen ESC mehr verpasst." Als Student berichtete er das erste Mal vor Ort, für einen Radiosender - 1995 in Dublin. "Manchmal schaue ich zurück und denke: Wie hat sich das Ganze doch verändert! Alles war viel kleiner, man hat die Sachen angeschaut und hinterher einen Bericht geschrieben. Heute wird sofort jedes Detail gepostet und im Netz verbreitet."

Das virtuelle ESC-Fieber steigt

Wegweiser für ESC-Anfänger im Comics-Stil (Foto: Pinterest)

Wegweiser für ESC-Anfänger bei Pinterest

Der Eurovision Song Contest ist für viele Fans mehr als nur eine jährliche Kultfernsehshow. Die Fangemeinde sprudelt vor Neugier, möchte Details rund um den ESC wissen und alle möglichen Details austauschen. Stöbert man in den "Sozialen Netzwerken", wird das schnell klar: Die offizielle Facebook-Seite von Eurovision.tv zählt über 70.000 "Likes", also User, die auf einen Button klicken, um zu zeigen, dass ihnen ein geposteter Text gefällt. Die Facebook-Seite des englischsprachigen Blogs "ESCtoday" zählt über 20.000 solcher "Likes", in der deutschsprachigen Community führt der Prinz Eurovision Song Contest Blog mit über 500 "Likes". Wenn man diese drei Seiten mit einem "Gefällt mir" versieht, dann wird das ESC-Fieber virtuell spürbar: Wie lief die Probe von Elaiza? Welches Outfit trägt Conchita Wurst? Wer hat mit wem ein "Selfie" gemacht? Bei Pinterest ist der Hype um den ESC augenscheinlich:

Auf den Pinnwänden der ESC-Fans finden sich neben den Künstlerfotos auch kuriose Pins, zum Beispiel eine Statistik, welche Outfit-Farben in der Geschichte des ESC gewonnen haben. Kunterbunt liegt weit vorne.

Eurovision Song Contest 2014: ein Social TV Event

Laptop Bildschirm, auf dem eine Pinterest-Wand zu sehen ist mit Bildern des Eurovision Song Contests, davor ein Smartphone mit dem Logo des Blogs www.prinz-esc.de (Foto: DW/ Ananda Grade)

Mit Smartphone und Notebook dabei

Die ESC-Community kann es kaum aushalten, bis es zum eigentlichen Voting kommt. Das Erste Deutsche Fernsehen (ARD) und der federführende Norddeutsche Rundfunk (NDR) haben deshalb ihr Social Media Angebot rund um den ESC aufgestockt, es gibt viele multimediale Einblicke in die ESC-Welt vor und hinter den Kulissen. Zudem ist dieses Jahr "Social TV" angesagt, das heißt die User können während des Live-Streams via Twitter, Instagram, oder Facebook mitdiskutieren. Der digitale Fernsehsender EinsPlus implementiert die Live-Diskussion auch bei der Fernsehübertragung.

Live-Blogs bei den Semifinals

Auch die Prinz-Blogger führen seit 2010 Live-Blogs: "Wir weisen auf unserer Seite hin, wann und wo ein Live-Stream läuft und kommentieren die Show live auf unserem Blog. Die User kommunizieren dann mit uns und miteinander über die Vorentscheidungen", erklärt Lepold. Und beim Eurovision Song Contest gibt es viel Gesprächsstoff: Welcher Act gefällt wem warum? Welches Land wird wohl für wen stimmen? Einige setzen sogar Geld auf ihre Favoriten. "Die Wettquoten interessieren die Leute sehr. Nicht nur, wer gewinnen könnte, sondern es gibt auch Spezialwetten wie 'Wer schneidet vom Balkan am besten ab?'", sagt Lepold. Die Wettquoten-Artikel auf www.prinz-esc.de erreichen mitunter die meisten Klicks.

Der Song Contest und die "Eurovision"

Screenshot einer Pinwand bei Pinterest (Foto: Pinterest)

Eine Pinwand bei Pinterest

Wenn das Medienspektakel vorüber ist, dreht sich die ESC-Welt weiter. Die Fangemeinde befasst sich rund ums Jahr damit. Auch die Prinz-Blogger posten nach dem 10. Mai fleißig weiter, über die Geschichte des ESC, die größten Momente des ESC. Nach der Finalshow pilgern die Fans zum "Eurovision Weekend" in Berlin. "Dort treffen sich ESC-Fans aus ganz Europa, man lernt sich kennen, tauscht sich aus. Dieser kulturelle Aspekt ist sehr schön", sagt Breitinger, der mittlerweile viele internationale Freunde auf Facebook hat.

In Sachen Ukraine-Krise hält sich die ESC-Netzcommunity zurück. Dabei wirft die Krise zwischen der Ukraine und Russland viele Fragen auf. Wie werden die Abstimmungsanrufe von der Krim zugeordnet? Wird die Situation in der Ukraine Punkte kosten? Fragen, die Journalisten und Blogger in den Pressekonferenzen stellen - die Vertreter des russischen Fernsehens wollen bislang aber keine politischen Fragen beantworten.

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