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Kultur

Der erste SMS-Roman

Eigentlich ein spannendes Vorhaben: Grenzen ausloten und sie als Chance verstehen, neues zu schaffen. So könnte man den Versuch umschreiben, mit Hilfe von SMS einen Roman zu schreiben.

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Ein Display am tragbaren Telefon als "Papier" zum Romane-Schreiben?

Die Eckdaten: Man hat pro SMS 160 Zeichen zur Verfügung und schreibt die Texte nicht mit dem tippintensiven SMS-Editor des Handys sondern mit Hilfe eines E-Mail-Programms, wie zum Beispiel freenet.de oder gmx.de. Die verschickten SMS-E-Mails fangen deshalb alle mit einem Absender an. Bei anderen Anbietern wird manchmal auch eine Werbung am Ende angehängt. Aber das soll den Lesefluss von einer SMS zur anderen nicht stören – diese "Zusatzinfos" überliest man ja meistens sowieso.

Nils Röller hat es gewagt. Er ist Medientheoretiker und Autor, derzeit an der Kunsthochschule in Köln beschäftigt und er hat bei telepolis.de einen SMS-Roman ins Netz gestellt.

Der Roman hat vier Kapitel und beschreibt Tans Flug von Frankfurt am Main nach Sao Paulo. Der Protagonist Tan ist traurig, er hat sich am Flughafen von Paula trennen müssen, die nach London geflogen ist. Er richtet sich im Flugzeug ein, versucht sich mit seinem Sitznachbarn zu arrangieren, meditiert über die Liebe und muss sich bei der Landung letztlich wieder der Realität stellen.

Der Anfang des Romans: (Die oben erwähnten Zusatzinfos werden an dieser Stelle wegegelassen.)

sein aktenkoffer ist eine kajuete, enthaelt buecher als bullaugen und schreibzeug als vorhaenge, bieten schutz vor plauderlustigen mitreisenden.

nimmt dort die sachtbraune im leopardenshirt platz. dahinter maennergruppe mit tatistautueten zum transport ueber wohlstandsgrenzen. ziehen alle

Vorrueber.johnnycash gibt tan die hand,beaeugt tan beim einrichten seiner gedankenkajuete: buntstifte zum navigiren in texten, zwei notizhefte,

Der Lesefluss ist gestört: Die Begrenzung auf 160 Zeichen bewirkt ungewöhnliche Umbrüche zwischen den Einheiten. Dadurch hat jeder SMS-"Vers" allerdings eine Verbindung zu der vorherigen und der nachfolgenden Botschaft. Die unterbrochene Komposition ist also Prinzip und muss als solches auch präsent sein.

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