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Fußball

Der entspannte Herr Löw

Joachim Löw wirkt in diesen Tag auffallend locker und ausgeruht. Das torlose Remis gegen Polen hat der Bundestrainer gut verarbeitet. Die Kritik an seinen Spielern kontert er mit einem Lächeln.

Auf dem Weg zur Pressekonferenz machte Joachim Löw noch kurz einen Abstecher ins Café und schnappte sich einen Espresso. Lächelnd und verfolgt von zahlreichen Kameras, lief er dann zu den wartenden Journalisten. Es wirkte fast so als würde der Bundestrainer sich auf das anstehende Mediengespräch freuen. "Die Pressekonferenz ist keine Arbeit für mich, ich freue mich, dass mir alle ein Loch in den Bauch fragen", sagte er." Seinen Spielern hatte er für den heutigen Tag frei gegeben. Sie müssten auch mal abschalten. Das sei bei so einem langen Turnier wichtig, erklärte Löw. Er selbst muss aber noch ein bisschen arbeiten, schließlich steht in wenigen Tagen bereits die nächste Partie an. "Heute Nachmittag schauen wir uns das Spiel gegen Polen nochmal an. Ich möchte auch nicht unbedingt raus, vielleicht mache ich abends etwas Sport. Viele Spieler bleiben auch im Hotel."

"Das zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht"

Die Kritik eines Ex-Spielers sorgte unterdessen in den Medien für Aufregung. Michael Ballack hatte eine erneute Führungsspieler-Diskussion losgetreten. Bei Löw verursachte das aber weder Ärger noch Frust: "Vor zwei Jahren hatten wir dieselbe Debatte, nach dem Titelgewinn war das dann alles ganz anders. Jetzt geht es nach einem Vorrundenspiel wieder los, das sagt doch alles." Ballack hatte der Nationalmannschaft fehlende Persönlichkeit und einen Mangel an Charakter vorgeworfen.

Montage Joachim Löw und Michael Ballack. Foto: DPA

Joachim Löw (li) lässt sich von Michael Ballacks Kritik (re) nicht beeindrucken.

"Das zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn über ein Führungsproblem gesprochen wird. Ganz ehrlich, wenn ich ein Außenstehender wäre, dann wäre ich ganz ruhig", kanzelte Löw seinen Ex-Kapitän ab. "Nur weil wir einmal 0:0 gespielt haben, haben wir plötzlich ein Führungsproblem? Wir haben großartige Führungsspieler, die sind 2014 alle Weltmeister geworden."

"Die Kritik war realistisch"

Eine dieser wichtigen Säulen in der DFB-Elf ist Jerome Boateng. Der Innenverteidiger hatte nach dem Spiel öffentlich die Offensive um Mario Götze und Mesut Özil kritisiert. "Er kommuniziert und organisiert viel mehr und ist innerhalb der Mannschaft extrem hoch angesehen", lobte Löw seinen Abwehrchef und stärkte ihm den Rücken: "Die Kritik war doch realistisch. Die Spieler sind weiter fokussiert." Löw hatte mit Boateng bereits vor dem Turnier über seine Rolle gesprochen und ihn gebeten, mehr zu sprechen und Führungsaufgaben zu übernehmen. Zudem redete auch der Bundestrainer die fehlende Angriffspower beim Spiel gegen die Polen keineswegs klein, sondern gab zu: "Wir haben zu wenig in Laufwege investiert, um mit hohem Tempo aus verschiedenen Positionen in den Strafraum zu kommen und den Gegner damit unter Stress zu setzen."

Trotzdem sei die Stimmung im Team weiter sehr gut, auch die Konzentration stimme. Löw ist sich sicher, auch beim letzten Gruppenspiel bestehen zu können. "Wir werden gegen Nordirland gewinnen und damit auch die Gruppe gewinnen, damit wir im Achtelfinale in Lille spielen. Andere Wege kenne ich nicht." Löw zeigte sich so selbstbewusst wie selten und wirkte dabei sehr entspannt. Nach rund 40 Minuten war das Mediengespräch zu Ende. Doch bevor sich die Journalisten über ihre Laptops beugen konnten, rief Löw ihnen noch zu: "Das Thema morgen beim Training ist - wie schon in der Pressekonferenz - die Offensive." Der Bundestrainer lachte, stand auf und verließ das Medienzentrum am Trainingsgelände. Mit Lockerheit zum EM-Titel? Für Löw scheint das genau der richtige Weg zu sein.

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