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Global Ideas

Der Energiemix soll vielseitiger werden

Zwar setzt Bosnien und Herzegowina seit langem auf Wasserkraft, jedoch fehlen staatliche Regulierung und finanzielle Anreize für andere erneuerbare Energieformen. So bleibt das Potenzial von Sonne und Wind ungenutzt.

Foto: Gebäude am Ufer des Trebisnjica Flusses (Foto: ddp images/AP Photo/Amel Emric)

Neben Kohle ist Wasser die wichtigste Quelle für die bosnische Stromversorgung.

Einst galt Bosnien und Herzegowina als Vorreiter der regenerativen Energieproduktion. Denn vor rund 60 Jahren begann die damalige Teilrepublik Jugoslawiens mit dem Ausbau der Wasserkraftwerke, so dass das Land heute die Hälfte seines Stroms über diese Energieform gewinnt. Gleichzeitig jedoch hinkt Bosnien und Herzegowina beim Ausbau anderer erneuerbarer Energien hinterher - und verschenkt so viel Potenzial.

Hauptsächlich liegt das an der schwierigen politischen Situation, meint Energieexperte Vjeran Piršić von der kroatischen Nichtregierungsorganisation Eko Kvarner: "Nach den vergangenen Wahlen hat Bosnien und Herzegowina zwei Jahre gebraucht, bis es eine Regierung gebildet hatte. Wie sollen sie da den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben?" Eines der größten Probleme sei, dass man bei Bosnien und Herzegowina praktisch nicht von einem Staat sprechen könne. Das ehemalige Bürgerkriegsland ist in zwei Teilrepubliken gegliedert, die jeweils eigene Parlamente haben und einen Großteil der politischen Entscheidungen, darunter fällt auch die Energieversorgung, unabhängig voneinander treffen.

Noch kommt ein Großteil des Stroms für die 4,6 Millionen Menschen, die in dem südosteuropäischen Land leben, aus fossilen Energiequellen: Rund die Hälfte ihres Stroms beziehen sie über klimaschädliche Kohlekraftwerke. Der Rest wird hauptsächlich über Wasserkraft aus großen Staudämmen gewonnen. Die sind zwar in der Produktion kohlendioxidarm - ganz umwelt- und klimafreundlich sind sie aber nicht.

Das Potenzial von Sonne und Wind soll besser genutzt werden

"Wasserkraft hat große negative Auswirkungen auf die Umwelt und sollte daher nicht als regenerative Energieform verstanden werden", sagt Zoran Mateljak, Wasserkraft-Experte des WWF in Bosnien. Durch große Wasserkraftprojekte seien beispielsweise Torflandschaften in Gefahr. Diese sind wichtige Kohlendioxidsenken. "Werden Torflandschaften zerstört, steigen die Kohlendioxidemissionen von Bosnien und Herzegowina immens an." Mateljak fordert daher, künftig mehr in Solar- und Windenergie zu investieren.

Foto: Der Staudamm des Zvorniker Stausee in Drina, Bosnien und Herzegowina (Foto: CC BY 3.0: Mazbln: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zvornik_Drina_Dam.JPG?uselang=de)

Das Wasserkraftwerk in Zvornik Drina im Osten von Bosnien und Herzegowina ist eines von 13, die die Stromversorgung der 4,3 Millionen Einwohner des Landes sichern.

Das Potenzial für beide Energieformen sei vorhanden, meint sein kroatischer Kollege Piršić. Vor allem der Süden des Landes eigne sich für Solarenergie, da es dort viele sonnenreiche Tage gebe. "Der schnellste Weg, in Bosnien an Solarenergie heranzukommen, ist über eine Investition aus Kroatien", so der Energieexperte. Im Nachbarland seien Unternehmen bereits dabei, am Mittelmeer nahe der Grenze zu Bosnien und Herzegowina Photovoltaikanlagen zu bauen. "Die Unternehmen müssen dann nur noch über die Grenze springen." Zunächst müsse allerdings ein anderes Problem aus dem Weg geräumt werden: "Viel Fläche kann nicht genutzt werden, weil dort Landminen liegen. In deren Beseitigung muss viel Geld gesteckt werden."

Der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie geht nur langsam voran

Bisher sind lediglich kleine Solaranlagen in Bosnien und Herzegowina in Betrieb. Laut einem Bericht der Regierung an das UN-Klimasekretariat aus dem Jahr 2009 deckten sie zusammen 4.000 bis 6.000 Quadratmeter Fläche ab. Bis 2020 könne diese Fläche um das Zehnfache auf 50.000 Quadratmeter steigen, um insgesamt pro Jahr 33 Gigawattstunden Strom zu erzeugen. Mit dieser Menge Strom ließen sich 10.000 Haushalte in Mitteleuropa ein Jahr lang versorgen.

Foto: Solarpanele auf einem Dach in Mandorla, Italien (Foto: CC-BY 2.0: Chris Muenzer: http://www.flickr.com/photos/muenzer/2535380874/)

Noch hat Bosnien und Herzegowina lediglich kleine Solaranlagen, vergleichbar zu diesen in Italien. Großes Potenzial für diese Energiequelle liegt vor allem im Süden des Landes.

Doch heute, drei Jahre nach Erscheinen des Berichts, ist Bosnien und Herzegowina noch weit davon entfernt. Selbst eine Bestandsaufnahme ist schwierig, denn es gibt nur für die Föderation Bosnien eine Datenbank des Energieministeriums mit aktuellen Projekten - und die ist auch noch unvollständig: Darin verzeichnet sind bisher drei fertiggestellte Solarkraftwerke mit einer installierten Kapazität von insgesamt rund 0,16 Megawatt. Mindestens zehn Mal mehr Leistung sollen 86 Solarprojekte zusammen erbringen, die derzeit noch gebaut oder geplant werden.

In der Datenbank des Energieministeriums findet sich auch ein erstes Windkraft-Projekt: Mit Moštre 1 ist ein fertiggestellter Windpark im Zentrum der Teilrepublik registriert. Er ist allerdings noch nicht mit dem Netz verbunden. Insgesamt sollen 23 weitere Windkraftprojekte folgen.

Prognosen der Regierung sind unrealisitisch

Grund für den nur langsamen Ausbau sind neben den schwierigen politischen Bedingungen auch hohe Kosten. Um das zu ändern, haben beide Teilrepubliken im vergangenen Jahr Gesetze für Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien beschlossen, um Anreize für Firmen zu schaffen. Die sind auch nötig, denn bis 2015 will die Regierung Bosniens und Herzegowinas beispielsweise Windparks mit einer installierten Leistung von bis zu 900 Megawatt errichten.

Trotz der geplanten Förderung sei dieses Ziel unrealistisch, sagen Experten in einer aktuellen Studie des Energy Charter Secretariat. Das Sekretariat ist mit der Umsetzung des Energiecharta-Vertrags betraut, dem Bosnien und Herzegowina angehört. Wahrscheinlicher ist dem Gremium zufolge eine installierte Leistung zwischen 400 und 600 Megawatt. Zum Vergleich: Der aktuell leistungsstärkste Windpark steht in den USA: Das kalifornische Alta Wind Energy Center hat eine installierte Leistung von 1.320 Megawatt.

Drei Konzerne haben den Energieerzeugungs-Markt in Bosnien und Herzegowina unter sich aufgeteilt. Deren enge Verbindung zur Politik ist für WWF-Wasserkraftexperte Mateljak ein weiterer Grund, warum es mit der Sonnen- und Windenergie nicht so recht vorangeht. "Mit jedem Regierungswechsel wechselt auch das Management der Energiekonzerne." Mit großen Wasserkraftprojekten lasse sich nun mal schneller mehr Geld verdienen als mit dezentraler Photovoltaik.

Autorin: Johanna Treblin
Redaktion: Klaus Esterluß/Gianna Grün

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