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Nahost

Der einzige Bierbrauer Palästinas

"Taybeh" heißt auf arabisch "lecker" und es ist der Name des einzigen palästinensischen Biers. Gebraut wird es im gleichnamigen Dorf im Westjordanland nach deutschem Reinheitsgebot.

Logo der Taybeh-Brauerei (Quelle: Taybeh)

Taybeh - nicht nur bei Palästinensern beliebt

Bei "Taybeh Bier" begrüßt der Chef die Besucher noch selber: "Herzlich willkommen", sagt David Khoury. Der große, massige Mann mit dem grauen Vollbart und der tiefen Stimme ist einer der Gründer und Direktoren. Zusammen mit seinem Bruder Nadim und seinem Vater Canaan hat er die Brauerei im Jahr 1995 gegründet.

David Khoury, Co-Direktor der Taybeh Brauerei am Brautank (Foto: Pelz/DW)

Mit seinem Bruder gründete David Khoury 1995 die Brauerei

Vorher lebte die Familie in den USA. Nach dem Friedensschluss zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation 1995 kehrten sie in ihre Heimat Taybeh zurück – mit dem Traum von einer Brauerei. "Und heute brauen wir hier drei Biersorten: Taybeh Gold, unser Flagschiff, Taybeh Dunkel und ein Altbier", erzählt David Khoury. Auch ein alkoholfreies Bier für Muslime läuft hier seit kurzem vom Band.


Fast pleite

"Ich erkläre Ihnen jetzt den Brauprozess", sagt David Khoury und steuert auf einige silberne Brautanks zu. Noch immer passt die Brauerei in eine einzige Halle. Er öffnet eine Klappe: Im Topf kocht eine trübe Masse aus Hopfen und Wasser. "An Tagen wie heute stehen wir hier um fünf Uhr morgens auf", sagt Khoury – und es klingt nicht so, als mache ihm das etwas aus.

Blick ins Innere der Brauerei (Foto: Pelz/DW)

Taybeh ist das einzige Bier, das in den Palästinensergebieten gebraut wird

Stattdessen erzählt er mehr aus der Geschichte der Brauerei. Fast scheint es wie ein kleines Wunder, dass hier überhaupt noch gebraut wird. Denn im Jahr 2000 begann die Zweite Intifada, der Aufstand in den Palästinensergebieten, und immer weniger Touristen kamen nach Israel und in die Palästinensergebiete. Hotels und Restaurants schlossen und damit gingen den Khourys wichtige Kunden verloren. "Das Geschäft wurde knüppelhart", erinnert er sich. Die Brauerei überlebte, weil die Brüder und ihr Vater nur eigenes Geld investiert hatten und keine Kredite zurückzahlen mussten. Dabei war das keine Strategie, sondern reiner Zufall: Die Khourys hatten keine Bank gefunden, die ihnen Geld leihen wollten. "Damals fragte jeder nur: 'Spinnen denn die?'", wenn wir von unserem Plan erzählt haben, eine Brauerei in Taybeh zu eröffnen", sagt David Khoury.

Schlechte Geschäfte hinter der Mauer

Gegenüber den Brautanks laufen Flaschen mit dem goldschimmernden Bier über ein Fliesband. Die Abfüllanlage stammt aus Italien. Rund 6000 Hektoliter Bier produzieren die Khourys im Jahr – nach deutschem Reinheitsgebot. Hotels und Restaurants in ganz Israel gehören zu den wichtigsten Kunden. Doch aufgrund des israelischen Sperrzauns ist es teuer geworden, das Bier auszuliefern.

Madees Khoury, Junior-Chefin der Taybeh-Brewing Corporation bei einer Qualitätskontrolle (Foto: Pelz/DW)

Tritt in die Fußstapfen ihres Vaters: Madees Khoury

Zunächst fährt ein palästinensischer LKW die Bierfässer in die Nähe von Hebron. Dort ist einer der wenigen Checkpoints mit Durchleuchtungsgeräten, mit denen das israelische Militär die Ladung nach Waffen durchsuchen kann. "Nachdem das Bier kontrolliert worden ist, wird es auf der anderen Seite auf einen israelischen LKW umgeladen, der es nach Jerusalem bringt. Eine Fahrt, die eigentlich in 20 Minuten machbar wäre, dauert so manchmal einen ganzen Tag", sagt Khoury verbittert.

Ausbildung in Deutschland

Trotz aller Schwierigkeiten – die nächste Generation übt schon, um die Brauerei zu übernehmen. An einem Brautank steht Madees Khoury, 25 Jahre alt und die Tochter von Nadim Khoury, dem Braumeister. Lange schwarze Haare, T-Shirt und Schlabberjeans: Den Abschluss in Betriebswirtschaft hat sie in der Tasche, das nächste Ziel: Deutschland. "Ich will nach Weihenstephan und dort Brauwesen studieren. Gibt es denn einen besseren Ort, um mehr über Bier zu lernen, als Deutschland?", fragt sie und lacht.


Blick auf die Brauerei (Foto: Pelz/DW)

Unscheinbar: Die Brauerei im Dorf Taybeh

Eines Tages wird Madees Khoury vielleicht die Brauerei übernehmen. Doch noch haben ihr Vater Nadim und ihr Onkel David dort das Sagen – und Zukunftspläne. Nein, er wolle keine Großbrauerei aus Taybeh Beer machen, sagt David Khoury zum Abschied. Aber weiter wachsen und mehr Arbeitsplätze schaffen ist der Familie wichtig. Denn die Brauerei ist das einzige Industrieunternehmen, das es in Taybeh gibt.

Autor: Daniel Pelz
Redaktion: Ina Rottscheidt



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