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Politik & Gesellschaft

Der EHEC-Erreger breitet sich weiter aus

15 Menschen sind bisher in Deutschland an einer Infektion mit dem gefährlichen Darm-Bakterium EHEC gestorben. Die Behörden rechnen mit weiteren Todesfällen.

EHEC-Bakterienkultur in einem Labor (Foto: dapd)

Wissenschaftler suchen mit Hochdruck nach der Erreger-Quelle

Wie kommen die gefährlichen EHEC-Keime an Salatgurken, Tomaten und Blattsalate? Noch immer suchen die Behörden mit Hochdruck nach der Ursache für die steigende Zahl der Infektionen und Todesfälle in Deutschland. Unzählige Mosaiksteine aus Deutschland und dem Ausland würden derzeit zusammengetragen, sagt Ilse Aigner, Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Quelle der Infektionen konnte aber noch nicht identifiziert werden.

Inzwischen sind bis auf Sachsen und Brandenburg alle Bundesländer betroffen, vor allem die norddeutschen. Mehr als 370 Erkrankungen sind offiziell bestätigt, hinzu kommen viele weitere Verdachtsfälle. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) rät zum gründlichen Waschen von Gemüse und Händen, denn er kann bisher keine Entwarnung geben. "Leider ist weiter mit einer steigenden Fallzahl zu rechnen."

Einige Krankenhäuser sind bereits ausgelastet

Gesundheitsminister Daniel Bahr (Foto: AP)

Gesundheitsminister Daniel Bahr rät dringend dazu, Gemüse gründlich zu waschen

Die Erkrankung trifft fast nur Erwachsene und besonders häufig Frauen. Nicht für alle Patienten ist eine Infektion mit dem EHEC-Erreger lebensbedrohlich, aber bei einigen stellen sich schwere Krämpfe, blutiger Durchfall und Nierenversagen ein. Für die Ärzte sei das eine Herausforderung, sagt Professor Reinhard Burger, der Chef des Robert Koch-Instituts. "Die Verläufe der Erkrankungen in Norddeutschland waren zum Teil so schwer, dass eine Blutwäsche erforderlich war." Einzelne Krankenhäuser seien an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gekommen und mussten Patienten in benachbarte Krankenhäuser verlegen. "Die Kapazität an intensivmedizinischer Betreuung ist nahezu ausgelastet", so Burger.

Gemüse aus Norddeutschland bleibt auf dem Index

Die EHEC-Bakterien werden vom Tier auf den Menschen übertragen, und zwar durch Tierkot, kontaminierte Lebensmittel oder Wasser. Wie genau der Erreger auf die Nahrungsmittel gelangt ist, bleibt nach wie vor ein Rätsel. Untersuchungsteams des Robert Koch-Instituts fragen die Erkrankten, was sie genau gegessen haben. In Norddeutschland stehen roh verzehrte Tomaten, Salatgurken und Blattsalate im Verdacht, mit dem Darmkeim verunreinigt zu sein. Ob es sich dabei um in Deutschland produziertes oder aus dem Ausland importiertes Gemüse handelt, ist unklar.

Seit das Robert Koch-Institut vom Verzehr abgeraten hat, ist der Absatz von Tomaten, Gurken und Blattsalaten aus Norddeutschland dramatisch eingebrochen. Trotz der Kritik der Landwirte bleibt das Institut aber bei seiner Empfehlung und hat dabei die volle Rückendeckung von Ministerin Aigner. "Diese Hinweise bleiben weiterhin gültig, solange die genaue Ursache der Infektion nicht ermittelt ist."

Die spanische Regierung ist verärgert über Deutschland

Nicht nur die norddeutschen Gemüsebauern sind verärgert, auch die spanische Regierung ist empört darüber, dass die deutschen Behörden zunächst spanische Gurken für die mögliche Quelle der Infektionen hielten. Die spanische Agrarministerin Rosa Aguilar verlangt nun Entschädigungen für die Verluste der spanischen Gemüse-Exporteure. "Wir sind enttäuscht von der Art, wie Deutschland mit der Krise umgegangen ist", wird die Ministerin zitiert. Und so nimmt der EHEC-Ausbruch in Deutschland inzwischen auch außenpolitische Dimensionen an.

Autorin: Nina Werkhäuser
Redaktion: Peter Stützle/Diana Hodali

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