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Kultur

Der DW-Kulturkalender für November

Nass, kalt, dunkel – so charakterisieren viele den November in Deutschland. Ein guter Monat um wegzufahren? Nicht unbedingt, schließlich ist kulturell wieder einiges los. Anbei die Auswahl der Kulturredaktion.

Internationaler Hochhauspreis 2010

Internationaler Hochhauspreis (von Links: Aqua Tower Chicago - Foto: Steve Hall © Hedrich Blessing / Burj Khalifa Dubai - Foto: dpa / Shanghai World Financial Center - Foto: AP)

Hoch hinaus: Der Aqua Tower in Chicago, der Burj Khalifa Tower in Dubai und das Shanghai World Financial Center sind unter den Finalisten für den Internationalen Hochhauspreis 2010.

Höhe ist ein Statussymbol - das ist bekannt. Firmenchefs haben ihre Büros in der Regel in den obersten Etagen, im Stadtbild gehören die höchsten Häuser meist den einflussreichsten Unternehmen. Außerdem gibt es seit Jahren einen Konkurrenzkampf um das höchste Gebäude der Welt – im Moment hat Dubai stolz die Nase vorn mit dem erst in diesem Jahr eröffneten Burj Khalifa Tower (828 Meter). Es geht aber nicht nur um Höhe – zumindest nicht beim Internationalen Hochhauspreis, den das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt vergibt und der weltweit der höchstdotierte seiner Art ist: Der Sieger bekommt 50.000 Euro zugesprochen, die von einer Bank gestiftet werden. Bewertet werden unter anderem die Bautechnik, die Ästhetik des Gebäudes, die städtebauliche Einbindung oder auch die Wirtschaftlichkeit. Der Sieger wird am 5. November bekannt gegeben – unter den Finalisten sind der Aqua Tower in Chicago (USA) und das Shanghai World Financial Center (China), aber auch besagter Burj Khalifa Tower aus Dubai. Ein Gebäude in dem eine ganze Kleinstadt Platz hat: Es gibt ein Hotel, verschiedene Wohnungen und Luxusresidenzen, Büroflächen und auch ein Freiluft-Observatorium – das höchste der Welt, versteht sich.

9. November – Schicksalstag der Deutschen

Berliner aus Ost und West feiern den Fall der Mauer (Foto vom 12.11.1989: AP)

Historischer Moment: Berliner aus Ost und West feiern im November 1989 den Fall der Mauer.

Der neunte November ist in Deutschland ein besonderes Datum. Es gibt wohl kaum einen Tag, mit dem so viele Erinnerungen verknüpft sind, schönen aber auch schrecklichen. Ein Grund zur Freude war der Fall der Berliner Mauer 1989. Am Grenzübergang Bornholmer Straße wird in diesem Jahr der "Platz des 9. November 1989" an die Öffentlichkeit übergeben – im Gedenken an das große Ereignis vor mehr als 20 Jahren. Geht man ein paar Jahre weiter zurück, stößt man auf ein erschreckendes Geschehen: die Reichpogromnacht. In der Nacht vom neunten auf den zehnten November 1938 zündeten die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler jüdische Einrichtungen im gesamten Deutschen Reich an. Die Synagogen brannten, jüdische Bürger wurde getötet oder in Konzentrationslager deportiert. Ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte, dem unterm anderem die jüdischen Gemeinden jedes Jahr mit verschiedenen Veranstaltungen gedenken, sei es mit öffentlichen Führungen in den Synagogen oder auch mit einem Schweigemarsch durch die Stadt, wie Schüler in Berlin ihn planen.

Die Fantastischen Vier auf Deutschlandtournee

Die Fantastischen Vier (Foto: Alexander Gnädinger)

Nach 20 Jahren immer noch fantastisch: Smudo, Thomas D, Michi Beck und And. Ypsilon

Sie haben den Hip Hop nach Deutschland gebracht, und dafür lieben ihre Fans sie noch heute: Die Band "Die Fantastischen Vier" – bekannt auch als "Fanta4". Ihre Songs sind seit mehr als 20 Jahren regelmäßig in den Charts, Hits wie "Die da?!" und "MfG- Mit freundlichen Grüßen" sorgen auf Partys für gute Laune. Als sie anfingen, gab es Hip Hop fast nur auf Englisch, doch die Schulfreunde Smudo, Michi Beck, And. Ypsilon und Thomas D wollten auf Deutsch rappen – mit Nonsens-Texten, aber auch mit nachdenklichen Themen. Nach einer kreativen Ruhepause geht die Band ab dem 9. November jetzt wieder auf Tour, insgesamt geben sie 16 Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Fans sind gespannt – nicht nur auf die Songs des neuen Albums "Für Dich Immer Noch Fanta Sie", sondern auch auf ein neues Bühnenkonzept: Sichtbar von allen Seiten spielen sie auf einer runden Bühne mitten in der Konzertarena.

Alaaf und Helau! - Der Karneval beginnt

Eine als Clown verkleidete Frau in Düsseldorf (Foto: AP)

11.11. 11 Uhr 11: Für die Jecken im Rheinland beginnt die fünfte Jahreszeit ...

Frühling, Sommer, Herbst und Winter – das sind die offiziellen Jahreszeiten in Deutschland, insgesamt vier an der Zahl. In einigen Regionen aber gibt es sogar fünf, im Rheinland beispielsweise. Dort beginnt am 11.11. um 11 Uhr 11 die so genannte "fünfte Jahreszeit" – der Karneval. Warum die Zahl elf im Karneval eine so große Rolle spielt, darüber gibt es einige Theorien – doch die meisten "Jecken" (so nennt man im Rheinland Menschen, die Karneval feiern) stellen sich solche Fragen gar nicht erst. Sie wollen einfach nur feiern, trinken und lustig sein. Nach dem eintägigen Saisonauftakt am elften November verschwindet der Karneval allerdings erst mal wieder aus dem Stadtbild, in den Schaufenstern der Geschäfte dominiert die Weihnachtsdekoration, aus den Lautsprechern klingen keine Karnevalschlager, sondern bekannte Weihnachtsmelodien. Doch kaum ist das neue Jahr da, wird umdekoriert, werden Weihnachtsmänner und Engel gegen Clownsfiguren und Luftschlangen ausgetauscht. In den Karnevalsvereinen bereitet man sich allerdings fast das ganze Jahr auf den nächsten Karneval vor, und manche Fans hören Karnevalsmusik sogar im Sommer am Strand.

Erinnerung an einen großen Musiker

Impression vom Grand Prix Emanuel Feuermann (Foto: Kronberg Academy)

Junge Talente aus aller Welt zeigen beim Grand Prix Emanuel Feuermann ihr Können.

Etwas gesitteter geht es Mitte November in Berlin zu. Hier treffen sich Musiker aus aller Welt, die in einem Cello-Wettbewerb um den "Grand Prix Emanuel Feuermann" konkurrieren. Emanuel Feuermann war ein bedeutender Cellist des 20. Jahrhunderts, der 1929 eine Professur an der Berliner Musikhochschule erhielt, 1933 aber als "untragbarer Jude" entlassen wurde. Er starb 1942 in New York. Der Wettbewerb, der 2002 unter anderen von der Universität der Künste initiiert wurde, wird ihm zu Ehren alle vier Jahre in Berlin ausgetragen. Beim ersten Mal war die jüngste Schwester von Emanuel Feuermann zu Gast, eine Dame Mitte Neunzig, die Deutschland nach der Flucht vor den Nationalsozialisten eigentlich nie wieder betreten wollte. Die Teilnehmer kommen auch in diesem Jahr wieder aus ganz verschiedenen Ländern, unter anderem aus China, Russland, Kanada und Korea, aber auch aus Frankreich, England, Deutschland und der Tschechischen Republik. Auf den Gewinner wartet nicht nur ein Geldbetrag von 15.000 Euro, sondern auch eine CD-Produktion und Unterstützung bei der Vermittlung von Auftritten und Konzertreisen.

Ruhr 2010: Müllmänner aus Istanbul auf der Bühne

Rimini-Protokoll: Theaterstück 'Herr Dagacar und die goldene Tektonik des Mülls' (Foto: Rimini-Protokoll)

Immer auf der Suche nach Verwertbarem: die Müllmänner aus Istanbul

Rimini-Protokoll: Das sind drei junge Menschen aus Berlin, die Theaterstücke aufführen – aber nicht mit Schauspielern, sondern mit Menschen, die sie auf der Straße getroffen haben. Zum Beispiel vier Müllmänner aus Istanbul. Ihnen begegnete der Regisseur Daniel Wetzel vor etwa einem Jahr, als er auf der Suche nach Themen in der türkischen Hauptstadt unterwegs war. Er traf sie überall, vor jedem Haus, vor jedem Geschäft: kurdische Männer und Roma aus den Dörfern in Anatolien, die am frühen Abend bis in die Nacht nach Verwertbarem suchen, nach Metall, Plastik und Blech. Er sprach sie an und engagierte sie. Das Ergebnis: "Herr Dagacar und die goldene Tektonik des Mülls". Ein Theaterstück, das am 26.11. im Rahmen des Programms zur Kulturhauptstadt 2010 zum ersten Mal in Deutschland aufgeführt wird. Premiere war am 15. Oktober in Istanbul. Die vier Männer auf der Bühne, deren Stimme sonst nicht gehört wird, erzählen voller Temperament von ihrem Leben, ihren Dörfern, ihren Familien – und von ihrer Überlebensstrategie. Das Ganze auf Türkisch oder Kurdisch, wer's nicht versteht, für den gibt es über der Bühne elektronische Untertitel. Ein ungewöhnliches Format, mit dem die jungen Theatermacher überaus erfolgreich sind.

Eröffnung der Weihnachtsmärkte

Das Christkind eröffnet den Nürnberg Christkindlesmarkt (Foto: 2009 Ralf Schedlbauer/Stadt Nürnberg)

"Alle Jahre wieder": Das Christkind eröffnet den Nürnberger Weihnachtsmarkt.

Ende des Monats wird es weihnachtlich in Deutschland. Plätzchen und Schokoladen-Nikoläuse gibt es in den Supermärkten zwar schon seit Ende September, doch jetzt öffnen in vielen deutschen Städten auch die Weihnachtsmärkte. Einer der bekanntesten ist der Nürnberger Christkindlesmarkt. Dort begrüßt die Besucher am 26. November das Christkind höchstpersönlich: ein Mädchen in einem weiß-goldenen Gewand, mit langen blonden Locken und einer goldenen Krone auf dem Kopf. Es verteilt Süßigkeiten, nimmt Wunschzettel entgegen und liest Kindern Geschichten vor – eine Tradition, die es bereits seit den 1930er Jahren gibt und für die sich junge Nürnberger Frauen zwischen 16 und 19 Jahren bewerben können. Rund zwei Millionen Menschen besuchen den Nürnberger Christkindlesmarkt jedes Jahr, manche kommen extra aus den USA oder Japan angereist. Dementsprechend international ist auch die Stimmung, so dass sich niemand wundert, wenn am Glühweinstand Lieder wie "Stille Nacht, heilige Nacht" auf Japanisch gesungen werden.

Autorinnen: Petra Lambeck / Anggatira Golmer

Redaktion: Ramón García-Ziemsen

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