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Kultur

Der DW-Kulturkalender für Mai

Der Mai verspricht vieles - nicht nur gutes Wetter, sondern auch viel Kultur: Es locken Festivals, Feiertage und Jubiläen. Ein Ausblick auf die Höhepunkte des Monats, ausgewählt von der Kulturredaktion.

Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

57. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Deutscher Wettbewerb / Kinder- und Jugendfilmwettbewerb, Filmstill aus Vertical Distraction von Dennis Feser, Deutschland 2010 © Dennis Feser

Vier Minuten kurz: der Wettbewerbsbeitrag "Vertical Distraction" von Dennis Feser

Kennen Sie das? Sie gehen ins Kino, machen es sich in dem gemütlichen Plüschsessel bequem, vielleicht haben Sie noch eine Tüte Popcorn in der Hand, vielleicht auch ein Getränk, und warten darauf, in dem angekündigten Film zu versinken. Nun, bei den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen läuft das anders: Einige der Filme sind so kurz, dass man sich mit dem Versinken und dem Popcorn etwas beeilen muss – der kürzeste Film dauert 13 Sekunden! Der Kurzfilm gilt als Experimentierfeld der Filmbranche, dementsprechend groß ist die Vielfalt der eingereichten Arbeiten. Insgesamt werden vom 5. bis zum 10. Mai mehr als 470 Kurzfilme aus aller Welt gezeigt, 141 davon im Wettbewerb. Und das ist noch lange nicht alles im Mai: Anfang des Monats wartet Stuttgart mit seinem populären Trickfilmfestival (2.-8.5.), fast zeitgleich findet in München das Dokumentarfilmfestival "DOK.fest" (4.-11.5.) statt, und dann wären da auch noch die internationalen Filmfestspiele von Cannes (11.-22.5.). Das ist nicht in Deutschland, klar, aber die Frage, an wen die goldenen und silbernen Palmen gehen, wird auch hier für viel Aufmerksamkeit in den Medien sorgen.

125 Jahre Ku'damm - Auf und Ab einer berühmten Straße

Kurfürstendamm bei Nacht(Foto: dpa)

Wieder im Kommen: der Kurfürstendamm in Berlin

Einst war er die Prachtstraße Berlins: der Kurfürstendamm, allgemein bekannt als "Ku'damm". Hier trafen sich Künstler und Großbürgertum, man flanierte, ging ins Theater, ins Kino oder in eines der zahlreichen Cafés. Das war damals, in den 1920er Jahren, der Blütezeit des Boulevards. Doch dann kamen die Nationalsozialisten, der Zweite Weltkrieg und schließlich der Mauerbau. West-Berlin wurde zu einer Art Insel mitten im Ostblock, der Ku'damm zum "Schaufenster des Westens". Der nächste Umbruch kam 1989/90: Die Mauer fiel, Deutschland wurde vereinigt, und alles strömte nach Ost-Berlin: die Touristen, das Geld, die Szene. Der Osten war hipp, der Westen uninteressant. In der darauffolgenden Zeit verfiel der Ku'damm zusehends, Geschäfte und Häuser standen leer, das Erscheinungsbild wurde immer trister. Erst in den letzten Jahren zeigt sich eine Art Rückbesinnung. Es wird wieder investiert, der Ku'damm ist wieder im Kommen – pünktlich zu seinem 125. Geburtstag am 5. Mai. Das ist der Tag, an dem 1886 dort die erste Dampfstraßenbahn eingeweiht wurde. Als Vorbild dienten übrigens die Champs-Elysées in Paris: Die hatte Otto von Bismarck, damals Reichkanzler des Deutschen Reiches, vor Augen, als er den Ausbau der Straße veranlasste.

Theatertreffen - diesmal mit der freien Szene

Theatertreffen Berlin: She She Pop, Testament © Doro Tuch

Shakespeare ohne doppelten Boden: die freie Gruppe She She Pop mit "Testament"

In diesem Jahr ist alles anders – so schrieben die Zeitungen in Deutschland, als im Februar bekannt wurde, welche Stücke zum Theatertreffen nach Berlin (6.-22.5.) eingeladen werden. Jedes Jahr wählt eine Jury aus Theaterkritikern die zehn "bemerkenswertesten" deutschsprachigen Inszenierungen des Jahres aus. Die große Überraschung: Von den großen deutschen Bühnen ist diesmal nur Köln mit dabei. Häuser wie das Deutsche Theater Berlin, das Thalia Theater Hamburg oder auch die Kammerspiele München sind nicht eingeladen. Dafür aber drei Stücke aus der freien Theaterszene – womit die Jury dem Vorwurf entgegenwirken dürfte, die freien Theater nicht ausreichend zu berücksichtigen. Der kam nämlich in den letzen Jahren regelmäßig. Ebenfalls mit dabei ist eine Inszenierung von Christoph Schlingensief, der im August letzten Jahres gestorben ist – eine Ehrung posthum sozusagen. Fast zeitgleich, aber weit weg von Berlin, trifft sich im Mai eine Theaterszene, die es in Deutschland bisweilen etwas schwer hat: Im Raum Nürnberg/Erlangen findet in diesem Jahr wieder das Internationale Figurentheater Festival statt. Während das Spiel mit Puppen in Asien oder auch Afrika eine lange Tradition hat, müssen die Künstler in Deutschland häufig noch gegen den Ruf des netten Kinderspiels ankämpfen. Das Festival aber hat seine Fans: Zur letzten Ausgabe 2009 kamen rund 25.000 Besucher.

Erinnerung an Joseph Beuys

Unschlitt/Tallow (Wärmeskulptur auf Zeit hin angelegt), Münster 1977; Aufnahme während des Fertigungsprozesses; Foto © LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster/Rudolf Wakonigg; Joseph Beuys Archiv, Stiftung Museum Schloss Moyland

Beuys 1977 beim Fertigungsprozess von "Unschlitt/Tallow (Wärmeskulptur auf Zeit hin angelegt)"

Am 12. Mai wäre er 90 Jahre alt geworden: der weltweit bekannte Künstler Joseph Beuys. Nun sind solche runden Geburtstage stets ein guter Anlass für besonderes Gedenken, und so hat die Stiftung Museum Schloss Moyland, die das weltweit größte Beuys-Archiv beherbergt, eine eigene Fotoausstellung organisiert (3.4.-3.10.). Beuys gilt als einer der meist fotografierten deutschen Künstler. In dem Archiv, das als Institut an die Kunstakademie Düsseldorf angegliedert ist, lagern allein rund 7000 Fotos von ihm und seinen Werken. Gesammelt haben diese Archivalien Hans und Franz Joseph van der Grinten. Die Brüder waren seit den 1950er Jahren eng mit Beuys befreundet, und der Künstler selbst ließ ihnen im Laufe seines Lebens immer wieder Dokumente, Briefe, Presseartikel oder Aufnahmen zukommen. Die Fotos von seinen Aktionen sind großenteils bekannt. Zu sehen sind aber auch eine Reihe von weitaus weniger bekannten Porträtfotos, auf denen Beuys sich zum Teil selbst inszeniert und die den Besuchern ein Gefühl dafür vermitteln sollen, wie er damals auf die Menschen gewirkt hat.

Lena und der Eurovision Song Contest

Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest 2010 in Oslo (Foto: dpa)

Überraschungssiegerin: Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest 2010 in Oslo

Fast ein Jahr ist es her, da war ganz Deutschland im "Lena-Fieber": 2010 gewann die damals 19-jährige Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest, einen internationalen Musikwettbewerb, der seit über 50 Jahren Millionen von Zuschauern vor den Fernseher lockt. Deutschland gewann den Titel zum zweiten Mal, 28 Jahre nachdem dies der Sängerin Nicole mit ihrem Lied "Ein bisschen Frieden" gelungen war. Das Regelwerk besagt, dass das Siegerland den Wettbewerb des kommenden Jahres ausrichtet. Dieses Mal ist also Deutschland an der Reihe. Die Wahl fiel auf die Stadt Düsseldorf, wo derzeit das Stadion umgebaut wird, um den Anforderungen der Veranstalter gerecht zu werden. Karten für das Finale am 14. Mai gibt's allerdings nicht mehr, die 35.000 Tickets waren innerhalb von wenigen Stunden verkauft. Für Deutschland geht in diesem Jahr erneut Lena ins Rennen. Das wurde nicht demokratisch abgestimmt, sondern einfach entschieden. Ob sie es allerdings schafft, den Titel zu verteidigen – das halten viele für unwahrscheinlich.

Monat der Traditionen

Maibaum bunt flatternd im Wind (Foto: picture-alliance / Helga Lade))

Für die Liebste ...

Der Mai ist in Deutschland ein besonderer Monat. Nicht nur, weil es in der Regel endlich ein bisschen wärmer wird, sondern auch wegen seiner vielen Traditionen. Da wäre zum Einen der Tanz in den Mai, ursprünglich ein Dorffest mit Tanz und Musik, das in den katholischen Regionen Deutschlands schon seit Jahrhunderten gefeiert wird. Einst diente es den ansässigen Junggesellen dazu, ein passendes weibliches Gegenstück zu finden – lange vor den Zeiten des Internets und der Kontaktbörsen. Hatte man seine Liebste erobert, stellt man ihr eine bunt geschmückte Birke vors Haus, den sogenannten Maibaum. Der sollte sie erfreuen und zugleich ein Zeichen setzen für eventuelle Nebenbuhler. Solche Maibäume findet man auch heute noch, und das nicht nur auf dem Land, sondern auch in Großstädten wie Köln. Da werden die Bäume dann an Laternenpfählen, Balkongeländern oder Parkautoamten befestigt. Kurze Zeit später, jeweils am zweiten Sonntag im Mai, steht dann der Muttertag auf dem Programm. Seinen Ursprung hatte er in den USA, in Deutschland wird er seit 1923 gefeiert. Von den Nationalsozialisten, die das Bild der gebärenden und sich aufopfernden Mutter propagierten, missbraucht, wollte man den Muttertag später abschaffen - doch er überlebte, sehr zur Freude der Floristen, denn Blumen sind an dem Tag besonders gefragt.


Autorin: Petra Lambeck

Redaktion: Claudia Unseld

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