1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Der DW-Kulturkalender für Juni

Diesmal fiel uns die Auswahl besonders schwer – es gibt viel zu tun in diesem Monat: Berlin lockt mit der Biennale, Theatermacher aus aller Welt treffen sich im Ruhrgebiet, und auch der Fußball spielt eine Rolle...

200. Geburtstag von Robert Schumann

Briefmarke der Deutschen Post zum 200. Geburtstag von Robert Schumann (Gestaltung: Karen Scholz, Bad Essen, Motiv: Abbildung Robert Schumanns nach einer Lithografie von Eduard Kaiser, Wien 1847, Kat.-Nr. 261) © Robert-Schumann-Haus, Zwickau

Jubiläen nimmt auch die Deutsche Post gern als Anlass für Sonderbriefmarken

Robert Schumann ist einer der wichtigsten deutschen Komponisten, der schon zu Lebzeiten Erfolge in London und New York feierte. Das merkte auch seine Heimatstadt Zwickau und beeilte sich ihn dementsprechend zu würdigen. Das erste Schumann-Fest fand 1847 im Beisein des Komponisten und seiner Frau Clara statt. Er dirigierte im Gewandhaus seine C-Dur Sinfonie, sie trat als Solistin bei der Aufführung seines Klavierkonzerts auf. Neun Jahre später starb Robert Schumann, die Schumann-Feste aber sollte es weiterhin geben. Zunächst sehr unregelmäßig, seit 1960 dann jährlich. Anlässlich des 200. Geburtstages am 8. Juni hat die Stadt Zwickau in diesem Jahr besonders viel Geld in die Hand genommen. Vom 4. bis zum 12. Juni erwartet die Besucher ein dichtes Programm von Lesungen, Konzerten, Opern- und Ballettaufführungen. Erwartet werden Schumann-Fans aus ganz Deutschland, aber auch aus den USA und aus Japan. Außerdem hat sich die Tschaikowsky-Gesellschaft aus Moskau angekündigt – Schumann war ein großes Vorbild für seinen russischen Kollegen Peter Tschaikowsky.

Gerettete Schätze aus Afghanistan

Tafel in durchbrochenem Dekor, Frau mit Kind und weibliches Liebespaar, Begram, Areal II, Raum 13, Ensemble 34 (34, e.6), 1. Jh. n. Chr., Elfenbein, 13,8 x 24,7 cm, Kabul, Afghanisches Nationalmuseum (Foto: Thierry Ollivier/Musée Guimet)

Auf Reisen: Eine Elfenbein-Tafel aus Afghanistan aus dem ersten Jahrhundert nach Christus

Sie reisen um die Welt, weil es in ihrer Heimat zu unsicher ist – die Kunstschätze aus Afghanistan beziehungsweise was von ihnen noch übrig ist. 2001 stürmten die Taliban das Kabuler Nationalmuseum und zerstörten den größten Teil der Sammlung. Einige Stücke blieben dennoch erhalten, sie waren rechtzeitig weggebracht und versteckt worden. Das Museumsteam hüllte sich lange in Schweigen, erst 2003 wurde bekannt gegeben, dass einige der Schätze in den Depots der Zentralbank von Kabul lagerten. Sie wurden geborgen und so schnell wie möglich ins Ausland gebracht: ins Musée Guimet in Paris, wo die Objekte zunächst restauriert und Ende 2006 dann zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt wurden. Seitdem ist die Ausstellung auf Reisen. Von Paris ging es nach Turin und Amsterdam, danach in die USA und nach Kanada und jetzt nach Bonn. Bis zum 3. Oktober werden die geretteten Schätze dort zu sehen sein. Die nächste Station ist noch unklar – nach Hause kehren werden sie aber wohl vorerst nicht.

Kunst in Basel und Berlin

Goodman Gallery - William Kentridge & Greta Goiris: The Nose Ensemble Costume Maquettes, 2009 (Foto: Courtesy of Art Basel)

Zu sehen auf der Art Basel: The Nose Ensemble Costume Maquettes (William Kentridge, Greta Goiris)

Zum 41. Mal lockt die Art Basel (16. bis 20. Juni) Kunstinteressierte aus aller Welt in die Schweiz. Der Besucherandrang ist in der Regel groß, im letzten Jahr kamen mehr als 60.000 Menschen. Die Messe ist eine der wichtigsten Kunstmessen weltweit – auch wenn der Ort den einen oder anderen verwundern mag. Warum gerade Basel, eine kleine Stadt mit mittelalterlichem Kern und rund 190.000 Einwohnern? Zu verdanken ist dies unter anderem dem Galeristen und Kunstsammler Ernst Beyeler. Er war einer der Begründer der Messe und verfügte über die internationalen Kontakte, die es braucht, um eine solche Veranstaltung zu installieren. Im Gegensatz zur Kunstmesse in Köln, die zu Beginn ausschließlich deutsche Galerien zuließ, war die Art Basel von Anfang an international ausgerichtet. Viele der Kunstexperten legen auf dem Weg nach Basel auch noch einen Stopp in Berlin ein, dort beginnt am 10. Juni die 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst – inzwischen ebenfalls eine feste Größe im internationalen Kunstbetrieb. Bis zum 8. August zeigen dort unter der kuratorischen Leitung von Kathrin Rhomberg internationale Künstler ihren Blick auf die Gegenwart. Der Titel: "was draußen wartet".

c/o pop in Köln

Die Band Timid Tiger aus Köln (Foto: c/o pop über flickr)

Mit dabei auf der c/o pop: die Band 'Timid Tiger' aus Köln

Gegen Berlin ist nur schwer anzukommen – diese Erfahrung machte auch die Stadt Köln, als 2003 die Musikmesse Popkomm in die Hauptstadt abwanderte. Ein großes Loch aber hinterließ sie nicht, denn schon ein Jahr später etablierte sich in Köln die "c/o pop", ein Festival, das sich besonders auf die alternativen Spielarten der Popmusik wie Indie, Alternative, Electro konzentriert sowie auf die diversen Aspekte der Clubkultur. Vom 23. bis zum 28. Juni gibt es zahlreiche Konzerte an verschiedenen Orten in Köln, aus Deutschland mit dabei sind Größen wie DJ Shantel aus Frankfurt und die Hamburger Band "Die Sterne" sowie zahlreiche lokale Bands. Die Besucherzahlen lassen sich sehen, im letzten Jahr kamen rund 30.000 Menschen. Es geht bei der c/o pop aber nicht nur um Konzerte, man will auch Plattform und Kontaktbörse sein. Dazu dient unter anderem die "Europareise", ein Projekt, zu dem internationale Festival-Macher eingeladen sind, um die Popkultur ihres Landes vorzustellen oder auch die "C'n'B Convention", wo Vertreter der Kreativwirtschaft, vom Labelmanager bis zum Spieldesigner, über die verschiedensten Aspekte der Popkultur in der vernetzten Welt diskutieren.

Literaturtage in Klagenfurt

Die Preistraeger 2009 posieren in Klagenfurt (Foto: AP)

Ingesamt gibt es fünf Preise - den Ingeborg-Bachmann Preis erhielt 2009 Jens Petersen (Mitte)

Die Stadt Klagenfurt wird im Juni wieder Treffpunkt der deutschsprachigen Literaturszene. Vom 24. bis zum 26. Juni lesen 14 ausgewählte Autoren im Rahmen der "Tage der deutschsprachigen Literatur" um die Wette. Jeder von ihnen hat 25 Minuten Zeit, im Anschluss diskutiert eine siebenköpfige Jury den Text, der Autor sitzt dabei und muss schweigen. Das Ganze ist öffentlich und wird live übertragen im Fernsehen. Ermittelt werden soll in den drei Tagen der Sieger des Ingeborg-Bachmann-Preises, eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen des deutschsprachigen Raums. Neben viel Ehre und medialer Aufmerksamkeit gibt es auch noch eine beachtliche Summe Geld: Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Gegründet wurden die Literaturtage Ende der siebziger Jahre nach dem Vorbild der Gruppe 47, eine Vereinigung von Autoren der Nachkriegszeit, die sich gegenseitig Texte vorlasen und kritisierten. Auch Ingeborg Bachmann – geboren in Klagenfurt – gehörte der Autorenvereinigung an. 1953 bekam sie den Preis der Gruppe 47, eine Auszeichnung, die ihren Anfang als Schriftstellerin geprägt hat. Eben solches möchte heute der Ingeborg-Bachmann-Preis leisten.

Filmfest München

Foyer Carl-Orff-Saal im Gasteig München (Foto: Gasteig München GmbH / Ralph Buchner, Carola Amschler)

Wenn Filmfest ist, dann wird's hier voll: das Kulturzentrum Gasteig in München

Eigentlich sollte es ein Schickimicki-Festival werden, das der Großstadt München zu ein bisschen mehr Glanz und Glamour verhelfen sollte – das zumindest war die Idee eines Münchener Oberbürgermeisters und eines Modemachers in den 1970er Jahren. Die Filmbranche reagierte mäßig begeistert, der Ansatz stimmte einfach nicht. Anfang der 1980er Jahre nahm mit Eberhard Hauff ein Mann der Filmbranche selbst das Heft in die Hand. 1983 wurde das Filmfest München aus der Taufe gehoben, das heute das zweitgrößte Filmfestival Deutschlands ist. Vom 25. Juni bis zum 3. Juli werden rund 200 Filme gezeigt, allesamt Deutschlandpremieren, viele in Anwesenheit der Regisseure. Denn um die soll es in München vornehmlich gehen. Im Unterschied zur Berlinale gibt es keinen zentralen Wettbewerb, Preise werden allerdings trotzdem verliehen. Unter anderem der "Förderpreis Deutscher Film", eine Auszeichnung für Nachwuchsfilmemacher, die mit insgesamt 60.000 Euro dotiert ist. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf Indien. Dort entsteht nach vier Jahrzehnten Bollywood-Produktionen seit kurzem ein neues indisches Kino mit stetig wachsendem Publikum, darunter vor allem die westlich orientierte Mittelschicht des Landes.

"Theater der Welt" im Ruhrgebiet

FaiFai (Tokio): MY NAME IS I LOVE YOU, Pop-Liebesgeschichte aus der Zukunft (Foto: Kazuya Kato)

Kommen extra aus Tokio: die Gruppe FaiFai mit ihrem Stück 'My Name Is I Love You'

Das Ruhrgebiet steht als Kulturhauptstadt 2010 in diesem Jahr besonders im Fokus des kulturellen Lebens in Deutschland. Zu Gast in Essen und Mülheim an der Ruhr ist diesmal auch das "Theater der Welt" – ein internationales Theaterfestival, das alle zwei bis drei Jahre in verschiedenen deutschen Städten stattfindet. Vom 30. Juni bis zum 17. Juli präsentiert das Festival 32 internationale Produktionen aus Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika und Ozeanien. Für die Auswahl der Künstler reiste die Direktorin des Festivals 2010 – Frie Leysen aus Belgien - um die ganze Welt. Ein vorgegebenes Thema gibt es nicht, die Künstler werden vielmehr dazu aufgefordert, das mitzubringen, was sie zeigen möchten, vieles entsteht extra für das Festival. In diesem Jahr sind 11 Premieren dabei, darunter nicht nur reine Theaterproduktionen, auch Tanz, Musik oder Performances haben ihren Platz. Preise werden beim "Theater der Welt" nicht verliehen, es soll nicht um Wettbewerb gehen, sondern um Austausch und Präsentation der verschiedenen Perspektiven auf unsere Wirklichkeit. Bespielt werden dabei nicht nur klassische Theaterräume, sondern auch Industriebauten, eine Fabrikantenvilla und die Essener Innenstadt.

Singen im Fußballstadion

Veltins-Arena in Gelsenkirchen (Foto: dpa)

!SING - Day of Song: Auf dem Fußballrasen werden dann ein paar mehr Menschen stehen...

Lauter Gesang wird am 5. Juni aus dem Fußballstadion in Gelsenkirchen ertönen. Das ist an sich vielleicht nichts Ungewöhnliches und angesichts der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft sollte man sich auch in Deutschland rechtzeitig auf singende Menschen in den Straßen einstellen. Doch an diesem Tag geht es ausnahmsweise mal nicht um Fußball. Das Stadion dient lediglich als Kulisse für ein riesiges Chorkonzert. Rund 8000 Sänger werden auf dem Spielfeld stehen, um Volkslieder, Opern und Popsongs anzustimmen. Sie werden unterstützt von Profimusikern wie dem US-Amerikaner Bobby Mc Ferrin und der Operndiva Vesselina Kasarova. Das Publikum ist ausdrücklich eingeladen mitzusingen – wer vorher üben will, der kann sich im Vorfeld das Liederbuch besorgen. Das Konzert ist der Abschluss eines musikalischen Wochenendes im Ruhrgebiet. !Sing lautet der Titel des Großprojekt, das eines der Höhepunkte im Kulturhauptstadtjahr 2010 ist. Von morgen bis abends wird gesungen, auf dem Schiff, im Shoppingcenter oder auf Straße und wenn's geht auch bitte mal gleichzeitig. Kirchenglocken geben am 5. Juni um 12:10 Uhr den Auftakt zu dem Lied "Komm zur Ruhr" von Herbert Grönemeyer – parallel in allen Städten des Ruhrgebiets.

Autorin: Petra Lambeck
Redaktion: Ramón García-Ziemsen

WWW-Links