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Bücher

Der Dschungelbuch-Autor: Rudyard Kipling

Seine Figuren Mogli und Balu sind weltbekannt. Aber Rudyard Kipling hat viel mehr geschrieben und dafür den Literaturnobelpreis erhalten. Heute vor 150 Jahren wurde der nicht unumstrittene Autor geboren.

Bis heute begeistern seine Kindergeschichten und exotischen Dschungelabenteuer nicht nur junge Leser auf der ganzen Welt. Hollywood-Schauspieler #link:http://www.roofmusic.de/de/index.php?area=tacheles&content=productdetail&id=904:Christoph Waltz hat bei dem deutschen Hörbuch-Label tacheles!# eine von Rudyard Kiplings berühmten "Genau-So-Geschichten" eingesprochen: "Wie das Kamel seinen Höcker kriegte", ein Erfolgstitel für den kleinen Verlag. Kipling gehörte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts zu den beliebtesten englischsprachigen Schriftstellern.

Aber die Biografie des Briten hat - nicht nur aus heutiger Sicht - auch ihre Schattenseiten: vehement trat er als Verteidiger der britischen Kolonialherrschaft auf und schwang sich zum "Hüter des imperialen Feuers" empor. Das empörte auch schon Autorenkollegen im 19. wie im 20. Jahrhundert. Schriftsteller wie der Argentinier Jorge Luis Borges warfen Kipling vor, er habe als "ein Barde des britischen Empires" die koloniale Ausbeutung verherrlicht. Vor allem sein heroisierendes Gedicht "Die Bürde des Weißen Mannes" ("The White Man's Burden") von 1899 wurde u.a. von Mark Twain scharf kritisiert. Die USA hatten gerade zuvor Kuba und die Philippinen erobert, damit Spanien als Kolonialmacht abgelöst und Kipling nannte das in seinem Gedicht einen legitimen "Friedenskrieg".

Errol Flynn in Kim

Erfolgreiche Hollywood-Verfilmung des Romans "Kim", mit Errol Flynn (re)

George Orwell beschimpfte ihn 1942 in einem Essay sogar als moralisch unempfindlichen "Hurra-Patrioten". Trotzdem zählte Rudyard Kiplings Roman "Kim" (1901) zu den Lieblingsbüchern des ersten indischen Ministerpräsidenten Indiens, Jawaharlal Nehru. 1950 wurde der Roman mit Errol Flynn in der Hauptrolle verfilmt.

Ein Leben in innerer Zerrissenheit

Geboren wurde Rudyard Kipling am 30. Dezember 1865 im damaligen Bombay. Indien war seine Heimat als Kind, dort fühlte er sich mehr zu Hause als später in England. Sein Vater war Lehrer an der dortigen Kunstschule. Seine Eltern hatten wenig Zeit und Interesse an ihrem Sohn. Aufgezogen wurde er von einer portugiesischen Nanny und den indischen Bediensteten, Englisch empfand er als Kind als Fremdsprache. Im Alter von sechs Jahren wurde er zu Pflegeeltern nach England verfrachtet, um dort eine gute Schulausbildung zu erhalten, wie sein Vater es wünschte.

Rudyard Kipling als junger Mann

Ehrgeizig und weltoffen: Rudyard Kipling als junger Mann

1877 kam auch die Mutter nach England. Ein Jahr später wurde der Junge zur Militärschule, dem United Services College, zugelassen, aber auch dort waren Zucht und militärische Ordnung an der Tagesordnung. Einige seiner Erzählungen gehen auf diese Zeit zurück. Kipling war todunglücklich in England, 1882 konnte er endlich nach Indien zurückreisen.

Literarische Anfänge bei der Lokalzeitung

Sein Vater, inzwischen einflussreicher Direktor des Museums in Lahore/Pakistan, besorgte seinem Sohn eine Beschäftigung bei einer indischen Lokalzeitung. Kipling notierte in sein Tagebuch: "Nun, mit 16 Jahren und neun Monaten, aber vier oder fünf Jahre älter aussehend und mit einem Schnurrbart, den die entsetzte Mutter binnen einer Stunde entfernte, befand ich mich wieder in Bombay, wo ich geboren war."

Schon nach kurzer Zeit sprach er fließend Hindi und Urdu und begann nebenher Kurzgeschichten und Gedichte zu schreiben. Seine Anstellung als Redakteur ermöglichte ihm ausgedehnte Reisen quer durch den indischen Subkontinent. Ab 1880 arbeitete er als Korrespondent des "Pioneer", gleichzeitig hatten seine ersten Bücher Erfolg. Auch seine berühmte Erzählung "Der Mann, der König sein wollte" ("The Man Who would Be King"), 1975 mit Sean Connery und Michael Caine verfilmt, entstand in dieser Zeit.

Erfinder des "Dschungelbuchs"

1889 kehrte Kipling nach London zurück, dem literarischen und kulturellen Zentrum des damaligen britischen Empires. Als Mitglied der Freimaurerloge wurde er schnell in zahlreiche Clubs aufgenommen. Zu seinen literarischen Freunden zählte auch der Schriftsteller Henry James. Kiplings erster Roman "Das fahle Licht" ("The Light that failed") entstand 1890.

Nach seiner Heirat 1892 lebte Kipling mit seiner Frau Caroline Balastier vier Jahre in den Vereinigten Staaten. Hier begann er für seine eigenen Kinder Geschichten zu schreiben, u.a. auch das "Dschungelbuch" ("The Jungle Book"), das ihn später weltweit bekannt machen sollte. Kipling liebte Kinder. 1895 folgte "The Second Jungle Book" und andere Tiergeschichten ("Wie der Leopard zu seinen Flecken kam").

Großbritanien Rudyard Kipling

Der Schriftsteller Rudyard Kipling 1923 in England.

Ein Familienstreit zwang Rudyard Kipling, die USA zu verlassen und mit seiner Familie zurück nach England zu gehen. Abenteuerromane entstanden dann, Seefahrtsgeschichten und auch immer wieder ideologisch fragwürdige Schriften, die an keiner Stelle die koloniale Vorherrschaft des Britischen Empires und ihre imperialistische Mission anzweifeln.

Dennoch sei Kipling auf seine Art weltoffen gewesen, seine Lebensgeschichte spiegele auch die Brüche und Widersprüche seiner Epoche wieder, so Stefan Welz, der eine aktuelle Kipling-Biografie geschrieben hat. Mit der Art seines Erzählens habe er deshalb auch Menschen aus unterschiedlichen Kulturen erreicht.

Lebensumbruch durch den 1. Weltkrieg

Die Krönung seines literarischen Schaffens und größtmögliche Anerkennung war die Verleihung des Literaturnobelpreises 1907. Rudyard Kipling war der erste Brite, der diese hohe Auszeichnung erhielt. In der nachfolgenden Zeit unternahm er ausgedehnte Reisen nach Südafrika und freundete sich dort mit dem Briten Cecil Rhodes an. Aber der Ausbruch des Ersten Weltkrieg veränderte sein Leben schlagartig. Sein Sohn, dem er mit einer Fälschung des Geburtsdatums den Militärdienst ermöglicht hatte, fiel an der Front. Kipling trug schwer an der Schuld, sein Optimismus der frühen Jahre wurde - auch in seiner Literatur - von einer düsteren Grundstimmung verdrängt.

Historisches Foto von Rudyard Kipling in der Ausstellung Missing sons in Bonn

Ausstellung "Missing Sons" in Bonn: Rudyard Kipling und seine Frau Caroline verloren ihren Sohn im 1. Weltkrieg.

An seine literarischen Erfolge konnte Rudyard Kipling nicht mehr anknüpfen. Er starb 1936 im Alter von 70 Jahren an einer Gehirnblutung. Seine Asche wurde in der Kathedrale Westminster Abbey beigesetzt – direkt neben den Gräbern der Schriftsteller Charles Dickens und Thomas Hardy.

Seine Kinderbücher und Kurzgeschichten sind heute noch lebendig und beliebt. Der Roman "Kim" kam gerade neu übersetzt heraus. Und im Frühjahr 2016 bringt der amerikanische Medienkonzern Disney eine Neuverfilmung des Kinoklassikers "Dschungelbuch" (1967) ins Kino - mit der entsprechenden Merchandising-Kampagne. Dann werden Mogli, der Bär Balu, Panther Bagheera und Shirkan der Tiger wieder die Kinderzimmer bevölkern.

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