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Sport

Der Dominator siegt erneut

Vincenzo Nibali setzt das nächste Ausrufezeichen: Auf dem Weg zum Toursieg gewinnt der Italiener in Hautacam seine vierte Etappe. Am Berg eine Klasse für sich, muss er nun nur noch das Zeitfahren überstehen.

Flüssiger Tritt, elegant im Sattel sitzend und ohne jede Regung im Gesicht - Vincenzo Nibali bei der Arbeit zuzusehen, ist eine Freude für Ästheten. Der Führende der Tour de France wirkt auch in den steilsten Passagen der Pyrenäen-Anstiege locker und scheinbar mühelos. Seine ganze Kraft entwickelt dieses Bild erst, wenn die Kamera nach hinten auf seine Konkurrenten schwenkt: Bei Jean-Christophe Péraud (AG2R) tropft der Schweiß in Strömen vom vor Anstrengung verkniffenen Gesicht, Thibaut Pinot (FDJ.fr) wippt unrythmisch im Sattel hin und her und Alejandro Valverdes (Movistar) Blick wirkt leer und schwer gezeichnet. Auch ohne die Zeitabstände zu kennen, verraten alleine die Bilder schon die Kräfteverhältnisse dieser Tour de France.

An denen änderte sich auch auf der 18. Etappe von Pau hinauf zur Pyrenäen-Skistation Hautacam nichts. Vincenzo Nibali dominiert diese Tour weiter nach Belieben und feierte auf 1520 Metern Höhe seinen vierten Tageserfolg. Der 29-jährige Italiener aus dem Astana-Rennstall gewann die letzte Bergetappe dieser Tour de France nach 145,5 Kilometern als Solist. Fehlerlos und auf allen Terrains bisher stärker als seine Konkurrenten trennen Nibali jetzt nur noch 400 Kilometer vom größten Triumph seiner Karriere.

Nibali will im Zeitfahren "richtig Gas zu geben" - nötig hat er es nicht

Denn sein Vorsprung ist bereits gewaltig: Im Gesamtklassement führt der gebürtige Sizilianer nun schon mit mehr als sieben Minuten vor dem französischen Duo Thibaut Pinot und Jean-Christophe Péraud. "Ja natürlich ist das eine große Lücke", kommentierte Nibali nach seinem vierten Tageserfolg den Abstand zur Konkurrenz. "Ich fühle mich jetzt relativ sicher in meiner Position. Aber ich werde beim Zeitfahren noch einmal richtig Gas geben."

Tour de France 18. Etappe: Fahrer am Tourmalet (Foto: reuters)

Ein Berg, der längst ein Mythos ist: Der 2115 Meter hohe Col du Tourmalet stellte sich den Fahrern in den Weg

Die Prüfung gegen die Uhr am Samstag von Bergerac nach Périgueux wird die letzte Herausforderung für den Träger des Gelben Trikots, den allerdings nur noch ein Sturz vom Toursieg abhalten kann.

Spannender Kampf um das Podium

Dahinter wird es jedoch noch richtig spannend. Mit einer erneut starken Leistung auf der letzten Bergetappe schob sich der Franzose Thibaut Pinot vor auf Rang zwei. Dort hat er aber nur 13 Sekunden Vorsprung auf seinen Landsmann Jean-Christophe Péraud, der der deutlich stärkere Zeitfahrer ist. Der ehemalige Mountainbiker aus dem Team von AG2R ist also der erste Anwärter auf den Platz hinter Vincenzo Nibali, auch weil Alejandro Valverde in der dritten Tour-Woche mit einer nachlassenden Form zu kämpfen hat. Der erfahrene Spanier verlor hinauf nach Hautacam Zeit auf seine Konkurrenten und rutschte von Platz zwei auf vier ab, wo er mit winzigen zwei Sekunden Rückstand auf Péraud rangiert.

Letzterer klappte im Zielbereich vor Erschöpfung regelrecht zusammen. Auch nachdem ihn seinen Betreuer versorgt hatten, konnte er zum Interview nicht mehr aufstehen. "Ich habe heute richtig gelitten", berichtete er auf dem Asphalt hockend den Journalisten, "Ich hätte heute alles verlieren können. Ich war am Ende meiner Kräfte." Sein leerer Blick verriet, dass er damit nicht übertrieb. Die Tour fordert große Opfer von ihren Protagonisten - nur einer lächelte derweil vom Siegerpodest in die Menge, als wäre nichts gewesen: Vincenzo Nibali.

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