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Autoindustrie

"Der Diesel ist nicht mehr zu retten"

Nach diversen Skandalen um die deutschen Autobauer und eine Woche vor dem sogenannten Diesel-Gipfel in Berlin, formuliert der Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer klare Forderungen an Politik und Industrie.

DW: Geschönte Verbrauchswerte bei Neuwagen, Betrug bei der Abgasmessung und jetzt der Verdacht der Kartellbildung: Erleben wir gerade den Anfang von Ende einer deutschen Schlüsselindustrie?

Ferdinand Dudenhöffer: Es sieht so aus, als würde sich die deutsche Automobilindustrie derzeit selbst zerfleischen. Seit zwei Jahren gibt es fast wöchentlich Negativmeldungen: Razzien von Staatsanwaltschaften bei Porsche, bei Mercedes, bei Audi, bei VW. Dieselabgase, die es den Autofahrern möglicherweise nicht mehr erlauben, durch Städte zu fahren. Gesetze sind löchrig gemacht worden, es wird gemogelt. Es sieht sehr schlecht aus.

Die deutsche Automobilindustrie muss schnell umsteuern. Dazu kann der Dieselgipfel nächste Woche helfen. Aber nur dann, wenn er ein wirklicher Gipfel ist und man jetzt keine Reparaturlösungen für Dieselfahrzeuge macht, mit neuen Software-Updates, sondern in die Zukunft geht. Wie es zum Beispiel England mitgeteilt hat, so wie es Frankreich will, dass man den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor ankündigt, dass man den Ausstieg aus dem Diesel ankündigt, denn der Diesel ist nicht mehr zu retten. Er belastet die Industrie, statt die Industrie zu unterstützen.

Prof. Dr. Ferdinand Dudenhoeffer, Director CAR Center Automotive Research (picture-alliance/dpa)

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

In absehbarer Zukunft sollen in Großbritannien keine Autos mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden. Was halten Sie generell von solchen dirigistischen Maßnahmen?

Es ist richtig und gut, dass die Politik langfristig die richtigen Signale setzt. 2040: Das sind mehr als zwanzig Jahre. Da kann man den Umstieg machen, da kann man den Umstieg vernünftig machen. Es ist besser, als wenn man hektisch agiert.

Wir müssen aus der CO2-verursachenden Mobilität aussteigen und in die CO2-freie Mobilität gehen, wir müssen unsere Städte lebenswerter machen - dazu brauchen wir das Elektroauto. Deshalb ist es gut, dass man heute schon sagt, wann man aussteigt und nicht so tut, als würde der Diesel bis zum St.-Nimmerleinstag anhalten.

Audio anhören 04:55

Interview mit Ferdinand Dudenhöffer

Dieses 'eine-Million-E-Autos-bis-2020-Ziel' der Kanzlerin ist ja offenbar schon jetzt gescheitert. Sind denn, mit Blick auf den Dieselgipfel in der nächsten Woche, solche Maßnahmen ein Modell für Deutschland?

Es wäre ein großes Modell, wenn der Gipfel in der nächsten Woche ein ehrlicher Gipfel ist. Aber so, wie es aussieht, wird es ein Reparaturgipfel sein, bei dem man sich durchmogelt. Bei dem man versucht, Durchfahrtsverbote in den Städten dadurch zu verhindern, dass man ein bisschen an der Software dreht. Und dieses Software-Drehen wird kostenlos sein.

Die Bundeskanzlerin will eine ruhige Bundestagswahl, das ist das Hauptziel von dem Gipfel. Deshalb ist das ein Gipfel, der rückwärtsgewandt ist, ein Gipfel der Vergangenheit.

Ein Gipfel für die Zukunft wäre ein Gipfel, bei dem man mitteilt, dass man aus dem Diesel aussteigt. Dass man Dieselsubventionen beim Kraftstoff nicht mehr in die Zukunft trägt, sondern dass man den Diesel bei Kfz-Steuern und bei Kraftstoff genau so besteuert wie den Benziner. Dass man das Geld nimmt, um die Ladeinfrastruktur aufzubauen. Dass man der Industrie ein klares Signal gibt, ab wann nur noch Elektroautos zugelassen werden, wie in Norwegen, Frankreich und England.

Aber wäre es nicht Zeit, über andere Mobilitätskonzepte nachzudenken: Im ÖPNV, im Fernverkehr auf der Schiene, über neue Vernetzungen verschiedener Verkehrsträger?

Das wird ja gemacht. Die Verkehrsträger vernetzen sich ja schon so ein Stückchen. Aber diese alte Geschichte 'von der Straße auf die Schiene' zum Beispiel mit dem Lastverkehr, die erzählt man schon 50 Jahre. Aber 50 Jahre Geschichten erzählen hilft uns nicht weiter.

Wir gehen neben der Elektromobilität in das Zeitalter der autonomen und teilautonomen Fahrzeuge. Und dabei sind Vernetzungen unendlich leicht, unendlich einfach. Der Fahrzeugbesitz wird in der Zukunft nicht mehr diese Rolle spielen. Fahrzeuge, die automatisch bei einem vorfahren wie Taxen, die aber deutlich preisgünstiger sind: Die sind ein Zukunftsmodell. Und die sind mit Bussen und Bahnen vernetzt zu 100 Prozent.

Aber dazu muss die Bahn und die Busunternehmen auch ein bisschen mehr in die Zukunft denken. Bei der Bahn hat man heute Angst, wenn man von einem Zug auf den anderen umsteigen muss, dass das nicht klappt, weil die Türen nicht aufgehen; dass Verspätungen vorkommen, wenn es ein paar Tage regnet und die Gleise unterspült sind. Also: Die Bahn muss stabiler werden, dann kriegen wir das hin!

Professor Dr. Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor von CAR, Center Automotive Research, an der Universität Duisburg-Essen. 

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