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Aktuell Deutschland

Der Deutschen Herz bleibt groß

Trotz Finanz- oder Eurokrise: Die Bundesbürger greifen weiter beherzt in die private Geldbörse, wenn auf der Welt Menschen unverschuldet in große Not geraten. Langfristige Hilfsprojekte haben es dagegen schwerer.

Nach den neuen Zahlen des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) flossen im Jahr 2011 rund sechs Milliarden Euro aus deutschen Privatschatullen weltweit in Hilfsprojekte. "Die Spendenbereitschaft ist sehr stabil. Negative Auswirkungen der Finanzkrise sind nicht zu beobachten", sagte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke zum Internationalen Tag der humanitären Hilfe an diesem Sonntag. Die Ergebnisse würden Ende August im Spendenalmanach 2012 veröffentlicht.

"Eine erfreulich große Summe"

Für das erste Halbjahr 2011 war das DZI im Dezember auch noch von einem spürbaren Spendenschwund ausgegangen. Das habe sich für das Gesamtjahr aber nicht bestätigt, sagte Wilke. Insgesamt seien nur rund 100 Millionen Euro weniger gespendet worden als 2010. Das liege auch daran, dass die Deutschen damals für die Erdbebenopfer von Haiti (230 Millionen Euro) und die Flutopfer in Pakistan (200 Millionen Euro) etwas tiefer in die Tasche gegriffen hätten. Im vergangenen Jahr überwiesen die Deutschen nach dem Tsunami in Japan privat 72 Millionen Euro. Für die Hungerkatastrophe in Ostafrika kamen 193 Millionen Euro zusammen. "Das ist eine erfreulich große Summe", sagte Wilke.

Den einzigen spürbaren Spendenrückgang habe es mit rund 5,3 Milliarden Euro im Jahr 2009 gegeben. "Experten haben das mit der schockartig eingetretenen Weltfinanzkrise in Zusammenhang gebracht", sagte Wilke. In Deutschland sei daraus aber kein nachhaltiger Effekt entstanden. Ohne die Sondereffekte aus den großen Katastrophen-Spendenkampagnen sei im Vergleich zu 2011 sogar ein Plus von bis zu einem Prozent zu verzeichnen.

Flughafenmitarbeiter beladen in Köln/Bonn eine Frachtmaschine mit Kindernahrung von Care für Darfur (Foto: picture-alliance/dpa)

Beladung einer Frachtmaschine mit Care-Paketen für Darfur auf dem Köln-Bonner Flughafen

86 Helfer bei ihrer Arbeit getötet 

Die Hilfsorganisation Care gießt allerdings etwas Wasser in den Wein. Sie beklagt nämlich, dass Helfer durch weniger Spenden ihre Projekte nicht ausweiten könnten. Vor allem Aufrufe zur Unterstützung langfristiger humanitärer Projekte bekämen zu wenig Resonanz, sagte Care-Präsident Heribert Scharrenbroich. "Für die Nahrungskrise im Sahel, wo 18 Millionen Menschen hungern, fehlen derzeit etwa 650 Millionen Euro", sagte er. Eine derartige Unterfinanzierung der Nothilfe sei ein neuer trauriger Rekord.

Angesichts des Welttages der humanitären Hilfe nannte die Einrichtung Aid Worker Security Database (AWSD) auch die aktuellen Opferzahlen. Demnach wurden im vergangenen Jahr weltweit 86 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bei Einsätzen in Konfliktregionen getötet. Weitere 127 Helfer erlitten Verletzungen, 83 wurden entführt. Etwa ein Drittel der weltweit 151 Übergriffe ereignete sich in Afghanistan.Um auf die gefährliche Arbeit der Helfer in Krisengebieten hinzuweisen, initiierte die UN-Generalversammlung 2008 den Welttag. Der Termin erinnert an die Bombenanschläge auf den UN-Sitz in Bagdad am 19. August 2003. Dabei waren 22 Menschen getötet worden, darunter auch der UN-Menschenrechtskommissar Sergio Vieira de Mello.

sti/haz (dpa)