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Sport

Der deutsche Weg im Anti-Dopingkampf

Deutschland gilt international als Musterbeispiel der Dopingbekämpfung, auch wegen des breiten Rückhalts in der Bevölkerung. Nun hat die Nationale Anti-Doping-Agentur eine neue Führung, und die steckt sich hohe Ziele.

Forscher hält Urinproben in die Kamera. (Foto: AP)

Die NADA will zukünftig alle Wettkampfkontrollen machen

Vielleicht ist es die eigene Geschichte, die die Deutschen so sensibel für das Thema Doping gemacht hat. Das menschenverachtende Doping-System der DDR, das auch Hormon-Doping an Minderjährigen umfasste, war die eine Seite. Die andere sind die jüngsten Erkenntnisse aus einer Doping-Studie der Universitäten Berlin und Münster. Demnach gab es auch in Westdeutschland vor der Wiedervereinigung eine "staatlich subventionierte Dopingforschung", was viele Experten ohnehin nicht mehr wunderte. Und dann waren da ja auch noch die Skandale der jüngeren Vergangenheit, wie der des systematischen Dopings im ehemaligen Radteam Telekom – unterstützt von der Uniklinik Freiburg.

Der NADA-Sitz in Bonn. (Foto: dpa)

NADA in Bonn: Fast 9.000 Dopingkontrollen im Jahr

Deutschland musste also die bittere Erfahrung machen, dass hinter dem Strahlen der gefeierten Sieger in einigen Fällen in Wahrheit Manipulation steckte. Diese Erfahrung erklärt, warum die Öffentlichkeit hierzulande anders mit Skandalen umgeht als beispielsweise in Spanien oder Italien. Das Publikum in Deutschland ist kritischer geworden, ebenso wie viele Sportjournalisten. Und so kommt es inzwischen vor, dass ein belgischer Radprofi deutschen Medien kein Interview mehr gibt, weil diese zu kritisch seien. Nicht zuletzt wird auch der Anti-Doping-Kampf hier weit schärfer geführt als in vielen anderen Nationen.

NADA ist "fast schon ein Exportschlager"

Deshalb bekommt die deutsche Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) vom Weltverband WADA viel Lob und wird als Modell im Anti-Doping-Kampf bezeichnet. "Fast schon ein Exportschlager" sei die deutsche NADA, meint deren neue Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann, da man häufig die Referenz im Anti-Doping-Kampf sei. Sie ist erst seit wenigen Wochen im Amt und soll endlich für personelle Stabilität bei der NADA sorgen, die seit 2007 vier Geschäftsführer verschliss. Interne Querelen und die Rede von Intrigen gegen einzelne Mitarbeiter hatten der inhaltlich guten Arbeit der NADA zuletzt Schaden zugefügt. Das soll sich nun ändern.

Andrea Gotzmann, die neue Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) Foto: DPA

Neu im Amt: Andrea Gotzmann, NADA-Chefin mit hohen Zielen

"Ich gucke jetzt nach vorne und werfe nicht den Blick nach hinten. Ich möchte hier neu starten und gemeinsam mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat Dinge bewegen. Ich lasse mir nicht Bange machen", sagte Gotzmann, die die idealen Vorraussetzungen für den Job mitbringt: Sie war selbst Leistungssportlerin, bestritt 103 Länderspiele für die Basketball-Nationalmannschaft, studierte anschließend Sport und Biochemie und arbeitete für das renommierte Kölner Dopinglabor. Sie will neben den Kontrollen vor allem die Prävention stärken. Es sei wichtig, "dass wir alle Beteiligten ansprechen: den Athleten, sein Umfeld, Trainer, Betreuer, medizinisches Personal. Aber gleichzeitig wollen wir auch schon früher ansetzen, bei den Nachwuchsathleten und auch bei deren Eltern und Lehrern."

Task Force soll mit Behörden kooperieren

Ein zweites Ziel der neuen NADA-Führung ist die bessere Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden. Künftig sollen Staatsanwaltschaften, Polizei, Bundeskriminalamt, Zoll und auch die Doping-Labore enger mit der NADA kooperieren, die dafür eine Task Force aus Sportwissenschaftlern, Juristen und Medizinern gebildet hat. "Wir stellen uns schon vor, dass Hinweise, die wir aus dem Bereich der Dopingkontrollen erhalten, sowie anonyme Hinweise einen Anfangsverdacht begründen, der dann durch die Doping Task Force ergriffen und weiterverfolgt wird", erklärt NADA-Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer.

Ein Mann geht gegen Spielende mit einer Weste mit der Aufschrift Doping Kontrolle an der Seitenlinie entlang. (Foto: dpa)

Fraglich: Die meisten Verbände kontrollieren sich selbst

Die Zusammenarbeit ist deshalb so wichtig, weil die Dopingbekämpfung in Deutschland juristische Grenzen hat: Es gibt kein richtiges Anti-Doping-Gesetz. Als Notbehelf muss weiter das Arzneimittel-Gesetz herhalten, das unter anderem die Weitergabe und den Besitz größerer Mengen bestimmter Mittel verbietet. Erst wenn es hier einen begründeten Verdacht gibt, können effektive Methoden wie Hausdurchsuchungen, Lauschangriffe oder Verhöre angewendet werden. Trotz des fehlenden Anti-Doping-Gesetzes sieht Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), den Kampf gegen Doping auf einem guten Weg. "Die Analytik hat sich weiterentwickelt und überdies bleibt es dabei, dass alle Proben acht Jahre lang eingefroren werden und dann in dieser Zeit weiterentwickelte Methoden zum Einsatz kommen können." Dies stelle ein hohes Risiko für Doper dar, so Vesper. "Deswegen glaube ich, dass die Schwelle zum Doping schon höher geworden ist."

Etat von 12,9 Millionen Euro soll wachsen

Knapp 9.000 Doping-Kontrollen hat die NADA 2010 durchgeführt und es sollen mehr werden: Sukzessive will sie die Wettkampfkontrollen übernehmen, die meist noch von den Sportverbänden selbst vorgenommen werden. Experten kritisieren diese Selbstkontrolle seit langem. Um diesen Mehraufwand stemmen zu können, muss die NADA aber finanziell besser ausgestattet werden, fordert die SPD-Bundestagsfraktion, die weitere Mittel beantragt hat. Derzeit beträgt das Budget der NADA rund 12,9 Millionen Euro. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) kündigte an, dass sich die Bundesländer stärker an der NADA-Finanzierung beteiligen sollen.

Ebenfalls ausbauen will die Bonner Stiftung ihre Arbeit mit dem sogenannten Blutpass, ein individuelles Blutprofil des Sportlers, der nun nach und nach für alle Sportarten eingeführt wird. Auch deswegen ist man bei der NADA selbstbewusster geworden, wie NADA-Aufsichtsratmitglied Michael Vesper unterstrich: "Ich behaupte, der Abstand zwischen denen, die dopen und denen, die Doping verfolgen, ist sehr viel geringer geworden."

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Arnulf Boettcher