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Alltagsdeutsch – Podcast

Der Deutsche und sein Haustier

Sie gelten als der beste Freund des Menschen: die Haustiere. In der Beliebtheitsskala der Deutschen stehen Katzen und Hunde ganz oben. Manchmal stellen sie die Nerven von Herrchen oder Frauchen aber auf eine harte Probe.

Musik:

Reinhard Mey: "Es gibt Tage, da wünscht' ich, ich wär' mein Hund"

"… Es gibt Tage, da wüscht' ich ich wär' mein Hund
Ich läg faul auf meinem Kissen und ..."

O-Ton Nicky:

"Sally ist jetzt zehn Jahre alt und wir sind wirklich wie zusammengewachsen. Sie hat alles von mir erlebt. Sie ist mein bester Freund. Manchmal könnt ich natürlich Hackfleisch aus ihr machen, wenn sie irgendwas Verbotenes tut."

Sprecherin:

Und trotzdem sind Nicky und ihr Hund Sally unzertrennlich. Wo immer die junge Visagistin auch hingeht, ist die Mischlingshündin Sally dabei. Sie kann sich inzwischen ein Leben ohne ihren vierbeinigen Begleiter gar nicht mehr vorstellen. 5,1 Millionen Hunde leben in 14 Prozent der deutschen Haushalte. Alleine in einer Großstadt wie Köln leben fast 25.000 Hunde. Nickys mittelgroße hellbraune Hündin mit weißer Schnauze sitzt jetzt zwar noch brav neben ihrer Herrin, was sich aber in wenigen Sekunden schon ändern kann. Denn der Schäferhund-Bernhardiner-Mischling probiert gerne seine Kräfte aus.

Sprecher:
Nicky meint, sie könne Hackfleisch aus ihr machen. Hackfleisch oder auch Hackepeter aus jemandem machen heißt ursprünglich, jemanden verprügeln oder übel zurichten. Meistens aber, wie auch hier von der jungen Frau verwendet, soll es einfach nur heißen, dass man böse ist. Hackepeter kommt aus dem Norddeutschen und birgt den Namen Peter in sich. Obwohl ein Grund für diese Namensverwendung nicht ersichtlich ist, könnte es scherzhaft im Anschluss an gehackte Petersilie entstanden sein. Eine dieser Situationen gibt es, als Nicky ihren letzten Geburtstag feiert, mit den Gästen für zehn Minuten ihre Wohnung verlässt und Sally währenddessen versucht, ihren Büffelknochen in den Topfpflanzen zu vergraben.

O-Ton Nicky:
"Und das hat sie fast den Kopf gekostet, da war ich so sauer. Und dann habe ich mir überlegt, okay, jetzt muss ich sie 'nen bisschen mehr an der Kandare halten und bin in eine Hundeschule gegangen. Da hat sie das Nötigste gelernt: Sitz, Platz, bei Fuß. Dann gab es ‘ne Zeit, da musste ich sie ganz kurz halten, da hab ich sie sogar in der Wohnung mit 'nem Maulkorb herumlaufen lassen, wenn ich nicht da war, weil ich dachte mir, das wird mir zu teuer, der Hund kostet mich Millionen, das geht so nicht."

Sprecherin:

Das hat sie fast den Kopf gekostet soll heißen, dass die Hundehalterin einmal mehr sehr wütend auf ihren Hund ist, so dass sie ihn bildlich gesehen köpfen will. Gerade bei größeren Hunden ist es sehr wichtig, dass sie dem Hundehalter gehorchen. In Hundeschulen werden den Tieren dann von geschultem Personal die wichtigsten Befehle beigebracht, so dass sie nach der meistens einjährigen Ausbildung dem Hundehalter leichter gehorchen. In der Schule werden die Hunde an der Kandare gehalten. Mit Kandare ist ursprünglich die Gebiss-Stange im Zaumzeug von Pferden gemeint. Im 16. Jahrhundert wurde das Wort Kandare entlehnt aus dem gleichbedeutenden ungarischen Wort kantár. Jemanden an die Kandare nehmen heißt, jemanden hart rannehmen. Aber es gibt natürlich Dinge, die auch die beste Hundeschule nicht ändern kann – wenn zum Beispiel die Urinstinkte des Hundes einfach stärker sind als der Wille zum Gehorsam.

Musik:

Reinhard Mey: "Keine ruhige Minute"

"… Du machst dich heut' in meinem Leben
So breit dass ich vergessen hab'
Was hat es eigentlich gegeben
Damals als es dich noch nicht gab?

Keine ruhige Minute
Ist seitdem mehr für mich drin
Und das geht so, wie ich vermute
Bis ich hundert Jahre bin."

O-Ton Nicky:
"Also ich war letztens mit ihr am Weiher spazieren, und Sally fand es ganz toll, sich mit einem toten Fisch zu parfümieren, hat sich darin gewälzt, das war unter aller Kanone, wie die stank, ich konnte es kaum noch ertragen, es war wirklich Feierabend. Aber Sally fand sich immer noch schick duftend, sie fand das toll. Und danach musste sie natürlich duschen, was sie auch überhaupt nicht liebt, aber da war der Zug abgefahren."

Sprecher:
Nicky beschreibt den Gestank als unter aller Kanone und meint damit, es stank fürchterlich. Unter aller Kanone ist eine Scherzbildung zu lateinisch sub omni canon – unterhalb jeglichen Maßes. Die Wendung steht damit nur volksetymologisch in Bezug zu Kanone und gehört zu Kanon. Feierabend machen bedeutet ursprünglich, am Abend die Arbeit einstellen – oder allgemein, eine Beschäftigung nicht weiter fortsetzten. Hier meint Nicky soviel wie: Es ist genug. Wenn heute jemand sagt, der Zug sei abgefahren, ist dies oft nur bildlich gesehen. Hier ist damit gemeint: Es ist unumgänglich, es ist bereits zu spät. Heidemarie hat sich zwar für einen kleinen Dackel entschieden, aber, was nicht heißt, dass es in ihrem Hause deshalb ruhiger zugeht.

O-Ton Heidemarie:
"Und sonst ist, wenn man nach Hause kommt, ist eben alles leer und tot und überhaupt, wenn man alleine ist, man hat immer jemanden, mit dem man reden kann, und es ist einfach angenehm. Und wenn's klingelt, wir können also nichts übersehen, dann kommt unsere Hündin angeflitzt wie ‘ne Rakete und derjenige, der draußen ist, der meint dann erst mal, es wäre ein schwerer Hofhund, so bellt er."

Sprecherin:

Viele Menschen, gerade in europäischen Ländern, sehen ihre Haustiere nicht mehr als Nutztier, zum Beispiel Hunde, um Haus und Hof zu beschützen, oder Katzen, um Mäuse und Ratten fernzuhalten, sondern eher als Freund oder sogar als Kindersatz, so dass die Tiere sogar mit am Tisch sitzen. Wenn Heidemarie erklärt, ihre Hündin käme angeflitzt wie eine Rakete will sie sagen, dass der Dackel mit der Schnelligkeit einer Rakete zur Türe schießt, wenn jemand klingelt.

O-Ton Heidemarie:
"Die Hunde sind eigentlich für uns Kindersatz, unsere drei sind raus und dann haben wir uns 'nen kleinen Dackel geholt. Beim Frühstück sitzt se neben uns auf dem Sessel wie unsere Tochter und ist in Hab-Acht-Stellung, wenn irgendwas runterfällt."

Sprecher:

Hab-Acht-Stellung kommt aus dem militärischen Bereich. In dieser Stellung steht der Wachposten, mit Gewehr über, auf Posten. Das heißt, er steht zwar Wache, kann aber dabei eine bequeme Stellung einnehmen, also mit gegrätschten Beinen stehen. Der Hund sitzt gemütlich auf dem Stuhl und beobachtet den Frühstückstisch. Bei den Ziervögeln ist es meist etwas anders. Sie brauchen zwar auch viel Zuwendung vom Menschen, sind aber mehr auf ihren Vogelpartner fixiert. Bianca erzählt, wie sie zu ihrem ersten Vogel kommt.

O-Ton Bianca:
"Den haben wir gekauft, weil ‘ne Freundin von mir hatte ein Vögelchen, 'nen kleinen Wellensittich, und der war ganz lammfromm, das fand ich ganz toll, und dann musste ich auch unbedingt einen haben. Ja, das ging dann soweit, dass wir mittlerweile vier haben. Und zwar hat dann eine Freundin mir noch einen gebracht, der ihr zugeflogen war. Der war erst das fünfte Rad am Wagen, und hat sich dann aber relativ schnell durchgesetzt und war dann der Boss im Stall."

Sprecherin:

Bianca spricht von einem lammfrommen Wellensittich. Der Vogel ist also gutmütig und unschuldig wie ein junges Lamm, das niemandem etwas zuleide tut. Oft werden Menschen durch Vergleiche mit Tieren, Eigenschaften oder Aussehen dieser Tiere zugeschrieben wie dem schlauen Fuchs oder dem flinken Wiesel. Der vierte von Biancas Wellensittichen war erst das fünfte Rad am Wagen. Damit ist gemeint, dass der Vogel anfangs abseits der anderen stand, von den anderen Vögeln nicht direkt akzeptiert wurde. Diese Redewendung findet man erstmals in einer 1230 entstandenen Sammlung religiöser und moralischer Erkenntnisse wie beispielsweise von Freidank oder Herbort von Fritzlar.

O-Ton Bianca:
"Ja morgens ist es schon ein bisschen stressig, weil die mit der Sonne aufstehen, also für die ist eindeutig: Morgenstund hat Gold im Mund, was für mich nicht so ist, weil ich 'nen ziemlicher Morgenmuffel bin. Und da könnte man denen morgens schon mal den Hals umdrehen. Aber wenn man die Jalousie unten lässt, dann wissen sie ja nicht, wann die Sonne aufgeht."

Sprecher:

Hier ist gemeint, die Vögel stehen mit der Sonne, also früh auf. Das Sprichwort Morgenstund hat Gold im Mund bedeutet ursprünglich, am Morgen lässt es sich gut arbeiten. Wer früh mit der Arbeit anfängt, erreicht viel. Schon früh wurde mit diesem Sprichwort das lateinische Sprichwort aurora musis amica, was übersetzt heißt, die Morgenröte ist der Freund der Musen, wiedergegeben, und zwar im Sinne von morgens studiert man am besten. Für Bianca, die sich selbst als Morgenmuffel bezeichnet – einen Menschen, der nicht gerne früh aufsteht – passt dann eher die scherzhafte Abwandlung des vorhergehenden Sprichwortes, nämlich Morgenstund hat Blei im Hintern. Diese Abwandlung spielt darauf an, dass man am frühen Morgen nur schwer aus dem Bett findet. Nicht so Monika, die seit 26 Jahren Katzen als Haustiere hält. Ihre Tiere sind ruhig und schlafen, wie ihre Herrin, am Wochenende morgens auch gerne ein bisschen länger – wenn nicht besondere Umstände herrschen.

O-Ton Monika:

"Ich bin auf die Katze gekommen. Ich könnte Katzen immer beobachten, wie sie sich benehmen, total entspannt. Vor allen Dingen, sie können total relaxen, und mich beruhigt das. Als das letzte Erdbeben war, spielten meine Katzen verrückt, haben mich geweckt, und ‘ne halbe Stunde später wankte alles. Meine Katzen haben mich vor dem Erdbeben gewarnt. Also die Katzen haben den sechsten Sinn."

Sprecherin:

Mit auf die Katze kommen meint Monika, dass sie Katzen liebt und schon seit sehr langer Zeit auch immer Katzen als Haustiere hält. Diese Redensart kommt von auf den Hund kommen und bedeutet eigentlich heruntergekommen. Wahrscheinlich nimmt sie Bezug darauf, dass der Hund als niedere, getretene und geprügelte Kreatur verachtet wird und auf ein erbärmliches Niveau kommt wie beispielsweise auch Hundeleben für schlechtes Leben steht oder Hundelohn für niedrigen Lohn. Viele Deutsche benutzten die Wendung allerdings heute wie Monika. Sie ist schon seit langem auf die Katze gekommen und hat ihre beiden heutigen Katzen aus einem Tierheim.

Sprecher:
Bei Monika leben die beiden Geschwister dafür heute umso besser. Sie sagt, die Katzen haben den sechsten Sinn für etwas, das heißt, dass die Tiere etwas im Voraus spüren, erahnen. Aber meistens haben die beiden am meisten Sinn dafür, dass der Futternapf gefüllt wird, wobei sich die kleinere immer den Löwenanteil beim Fressen sichert. Das Wort Löwenanteil, das den weitaus größten Teil einer Sache benennt, ist auf Äsops Fabeln “Der Löwe und der wilde Esel” und “Der Löwe, der Esel und der Fuchs” zurückzuführen. Bei der Verteilung der Jagdbeute eignete sich der Löwe den größten Teil an und speiste seine Gefährten – den Esel und den Fuchs – mit einigen Knochen ab. Mit Bezug auf dieses Vorbild wurde bereits in der antiken Rechtssprache der Leonische Vertrag, wörtlich Löwengesellschaft geprägt, aus dem nur ein Teilnehmer Nutzen zieht. Bei Monika aber werden beide Katzen satt.

Musik:

Helge Schneider: "Katzenklo"

"… Eine Katze will immer zu fressen

Eine Katze will immer zu fressen

Ich gebe ihr was

Ich gebe ihr was zu fressen

Sie bezahlt nichts dafür …"

O-Ton Monika:
"Was total witzig bei meinen Katzen ist, der Kater ist so ein richtiger Brummer von 6,2 Kilo, und sie zarte 4 Kilo, aber den Löwenanteil beim Fressen hat sie. Wenn es etwas besonders Gutes gibt, ist sie immer die Erste, das ist so. Kann ich nicht ändern, aber sie ist die Zarte, und er ist der Kräftige, aber sie frisst mehr."

Musik:

Helge Schneider: "Katzenklo"

"… Die Katze frisst mir die Haare vom Kopf

Eine Katze frisst den ganzen Tag

Damit es ihr gut geht

Will sie fressen

Ich stelle ihr was hin

Sie isst es auf!

(Lustiges Lied!)"

Fragen zum Text

Ein Mischlingshund ist …

1. ein Hund, der einen langen Stammbaum hat.

2. ein Hund, dessen Eltern aus unterschiedlichen Hunderassen stammen.

3. eine Kreuzung aus Hund und Katze.

Ist etwas ganz schlimm, dann ist es bildlich gesprochen …

1. unter aller Kanone.

2. wie Schwein.

3. wie an der Kandare.

Läuft etwas oder jemand umgangssprachlich sehr schnell, dann …

1. rennt es oder er/sie.

2. flitzt es oder er/sie.

3. lahmt es oder er/sie.

Arbeitsauftrag

Haustiere zu halten, ist nicht überall auf der Welt üblich. Diskutieren Sie in der Gruppe über die Vor- und die Nachteile der Haustierhaltung. Fassen Sie anschließend die Diskussionsergebnisse schriftlich zusammen.

Autorin: Heike Köppen

Redaktion: Beatrice Warken

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