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Meilensteine

Der Deutsche Bundestag beschließt am 22.03.1974 die Herabsetzung des Volljährigkeitsalters von 21 auf 18 Jahre

"Nun voll geschäftsfähig" - Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel erklärt das neue Volljährigkeitsgesetz

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Nach Vollendung des 18. Lebensjahres konnten die Schüler z. B. über den weiteren Besuch der Schule selbst entscheiden

Die Diskussion über die Herabsetzung des Volljährigkeitsalters von 21 auf 18 Jahre war 1974 nicht mehr neu. Denn die ersten Vorschläge diesbezüglich wurden bereits 1966 gemacht. In ihrer Ausgabe vom 14. Januar 1966 hat „Die Zeit“ schon mal gefragt: „Sollen Teenager wählen?“. Zu dieser Frage hat sie nämlich eine Initiative junger Bundestagsabgeordneter veranlasst, die – und das wohl parteiübergreifend – das Wahlrecht für bereits 18jährige Bundesbürger vorschlug. Einer dieser jungen Abgeordneten war der spätere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, der 1965 in den Bundestag kam.

Viel „Neues“ für 18-Jährige

Doch es dauerte noch acht Jahre bis der Bundestag 1974 schließlich diese Reform des Wahlrechts beschloss und es fehlte dabei nicht an Argumenten, die sowohl für als auch wider diese Neuerung sprachen. Zugleich haben die Volksvertreter eine ganze Reihe von Neuerungen und Änderungen beschlossen. So etwa hat sich Einiges in den Schulen geändert: nach Vollendung des 18. Lebensjahres konnten nun die Schüler über den weiteren Besuch der Schule selbst entscheiden, die so genannten „Blauen Briefe“ über gefährdete Versetzung erhielten nicht mehr die Eltern, sondern die Betroffenen selbst und sogar eine Entschuldigung über versäumten Unterricht konnten sich die Schüler nun selbst ausstellen. Bis dato war dies alles undenkbar. Ehemündig wurden beide Geschlechter ebenfalls mit 18 Jahren – bis dahin durften Mädchen bereits mit 16 Jahren heiraten, die Zustimmung der Eltern vorausgesetzt. Für die über 2,5 Millionen Jugendlichen, die am 1. Januar 1975 nun volljährig wurden, haben sich noch weitere Änderungen dadurch ergeben: sie erlangten auch volle Geschäftsfähigkeit, konnten von nun an frei über Ausbildung, Arbeitsplatz und Wohnsitz verfügen, erhielten auch das passive Wahlrecht und konnten somit auch zum Abgeordneten gewählt werden. Und nach dem Willen des neuen Gesetzes endete mit der Vollendung des 18 Lebensjahres die elterliche Gewalt: die Erziehung war nun beendet.

Im Juni 1974 sprach Peter Heinemann mit dem damaligen Justizbundesminister Hans-Jochen Vogel über die Anwendungen und die praktische Bedeutung des Volljährigkeitsgesetzes.

Andreas Zemke

Redaktion: Diana Redlich

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