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Wirtschaft

Der deutsche Biermarkt schrumpft weiter

Die Deutschen trinken immer weniger Bier. In den letzten Jahren ging der Pro-Kopf-Verbrauch deutlich zurück. Viele der momentan 1340 Brauereien werden auf der Strecke bleiben.

Mit einem jährlichen Ausstoß von 140.000 Hektolitern und 60 Mitarbeitern gehört die Privatbrauerei Moritz Fiege in Bochum zu den gesunden mittelständischen Braubetrieben. Bei Fiege wird seit 135 Jahren bereits in der vierten Generation Bier gebraut. "Der Konzentrationsprozess", stellt Firmeninhaber Hugo Fiege mit Blick auf  die zurückliegenden Jahre fest, "ist überall spürbar. Wir haben im Markt eine Preissituation, die durchaus schwierig ist."

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Die Deutschen und ihr Bier

Selbst die fünf deutschlandweit führenden Premium-Hersteller, die fast 70 Prozent des Marktes dominieren, sind unter Druck geraten. Mit einem Umsatz von 7,6 Milliarden Euro hat es die deutschen Bierbrauer zwar noch nicht ins Tal der Dürre verschlagen, aber sie befinden sich weiterhin auf einer Durststrecke. Mit den vorhandenen Kapazitäten könnten die Brauereien jährlich über 150 Millionen Hektoliter produzieren, im vergangenen Jahr lag der Ausstoß jedoch bei nur 98 Millionen. Seit Jahren kämpfen die Hersteller von Gerstensaft mit sinkenden Absätzen, da die Deutschen immer weniger Bier trinken. 1976 flossen statistisch 151 Liter durch durstige Kehlen. Mittlerweile liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei nur noch 107 Litern. Und ein Ende des Schrumpfkurses scheint nicht in Sicht.

Der Bund deutscher Brauer geht davon aus, dass von den etwa 1340 Brauereien in der Bundesrepublik viele kleine und mittlere Unternehmen den absehbaren Konzentrationsprozess nicht überleben werden.

Privatbrauer setzt auf regionalen Markt

Die Deutschen trinken nicht nur weniger Bier, auch der Handel setzt den Brauern zu. Im Preiskampf der Handelsketten gibt es Bier fast ständig zu Sonderangebotspreisen. Auch in dieser "Entwertung" liegt für Privatbrauer Hugo Fiege einer der Gründe für das nachlassende Interesse der Konsumenten an Bier. Wenn sich Biere permanent im Sonderangebot befinden, dann bleibe das nach Fieges Überzeugung nicht ohne Auswirkung auf die Attraktivität dieser Getränkegattung.

Hugo und Jürgen Fiege, Geschäftsführer Fiege GmbH Quelle: Moritz Fiege GmbH

Qualität als Rezept: Hugo (links) und Jürgen Fiege, die beiden Geschäftsführer

Darum hat sich die Privatbrauerei bewusst von diesem Trend abgegrenzt. "Dadurch konnten wir auch betriebswirtschaftlich das Unternehmen gesund halten", sagt Hugo Fiege. Denn es könne nicht allein darum gehen, große Mengen zu verkaufen, sondern man müsse die hergestellte Menge auch zu einem vernünftigen Ertrag erwirtschaften und verkaufen. Außerdem setzt die mittelständische Brauerei konsequent auf ihre regionale Bodenständigkeit. Schließlich sei das Ruhrgebiet als Absatzmarkt groß genug. "Hier wohnen viele Menschen, also da haben wir noch gut zu tun für die nächsten Jahre."

Statt Expansion um jeden Preis baut das Unternehmen auf die Verankerung als gepflegte Marke im regionalen Markt. So kommen die Biere aus dem Haus Fiege nicht mit Kronkorken daher, sondern in einer Flasche mit Bügelverschluss. In der Unternehmensphilosophie handelt es sich bei Bier nämlich um ein Genuss- und nicht um ein Ex- und Hopp-Getränk. Brauerei-Chef Fiege sieht in dem Bügelverschluss ein Signal an den Verbraucher, dass man sich der handwerklichen Braukunst verpflichtet fühlt. "Das ist ja auch ein äußeres Zeichen dafür. Neben der Tatsache, dass die Menschen auch dieses Geräusch, das beim Öffnen der Flasche entsteht, als Start für einen besonderen Genussmoment sehen."

Gutes Bier braucht Zeit

Blick auf die Fiege-Brauerei Quelle: Moritz Fiege GmbH

Das Hauptgebäude der Brauerei in Bochum

Zehn Biere umfasst das Sortiment. Vom Altbier über das alkoholfreie Bier bis zum Radler und Weizenbier. Gut 60 Prozent entfallen nach wie vor auf den herben Klassiker: das Pils. Gleichwohl hat man natürlich auch den Entwicklungen des Marktes Rechnung getragen. So hat man früh ein kräftiges Schwarzbier gebraut und eine Sorte entwickelt, die vor allem den Geschmack weiblicher Biertrinker trifft.

Schnelllebigen Trends bei Bier-Mix-Getränken, die bei Jugendlichen hoch im Kurs stehen, hechelt man jedoch nicht hinterher. Nicht nur aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen. Die vier Grundsorten aus dem Reinheitsgebot böten genügend Spielraum für verschiedene Geschmacksrichtungen, so Hugo Fiege, und ergänzt: "Dafür muss man nicht, um zwingend kreativ zu sein, Biere mit anderen Getränken mischen."

Im hart umkämpften Biermarkt steht die mittelständische Brauerei aus dem Ruhrgebiet auf einem soliden Fundament und rangiert unter den deutschen Gerstensaft-Anbietern im oberen Drittel. Qualität zahlt sich offenkundig aus, denn ein gutes Bier braucht seine Zeit, bis es in die Flasche kommt. Und diese Zeit lässt sich Mark Zinkler, der erste Braumeister bei Fiege, auch weiterhin nicht nehmen: "Industriebetriebe benötigen eine Woche. Wir benötigen sicherlich sechs bis acht Wochen. Das hat aber hauptsächlich damit zu tun, dass wir unserem Bier eine sehr lange Lager- und Reifezeit zugestehen, was entsprechend gut für die Bekömmlichkeit ist."

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