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Aktuell Europa

Der "Costa"-Kapitän will einen Deal

Der Kapitän des havarierten italienischen Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia" strebt einen Deal mit der Staatsanwaltschaft an. Francesco Schettino will so eine mögliche lange Haftstrafe vermeiden.

Schettino (Artikelbild) würde sich teilweise schuldig bekennen, wenn das Strafmaß auf drei Jahre und fünf Monate Haft begrenzt werde, sagte sein Anwalt am zweiten Tages des Prozesses um das Drama der "Costa Concordia" im italienischen Grosseto. Das Kreuzfahrtschiff hatte am Abend des 13. Januar 2012 bei einem riskanten Manöver einen Felsen gerammt und war nur wenige Meter vor der zur Toskana gehörenden Insel Giglio leck geschlagen. Schettino verließ das havarierte Schiff und kehrte trotz mehrfacher Aufforderung der Hafenbehörde nicht an Bord zurück, während die meisten Passagiere noch versuchten, sich in Sicherheit zu bringen. 32 Menschen, unter ihnen zwölf Deutsche, starben.

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Costa-Kapitän Schettino vor Gericht

Der 52-jährige Schettino muss sich in dem Verfahren wegen fahrlässiger Tötung sowie wegen Verursachung von Umweltschäden und Verlassens eines Schiffes in Seenot verantworten. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft. Bereits bei Voranhörungen im Mai hatte der Kapitän der Staatsanwaltschaft einen "Deal" - Teilgeständnis gegen milde Strafe - vorgeschlagen. Die Anklagevertreter hatten damals abgelehnt. In einem vom Hauptfall abgekoppelten Prozess wegen des Unglücks hat sich die Staatsanwaltschaft jedoch zu einem "Deal" mit den fünf Angeklagten bereit erklärt. Voraussichtlich am Samstag werden der Krisenmanager der Reederei Costa Crociere, Roberto Ferrarini, der Steuermann des Schiffes sowie drei weitere Besatzungsmitglieder gegen ein Schuldeingeständnis zu Haftstrafen von bis zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Das Verfahren gegen Schettino könnte zu einem Mammutprozess werden und sich über mehrere Monate hinziehen. Das Gericht hat mehr als 400 Zeugen geladen. Es gibt 250 Nebenkläger. Wegen des großen öffentlichen Interesses findet der Prozess in einem umfunktionierten Theatersaal statt.

Das Wrack der "Costa Concordia" liegt immer noch vor der Küste von Giglio. Die Bergung wird nach Schätzung der Reederei 500 Millionen Euro kosten und damit mehr als doppelt so teuer wie zu Beginn veranschlagt. Das Kreuzfahrtschiff soll im September vor der italienischen Insel aufgerichtet und später weggeschleppt werden. Die hohen Kosten werden von einem Versicherungskonsortium getragen. Rund 500 Spezialisten arbeiten an dem Unterfangen.

wl/uh (dpa, afp)

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