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Kultur

Der Club der "Klugscheißer"

In Berlin gibt es einen Verein für Menschen, die eines gemeinsam haben: Ihr IQ liegt bei 130. Ein Wert, den 98 Prozent der Bevölkerung nicht erreichen. DW-WORLD sprach mit dem Vorsitzenden Hans-Peter Schmidt.

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Verein für intelligente Menschen

Schmidt ist ein so genanntes Superhirn. 1994 hat er "hIghQ e.V." gegründet, den Verein für hochintelligente Menschen. Die Mitgliedschaft steht jedem offen, der in einem überwachten Test einen überdurchschnittlich hohen Intelligenzquotienten nachweisen kann. Leute mit einem gewöhnlichen IQ zwischen 90 und 110 müssen leider draußen bleiben. Die Messlatte beim Test liegt hoch. Die Prüfung besteht aus 325 Fragen, für deren Lösung zwei Stunden und zwei Minuten zur Verfügung stehen. Das sind gerade mal 25 Sekunden pro Frage. Wichtig ist, dass der Teilnehmer schnell erkennt, welche Fragen zu schwierig sind, um sie in dieser kurzen Zeit richtig lösen zu können. Trifft er die korrekte Auswahl, hat er eine wichtige Hürde schon genommen.

"Wir sind keine Elite-Gruppe"

Mit zehn Leuten fing damals alles an. Heute zählt der Verein 43 Mitglieder. Ein Viertel davon ist weiblich. Hans-Peter Schmidt geht davon aus, dass sich der Club in den kommenden Monaten vergrößern wird. Immer mehr Interessierte lassen sich testen. Schmidt ist es wichtig zu betonen, dass sich hier kein verschworener Club von Intelligenzbestien zusammengeschlossen hat. Als Zeichen dafür trägt die Vereinszeitung immerhin selbstironisch den Titel "Klugscheißer".

"In unserem Club sind Menschen aus allen Bevölkerungsschichten vertreten. Da finden sich Ärzte, Lehrer und Schüler, aber auch Sekretärinnen und Arbeiter. Wir sind ganz normale Leute und wirklich nicht abgehoben", erzählt Schmidt. Die Mitglieder wollen alles sein, nur eines nicht: Außenseiter. Das waren die meisten lange genug. Viele teilen das gleiche Schicksal. In der Schule wurden sie als Streber tituliert und waren nicht gerade die Klassenlieblinge. Manche haben dann ein paar Schuljahre übersprungen, weil sie unterfordert waren, andere blieben sitzen, aus dem gleichen Grund. Schmidt hat sich im Unterricht so gelangweilt, dass er lieber unter der Bank gegen sich selbst Schach spielte. Heute hat er endlich adäquate Gegner gefunden. Doch die Clubmitglieder treffen sich nicht nur zum Spaß, sie sprechen auch über ihre Sorgen und Nöte. Besonders schlau zu sein bringt nicht nur Vorteile mit sich – darüber sind sich alle einig.

Aus dem Vereinsleben

Schmidt schwärmt von den Vereinstreffen: "Das ist natürlich toll, wenn man bei komplizierten Themen nicht alles dreimal erklären muss. Das ist tatsächlich ein Vorteil, wenn wir untereinander sind: In dieser Runde ist niemand unterfordert. Für uns eine seltene und sehr angenehme Situation." Wer ein Clubtreffen mal miterleben möchte, ist herzlich willkommen. Kneipenabende, gemeinsames Kochen und Kinobesuche stehen ebenso auf dem Programm, wie Vorträge anhören aber auch selbst halten. Das Besondere des Vereins versucht Hans-Peter Schmidt zu erläutern: "Versuchen sie doch einmal in einem Billardverein mit den Mitspielern ein Memoryturnier durchzuführen oder in einem Fußballverein Tauben zu züchten. Bei uns können sie beides ohne Probleme tun."

"hIghQ e.V." ist neben "Mensa" und "Intertel" der drittgrößte Verein für Hochbegabte weltweit. Wer wissen möchte, wie hoch sein IQ ist, kann auf der Internetsite der "Klugscheißer" an einem Kurztest teilnehmen. Wer dabei gut abschneidet, sollte sich dann an das Rätsel des Monats wagen – es gibt etwas zu gewinnen.

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