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Kultur

"Der Club der geklauten Bilder"

Ein Pinselstrich von Picasso ist Millionen wert - ein Tastendruck beim "Art Loss Register" kann Millionen retten. In Köln ist die weltgrößte Datenbank mit 120.000 gestohlenen Kunstwerken und Sammlerstücken angesiedelt.

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"Sitzende Frau" von Pablo Picasso

Die deutsche Filiale der 1991 in London gegründeten Organisation prüft für Museen, Galeristen, Versicherer, Auktionshäuser und private Käufer die Unbedenklichkeit teurer Bilder, Möbel oder Uhren. Die Liste verschwundener Klassiker ist lang. "An der Spitze liegt Picasso mit 489 Einträgen. Miró kommt auf 348, gestohlene Chagalls haben wir 293", erzählt die Geschäftsführerin des "Art Loss Register" (ALR), Ulli Seegers.

Detektive durchstöbern die Kunstwelt

Rund um den Globus haben die ALR-Büros in London, New York, St. Petersburg und Köln bislang Kunstwerke im Gesamtwert von mehr als 112 Millionen Euro wiederbeschafft. Die Kunstdetektive durchstöbern Auktionskataloge und Messen nach Diebesgut. Besonderes Interesse an der akribischen Fahndung haben globale Kunstversicherer wie Allianz, AXA und Gerling, die Mitglied im "Art Loss Register" sind. "Käufer und Verkäufer haben eine Nachforschungspflicht. Da kann unser Zertifikat bei späteren Prozessen sehr nützlich sein", erklärt Seegers.

Auf dem ALR-Index steht auch verschollene Beutekunst aus der Nazi-Zeit. In Deutschland gibt es aber noch immer Museen, die sich wehren, ihren Fundus mit der Kunst-Datenbank abzugleichen. "Sie erkennen 57 Jahre nach dem Krieg aber langsam die Notwendigkeit, die eigenen Bestände prüfen zu lassen", berichtet die 31-jährige Kunsthistorikerin. Für britische und amerikanische Museen sei dagegen die ALR-Mitgliedschaft und das Abklopfen unseriöser Angebote seit langem selbstverständlich.

Das ALR-Qualitätssiegel

Seegers hofft, bald auch die eher zurückhaltenden Auktionshäuser im Boot zu haben. Der Bundesverband der deutschen Kunstversteigerer in Berlin verhandelt zur Zeit über eine ALR-Sammelmitgliedschaft für die 30 größten deutschen Versteigerer, die einen Marktanteil von etwa 70 Prozent halten. Wenn diese vor einer Auktion den Katalog beim ALR prüfen lassen, ist das ein Qualitätssiegel für die Kunden. Den berühmten Auktionshäusern Sothebys und Christies ist dieses Qualitätssiegel schon jetzt die Mitgliedsgebühr von 4000 Euro im Jahr wert – beide Häuser waren von Anfang an Mitglieder bei ALR.

"Miss Marple der Kunst"

Einer der spektakulärsten Erfolge der Kölner Organisation war 1999 der Fund eines verschollenen Stilllebens von Paul Cézanne. Unbekannte hatten 1978 das Gemälde "Zinnkrug mit Früchten" - geschätzter Wert 30,6 Millionen Euro - geraubt. Erst 20 Jahre später ließ es der Besitzer in der Domstadt registrieren. Nach wenigen Monaten spürten die ALR-Fahnder das Werk bei einem Schweizer Händler auf. "Je nach Wert erhalten wir eine Prämie zwischen ein und 15 Prozent", so Seegers, die auch "Miss Marple der Kunst" genannt wird.

Zugriff auf die Kunst-Datenbank hat auch das Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Privatleute müssen für eine Anfrage zwischen 30 und 75 Euro zahlen. "Für Hinterbliebene, die gestohlene Beutekunst suchen, arbeiten wir kostenlos", betont Seegers. Als neuestes Mitglied im "Club der geklauten Bilder" musste die ALR-Chefin Ende Januar einen Baselitz aufnehmen. Besonders pikant: Das 100.000 Euro teure Ölbild "Xenia" wurde am helllichten Tag in einer Kölner Galerie geraubt - nur ein paar Straßenecken von Seegers Büro entfernt. dpa/(fro)

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