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Asien

Der chinesische Traum heißt Auswanderung

Xi Jinping hat die Formel vom "chinesischen Traum" geprägt. Aber Millionen Chinesen - besonders die Gutverdienenden - träumen einen ganz anderen Traum: Den von der Auswanderung.

Noch holt Gu Xuan (alle Namen geändert) aus Peking ihre siebenjährige Tochter jeden Tag pünktlich um 15 Uhr von der Schule ab. "Das Kind alleine in die Schule gehen und nach Hause kommen zu lassen, ist einfach zu gefährlich", sagt Gu gegenüber der Deutschen Welle. Worin die Gefahr genau besteht, bleibt unklar. Klar ist aber für die Eltern, dass ihre Tochter in nicht allzu ferner Zukunft ihre Schulbildung in den USA fortsetzen wird.

Das Mädchen weiß, welche Pläne ihre Eltern für sie haben - irgendwie. Ob es sie wirklich versteht, weiß nicht mal die Mutter. Nicht nur chinesische Millionäre schicken ihre Sprösslinge auf teure Privatschulen im Ausland, vorzugsweise auf britische, wie die USA-Ausgabe von "China Daily" unlängst berichtete. Auch Angehörige der gutverdienenden Mittelschicht orientieren sich immer stärker in Richtung Ausland, wenn es um die Ausbildung ihrer Kinder geht.

Ziel Nordamerika

Chinatown in Vancouver Kanada (Foto: Getty Images)

Kanada (hier Chinatown in Vancouver) hat sein Programm für einwanderungswillige chinesische Investoren wegen des großen Andrangs massiv zurückgefahren

Ganz oben auf der Wunschliste dieser Eltern stehen Schulen in den USA, in Kanada, Australien und Neuseeland. Diese vier Länder stehen auch an der Spitze der Liste der wichtigsten Auswanderungsländer für Chinesen in den letzten Jahren. 2012 sind knapp 150.000 Chinesen in die USA, nach Kanada, Australien und Neuseeland ausgewandert, wie aus einer aktuellen Studie des Pekinger "Center for China and Globalization" hervorgeht. Derzeit wandern jährlich fünfmal so viele Chinesen in die USA aus wie in den achtziger Jahren. Die meisten der Auswanderer gehören laut der Studie - was nicht überrascht - zur wohlhabenden Mittelklasse und sind zwischen 35 und 55 Jahre alt.

Cai Jings Sohn wurde in den USA geboren und wohnt mit seiner Familie in Peking. Er ist ein Jahr alt und kann gerade "Mama" und Papa" sagen. "Sobald er Chinesisch besser beherrscht, werden wir in die USA auswandern. Da er dort geboren ist, sehe ich keine Schwierigkeit, eine Green Card zu bekommen", freut sich die junge Mutter.

Keine Lust auf chinesischen Drill

Schulklasse in Shanghai (Foto: AFP/Getty Images)

Das chinesische Erfolgsmodell im Klassenraum erscheint nicht mehr allen so verlockend

Cai Jings Ehemann Xue Jian arbeitet als leitender Angestellter in einem privaten Unternehmen. Noch bevor sein Sohn geboren wurde, hatten er und seine Frau ihre Zukunft schon genau geplant. "Wir wollen unserem Kind ein gutes Leben ermöglichen. Die Kinder in China haben in den Schulen zu viel Stress und Druck. Das haben wir alle selbst erlebt. Ich wollte nicht, dass mein Kind das auch durchmachen muss", erklärt Xue Jian gegenüber der DW.

Bessere Bildungschancen für die Kinder sind einer der Hauptgründe für die wachsende Zahl chinesischer Auswanderer. Dazu kommen Sorgen wegen ungesunder Lebensmittel, Smog und anderen Umweltbelastungen. Xue Jian nennt weitere Gründe: "In China fehlt uns einfach das Gefühl von Sicherheit. Die Regierung behauptet zwar, nach einem Rechtsstaat zu streben. Aber in der Realität habe ich oft gesehen, wie individuelle Rechte verletzt wurden. Außerdem haben wir Angst vor einer möglichen Massenbewegung in der Zukunft", ergänzt Xue und meint damit einen gewaltsamen Umsturz oder eine Revolution angesichts des wachsenden Wohlstandsgefälles in China.

Lebensqualität neu entdeckt

Will in Zukunft die ganze Familie in einer amerikanischen Stadt leben? Xue Jian verneint: "Ich werde nicht langfristig in den USA leben. Vielleicht bleibe ich jedes Jahr einen oder zwei Monate dort. Wenn man Geld verdienen will, gibt es in China deutlich bessere Chancen als im Ausland. Aber meine Frau und mein Kind werden die ganze Zeit die frische Luft und die beste Bildung der Welt genießen."

Viele Familien sind bereit, lange Phasen der Trennung in Kauf zu nehmen, um Frau und Kind im Ausland zu wissen. Denn nicht jeder hat das Glück, einen gutdotierten Job zu finden. Ein Bekannter von Cai Jing hatte in China promoviert. In Kanada fand er nur einen Job als Kassierer in einem Supermarkt.

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