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Globale Zusammenarbeit

Der Brückenbauer aus Nigeria

Seit 30 Jahren begleitet die deutsche Sprache Jaiye Doherty. Der Nigerianer hat Germanistik studiert, obwohl er Volkswirt werden wollte. Nun hat er seinen Traumberuf: Er betreut deutsche und nigerianische Firmen.

Jaiye Doherty liest in der Zeitschrift des deutsch-nigerianischen Wirtschaftsverbandes (Foto: Katrin Gänsler)

Jaiye Doherty liest in der Zeitschrift des deutsch-nigerianischen Wirtschaftsverbandes

Flaggen von Nigeria und Deutschland (Foto: Katrin Gänsler)

Deutsch-nigerianische Beziehungen: der Grundstein für Dohertys Liebe zur deutschen Sprache wurde schon in seiner Kindheit gelegt

Es ist ein Buch gewesen, das Jaiye Doherty zum ersten Mal mit der deutschen Sprache in Berührung gebracht hat. Ende der 60er Jahre ging der Nigerianer noch zur Schule und auf seinem Lehrplan stand "Im Lichte der Wahrheit" von Abdrushin, einem gebürtigen Dresdener, der eigentlich Oskar Ernst Bernhardt hieß. Jaiye Doherty war begeistert, wollte das Buch gern im Original lesen und entschloss sich, nach der Schule neben Volkswirtschaftslehre Deutsch zu studieren. Doch einen VWL-Studienplatz bekam er nicht, stattdessen das Angebot, Deutsch im Hauptfach zu belegen. "Eine attraktive Idee, denn so konnte ich eine andere Sprache, einen anderen Kulturkreis und andere Menschen kennenlernen", erinnert Doherty sich.

Aus München wird Heidelberg

Das eigene Buch auf Deutsch: Die Satire im nigerianischen Roman (Foto: Katrin Gänsler)

Das eigene Buch auf Deutsch: "Die Satire im nigerianischen Roman"

Während seines Studiums an der Universität in Ife ging er für ein Jahr nach Heidelberg. Dabei wollte er eigentlich nach München. "Ich kann gar nicht sagen, warum. Sicherlich nicht wegen des Oktoberfestes", lacht der Nigerianer. Doch auch die Studentenstadt in Baden-Württemberg begeisterte ihn. Und zwar so sehr, dass er nach seinem Abschluss in Nigeria für ein Magister-Studium zurückkehrte und dort anschließend sogar promovierte.

Langfristig wollte er jedoch nie in seiner zweiten Heimat bleiben. Er wollte zurück nach Afrika, obwohl dort Ende der 80er Jahre die Wirtschaftsaussichten längst nicht mehr rosig waren. "Ich hätte mir höchstens vorstellen können, noch ein oder zwei Jahre in Deutschland zu arbeiten oder mal für ein Sabbat-Jahr zurückzugehen." Wieder in Nigeria arbeitete Doherty zuerst als Dozent an der Universität in Ibadan, versuchte später, sich als Unternehmer selbstständig zu machen und unterrichtete schließlich Deutsch in Lagos.

Geschäftsführer dringend gesucht

Jaiye Doherty im Interview mit nigerianischen Journalisten (Foto: Katrin Gänsler)

Jaiye Doherty kam auch ohne VWL-Studium zum Traumberuf

Dann suchte ihn eines Tages die stellvertretende Leiterin des nigerianisch-deutschen Wirtschaftsverbandes verzweifelt. Sie erzählte ihm, dass der Verband dringend einen neuen Geschäftsführer brauche. Und der sollte gute Deutschkenntnisse haben. Jaiye Doherty schmunzelt, wenn er daran denkt. Denn zuerst bemerkte er nicht, dass die Frau ausgerechnet ihn für die Stelle haben wollte. "Ich habe ihr gesagt, wenn ich zum Beispiel Volkswirtschaft studiert hätte..., bis sie irgendwann meinte: Ich denke, Sie sollen das machen."

Deutsch ist wichtiger als jedes Wirtschaftsstudium

Jaiye Doherty an seinem Schreibtisch im Büro in Lagos (Foto: Katrin Gänsler)

Jaiye Doherty an seinem Schreibtisch im Büro in Lagos

Damit ist der Nigerianer auf einem Umweg zu seinem Traumjob gekommen. Denn heute betreut er gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen André Rönne nigerianische Unternehmen, die in Deutschland Fuß fassen wollen. Gleichzeitig ist er für Firmen aus seiner zweiten Heimat Deutschland Ansprechpartner und Kontaktperson. Keine leichte Aufgabe, da Nigeria nach wie vor ein schlechtes Image hat. Wichtig sei es deshalb, Probleme nicht schön zu reden, gleichzeitig aber auch über Chancen und Vorteile zu informieren, erklärt der Geschäftsführer des deutsch-nigerianischen Wirtschaftsverbandes. Und dafür seien Deutschkenntnisse viel wichtiger als jedes VWL-Studium. Gerade bei Telefonaten würden viele Deutsche mit ihrem Englisch kämpfen. "Und wenn ich dann sage, wir können auch Deutsch reden, ist die Erleichterung groß", freut er sich.

Autorin: Katrin Gänsler
Redaktion: Esther Broders / Carolin Hebig