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Afrika

Der Boom mobiler Bankkonten

Per SMS will Google jetzt Handynutzer in Uganda erreichen. Der Mobilfunkbereich wächst in Afrika schneller als irgendwo sonst. Viele Afrikaner nutzen ihr Handy für mehr als Telefonate - zum Beispiel für Bankgeschäfte.

Afrikaner mit Handy (Foto: dpa)

Handys erleichtern den Zahlungsverkehr

Die Demokratische Republik Kongo ist nicht nur eines der größten Länder Afrikas, sondern auch eines der chaotischsten. Jahrzehntelange Diktatur und Bürgerkriege haben die Infrastruktur fast völlig zerstört, tausende Soldaten sind noch immer ohne Arbeit und Perspektive. Zwei Probleme, die ausgerechnet ein Mobilfunkunternehmen lösen möchte. Die Firma Celpay hat gemeinsam mit der Weltbank ein Projekt ins Leben gerufen, um für die Soldaten einen Anreiz zu schaffen, wieder ein normales Leben zu beginnen und die Waffen abzugeben. Die Weltbank bietet dafür jedem Soldaten 25 Dollar im Monat - und das für ein Jahr. Aber das Projekt ist kompliziert: Die Herausforderung im Kongo sei der Bezahlungsweg, sagt Miyanda Mulambo von Celpay. "Es gibt kaum Infrastruktur, vor allem keine finanzielle. Als wir angefangen haben, gab es im ganzen Land nur einen Geldautomaten."

SMS statt Geldautomat

Bergpanorama im Kongo (Foto: AP)

Riesiges Land - kaum Infrastruktur: DR Kongo

Dieser Geldautomat stand in der Hauptstadt Kinshasa, aber die Soldaten sind im ganzen Land verstreut. Die Lösung: Celpay baute ein Netzwerk von Agenten auf, die seitdem gegen eine Provision die Soldaten bezahlen. Die Soldaten bekommen ihre monatliche Gutschrift per SMS und können sie so in jeder Ecke des Landes bei einem Agenten einlösen. In den letzten drei Jahren wurden auf diesem Weg 75.000 Soldaten bezahlt, in diesem Jahr sollen noch 30.000 weitere hinzukommen.

Der Fall Kongo zeigt, welches Potenzial mobile Geldtransfers in Afrika haben. Banken allein sind wegen mangelnder Infrastruktur bei der Kundenaquise an ihre Grenzen gestoßen. Gemeinsam mit Mobilfunkanbietern können sie diese aber wieder erweitern. In Kenia hat das Mobile-Banking-Projekt M-Pesa von Safaricom seit 2007 alle Erwartungen übertroffen. Mittlerweile nutzt fast jeder fünfte Kenianer M-Pesa, um Geld zu verschicken oder Rechnungen zu bezahlen.

Gute Geschäfte

In fast jedem afrikanischen Land wurden mittlerweile ähnliche Projekte gestartet. Geschäftsleute wie Abraham Punnoose profitieren. Der Inder hat mit seiner Firma Roamware eine Software für mobile Geldtransfers entwickelt. Potenzielle Kunden gibt es in Entwicklungsländern en masse. "Stell dir vor, du verdienst einen Dollar pro Kunde. Und du hast eine Milliarde Kunden. Das sind eine Milliarde Dollar im Jahr. Ganz einfache Mathematik. Aber der soziale Vorteil ist noch viel, viel größer", rechnet Punnoose vor.

Western Union Schild (Foto: AP)

Plant Partnerschaft für mobiles Banking mit Zain: Western Union

Den sozialen Vorteil sehen auch verschiedene Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit. Mobile Geldtransfers schaffen tausende Jobs, vor allem für die landesweit notwendigen Agenten, die sich um Ein- und Auszahlungen kümmern. Mobile Geldtransfers können die Gebühren für Rücküberweisungen von Migranten in die Heimat senken. Western Union und der Mobilfunkanbieter Zain haben eine Partnerschaft angekündigt, die es ermöglichen soll, Geld direkt aus den Industrieländern auf Handys in 24 Entwicklungsländer zu schicken. Dadurch könnte speziell die Gebühr für die Überweisung kleinerer Beträge sinken, die im Moment enorm ist. 250 Millionen Dollar hat die Gates Stiftung in die Erforschung neuer Technologien gesteckt.

Hohes Entwicklungspotenzial

Auch andere Entwicklungsinstitutionen und private Anbieter investieren trotz Finanzkrise weiter. Die "Consultative Group to Assist the Poor", ein bei der Weltbank angesiedeltes Entwicklungsinstitut mit dem Schwerpunkt Mikrofinanzierung, schätzt das Marktpotenzial von mobilen Geldtransfers bis 2012 auf fünf Milliarden Dollar. Miyamba Mulambo und seine Firma Celpay wollen deshalb weitere Märkte erschließen. Das krisengeschüttelte Simbabwe steht ganz oben auf der Liste. Mulambo weiß, dass mobile Geldtransfers das Leben in solchen Ländern einfacher, vielleicht auch besser machen können. Er weiß aber auch, dass er den Armen nur ein weiteres Werkzeug gibt, um sich selbst aus dem Kreislauf der Armut zu befreien.

Autor: Adrian Kriesch

Redaktion: Christine Harjes

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