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Alltagsdeutsch – Podcast

Der blonde deutsche Barde

An ihm und seiner Musik scheiden sich die Geister: an dem deutschen Volkssänger Heino. In seinen auf Deutsch gesungenen Schlagern präsentiert er überwiegend eine heile Welt. Er selbst steht dazu.

Musik

O-Ton:

"Der singt schöne Lieder und vor allen Dinge doitsch! Dat man se gut versteht und viel Doitsch."

Musik

Heino: "Die schwarze Barbara"

"Ja, ja, die Schönste auf der Welt ist meine Barbara,

was mir an ihr gefällt, das ist ihr schwarzes Haar…"

O-Ton:

"Also mein Musikgeschmack liegt nicht bei Heino, und ich mag Schlager und Volksmusik und so was nicht."

Sprecherin:
Schwarze Brille, rotes Jackett, blondes Haar – das sind die Markenzeichen von Deutschlands erfolgreichstem Volksmusiker. Heino ist ein Mann der Superlative: Insgesamt verkaufte er in seinem langen Musikerleben Millionen Tonträger und veröffentlichte mehr als 200 Alben. Kaum ein Deutscher, der ihn nicht kennt: In Umfragen erreichte Heino einen Bekanntheitsgrad von 97 Prozent. Das schafft sonst nur der Bundeskanzler. Doch der blonde Barde ist auch eine Reizfigur: Nur jeder Zweite äußert sich positiv über Heino. Doch für seine Fans ist und bleibt Heino etwas ganz Besonderes:

O-Töne:

"Der is' so ganz natürlich, nich so spinnerisch wie die anderen Sänger. / Er wirkt nicht irgendwie so überkandidelt oder so. Er ist normal."

O-Ton Marianne:

"Für mich ist das einer von uns, also Star und nicht Star. Also, mit dem kann man Pferde klauen gehen, alles, ne. Also, der ist ganz okay. Solide, keine Starallüren, nich so wie die anderen Stars, ne, nur mit Drogen, mit Saufen. Das hab' ich bei Heino noch nicht erlebt."

Sprecher:

Marianne ist überzeugt: Heino – das ist einer von uns, ein Star ohne Starallüren, ein ganz normaler Mensch, ein Mann aus dem Volk. Starallüren – eine Verbindung des englischen star mit dem französischen allure, Benehmen: Das sind auffällige und aufgesetzte Verhaltensweisen von Größen oder Möchtegern-Größen des Showgeschäfts. Auf normale Menschen wirken die schnell spinnerisch, also verrückt oder töricht, und überkandidelt. Letzteres entstammt dem norddeutschen candidel und bedeutet überspannt, übergescheit oder übertrieben vornehm. Doch all das ist Heino nach Meinung seiner Fans nicht. Marianne würde sogar mit dem Sänger Pferde klauen gehen. Das ist natürlich nicht wörtlich gemeint. Einer, mit dem man Pferde stehlen kann, der ist zu allem brauchbar, ein guter Freund und Kumpel, unternehmungslustig und kein Spaßverderber.

Sprecherin:

Mittagszeit in Heinos Rathauscafé in dem kleinen Städtchen Bad Münstereifel. Zwischen goldenen Schallplatten, Erinnerungsfotos und einem mit Pailletten bestickten Heino-Sakko aus den siebziger Jahren warten und hoffen hauptsächlich ältere Damen auf einen Auftritt ihres Stars. Die Wartezeit versüßen sich die Gäste trotz der frühen Stunde mit Heino-Kaiserschmarrn, Heino-Haselnussmousse oder der mit einem Heino-Konterfei verzierten Haselnussmarzipantorte. Dann endlich betritt das Objekt der Begierde die Szene.

Sprecherin:
Heino ist geduldig, erträgt die immer gleiche Prozedur, begrüßt alle Gäste, lächelt in die Kameras. Nur singen will er nicht. Das übernehmen schließlich einige Besucher:

O-Ton:

"Blau, blau, blau blüht der Enzian. Wenn beim Alpenglüh'n wir uns wiederseh'n…"

Sprecherin:

Mehr als 150.000 Menschen besuchen das Heino-Café jedes Jahr. Die meisten haben Glück. Denn Heino will niemanden enttäuschen. So oft wie möglich zeigt sich der Sänger in seinem Café. Die Fragen seiner Fans – Heino kennt sie in- und auswendig:

O-Ton Heino:

"Die Frage ist immer: Heino wie alt bist du? Heino wir ham dich ja schon vor vierzig Jahren gesehen. Heino, wo wohnst du? Heino, was macht die Hannelore? Heino, hast du noch die Hunde? Heino, was macht die Brille? Heino, wir haben dich vorige Woche im Fernsehen gesehen, wann kommst du nächstes Mal wieder ins Fernsehen? Das sind so die häufigsten Fragen. Die Leute interessiert, wat ich mache, wo ich gerade herkomme und was ich in Zukunft mache."

Sprecherin:

Die ersten musikalischen Gehversuche des passionierten Volksmusikers Heino begannen schon wesentlich früher. Genauer gesagt, bereits in den fünfziger Jahren.

O-Ton Heino:

"1952 habe ich noch in der Bäckerei gearbeitet, habe ich noch kleine Brötchen gebacken. Da habe ich immer jeden Morgen Viertelnachsieben ein Lied gehört. Ich hab' zwar immer Ärger mit meinem Lehrmeister bekommen. Aber dieses Lied musste ich hören, denn dieses Lied hat mich dazu verleitet, Sänger zu werden. Und ich möchte Ihnen dieses Lied singen:

Musik:

Heino: "Mary Ann"

"Mit 14 Jahren fing er als Schiffsjunge an,

Er war der jüngste, aber er war schon ein Mann,

ein Mann wie ein Baum und stark wie ein Bär,

so fuhr er das erste Mal über das Meer.

Sie hieß Mary-Ann und war…"

Sprecherin:

Doch erst Mitte der sechziger Jahre hatte Heino seinen ersten Hit. Bis dahin arbeitete er als Bäcker, Schrottsortierer oder Hafenarbeiter. Nach dem Erfolg der Single Jenseits des Tales ging es für Heino schnell weiter aufwärts:

O-Ton Heino:

"Ich war, glaube ich, talentierter wie andere. Und es gibt Sänger, es gibt Musiker, die sind von Hause aus talentiert und die müssen nicht so viel üben. Deswegen war das auch so, dass mir viele Sachen in den Schoß gefallen sind."

Sprecher:

Der Erfolg ist Heino in den Schoß gefallen. Heino musste sich nicht anstrengen, sein Talent hat die Karriere enorm erleichtert. Auch umgekehrt ergibt die Redewendung Sinn: anderen Musikern ist der Erfolg nicht in den Schoß gefallen.

Sprecherin:

Heino und sein Produzent Ralf Bendix hatten eine echte Marktlücke entdeckt: Heinos Heimat-, Seemanns- und Fahrtenlieder, einfach in Text und Melodie, leicht zum Mitsingen, begeisterten das Publikum. Egal, was er produzierte, Heino traf instinktiv den Geschmack der breiten Masse. Und sich selbst blieb er dabei treu.

O-Ton Heino:

"Ich habe mich nie verbogen, ich habe nie Mätzchen gemacht. Ich habe immer mein Ding gemacht, ob ich das jetzt als Heino gemacht habe oder als Heinz-Georg Kramm. Ich war nie eingebildet und hab' immer nur das gemacht, was mir Spaß macht."

Sprecher:

Wer sich verbiegt, der handelt gegen seine persönlichen Überzeugungen. Heino hat das nie getan, er hat auch keine Mätzchen gemacht. Mätzchen ist die Verkleinerungsform von Matz, eines traurigen Gesellen ohne geistige und körperliche Fähigkeiten. Wer Mätzchen macht, der benimmt sich dumm und einfältig. Er widersetzt sich dem Lauf der Welt durch Ausflüchte und Winkelzüge. Heino hat stattdessen immer sein Ding gemacht – damit will er sagen, dass er sich immer selbst verwirklicht hat. Das Ding ist Platzhalter für Gegenstände, die man nicht benennen will oder kann, weil einem zum Beispiel das passende Wort nicht einfällt.

Musik

Heino: "Vom Alpenrand zum Nordseestrand”

"Wie schön ist unser Vaterland,

wie wunderschön und frei,

vom Alpenrand zum Nordseestrand soll's unser Heimat sein…"

Sprecherin:

Das Ding von Heinz-Georg Kramm – alias Heino –, das ist und war vor allem die deutsche Volksmusik. Das in weiten Teilen der Bevölkerung noch immer negativ besetzte Attribut typisch deutsch – Heino besetzt es ganz offensiv.

O-Ton Heino:

"Ich bin ein typisch deutscher Volkssänger, wo ich auch sehr stolz drauf bin. Ich bin weder rechts noch links. Ich gehör' keiner Partei an. Ich habe schon gesagt, ich war der erste Grüne gewesen hier in Deutschland. Denn wenn man noch mal analysiert, was ich gesungen habe, müsste ich doch zu den Grünen gehören. Ich hab' mit Politik so wenig am Hut. Und wenn einer schreibt, ich wär' rechts, dann kann er mir den Buckel runter rutschen. Das interessiert mich überhaupt gar nicht. Bin ich nicht. Ich weiß, wie ich bin. Und wenn sie alle so wären, wie ich bin, dann sähe es hier in Deutschland anders aus. Dann hätten wir vielleicht noch mehr Frieden. Selbst kein Streit. Dann ging es uns vielleicht allen besser."

Musik

Heino: "Freiheit ist…"

"Freiheit ist, wenn alle Menschen sich auf Erden gut versteh'n,

wenn wir uns die Hände reichen,

friedlich miteinander gehen.

Freundschaft ist, wenn wir uns helfen,

wenn man hält, was man verspricht,

wenn wir für einander da sind, wenn die Liebe wird zur Pflicht...”

Sprecher:

Heino, so sagt er, hat mit Politik nichts am Hut. Der Hut ist Ausdruck von Werten und Glaubensvorstellungen. Er symbolisiert die soziale Stellung, das Amt, das Alter oder die Religionszugehörigkeit des Trägers. In vielen Redensarten vertritt der Hut die ganze Person. Heino will also mit der Politik nichts zu tun haben. Wer ihn trotzdem als politisch rechts kritisiert, der kann ihm den Buckel runter rutschen. Ursprünglich war der Buckel die Rundung des Ritterschildes; seit dem 15. Jahrhundert ist er eine Bezeichnung für den menschlichen Rücken. Die Redewendung drückt Ablehnung und Verachtung aus. Wer Heino kritisiert, der kann ihn auch am Allerwertesten... – na ja, Sie wissen schon...

Sprecherin:

Seinen Fans war die Kritik an Heino egal. Und Heino selbst bewies weit weniger Berührungsängste: Ende der achtziger Jahre brachte er Dancefloor-Versionen seiner Hits heraus und absolvierte gar einen gemeinsamen Auftritt mit Punk-Diva Nina Hagen. Aus dem Herold des deutschen Volksliedes wurde ein Kultstar. Trotzdem: Die Probleme dieser Welt sind für Heino kein Thema:

O-Ton Heino:

"Ich will schöne Lieder singen, Lieder von der heilen Welt, denn die Welt ist so kaputt, und da möchte ich jetzt nicht noch mich dranhängen und da drüber Texte singen und damit wiederum Geld verdienen. Dat mag ich nicht. Deswegen singe ich lieber über die heile Welt."

Musik

Heino: "Auf Wiedersehen"

"Glory, Glory Halleluja,

irgendwann sehen wir uns wieder,

singen all die alten Lieder,

bis dahin 'Auf Wiederseh'n'.

Macht es gut.

Auf Wiederseh'n. Auf Wiederseh'n…"

Fragen zum Text

Das Wort überkandidelt bezeichnet nicht…
1. ein Verhalten.

2. ein Benehmen.

3. eine Denkweise.

Heino hat eine Ausbildung als … gemacht.
1. Maurer.
2. Bäcker.
3. Kapitän.

Der Begriff heile Welt bedeutet, dass…
1. jemand sich eine Welt vorstellt, in der es keine Probleme gibt.
2. alle Menschen sich nur streiten.
3. die Welt kaputt ist.


Arbeitsauftrag
Informieren Sie sich über die Karriere des Volkssängers Heino. Erstellen Sie eine Biografie. Diese sollte dann auch die kontroversen Meinungen enthalten, die über den Sänger und seine Lieder existieren.

Autor: Nils Naumann

Redaktion: Beatrice Warken

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