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Kultur

Der Blick über den Tellerrand

Auf der elften Documenta erwartet die Besucher Kunst aus allen Erdteilen: Documenta-Chef Enwezor hat Künstler ausgewählt, die sich mit den gesellschaftlichen Problemen der unterschiedlichen Erdteile auseinandersetzen.

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Öffentlicher Raum als Kunst

Zur Überwindung des Eurozentrismus hat documenta-Chef Okwui Enwezor aber nicht bloß eine Weltschau der Kunst konzipiert, bei der jeder Kontinent gleichberechtigt vertreten wäre: Wegen des explizit politischen Anspruchs wird von dieser documenta mehr erwartet, als nur Wegweiser zu sein für die hauptsächlich westlich orientierte Gegenwartskunst.

"Kunst ist überflüssig"?!

Mit seinem gesellschaftspolitischen Konzept knüpft Enwezor an die wohl einflussreichste documenta5 von 1972 an, die sich der Isolierung der Kunst von Gesellschaft und Politik entgegenstellte. Politisch engagierte Künstler protestierten damals gegen Militarismus und Folter und über allem prangte das provozierende Motto des Fluxus-Künstlers Ben Vautier auf dem Giebel des Fridericianum: "Kunst ist überflüssig".

Kunst ist politisch

Bedeutenden Künstlern wie Joseph Beuys oder Bruce Naumann verhalf die documenta5 zum Durchbruch. Mit politischem Anspruch tritt in Kassel unter anderem der Chilene Alfredo Jaar auf, der sich in seinen Arbeiten mit dem Völkermord in Ruanda und der Situation an der Grenze zwischen Mexiko und den USA auseinander setzt.

Die New Yorkerin Lorna Simpson befasst sich mit Rassendiskriminierung, der schwarze Filmkünstler Isaac Julien mit der britischen Schwarzen-Bewegung und der Amerikaner Allan Sekula mit Globalisierung und Kapitalismus. Die iranische Fotokünstlerin Shirin Neshat thematisiert die Geschlechtertrennung in ihrer Heimat, aber auch die Vorurteile des Westens gegenüber dieser Gesellschaft.

Obwohl der aus Nigeria stammende documenta-Chef gleich klarstellte, dass es mit ihm keine Afrika-Abteilungen geben werde, greifen auf der documenta etliche - nicht nur afrikanische - Künstler das Schicksal des Kontinents auf. Der Belgier Luc Tuymans beschäftigt sich mit der kolonialen Geschichte des Kongo, während Georges Adéagboin seiner Heimat Benin und der Dokumentarfilmer Jean-Marie Teno in Kamerun auf Spurensuche gehen. Der Fotograf Santu Mofokeng aus Südafrika befasst sich mit dem Bild der Schwarzen in der Öffentlichkeit.

Fotografie und Film mit besonderem Stellenwert

Das politische Konzept findet seinen Niederschlag nicht nur in den Themen, sondern auch in den verwendeten Techniken. Zwar sind in Kassel Künstler aller Genres vertreten, doch ursprünglich dokumentarische Disziplinen wie Fotografie oder Film haben einen besonderen Stellenwert. Auch Architekten oder Landschaftsplaner, die Ideen für menschengerechtes Bauen entwickelt haben, hat Okwui Enwezor eingeladen. So wird die documenta nicht nur mehr Ausstellungsstücke aus bisher vernachlässigten Erdteilen zeigen.

Wie schon mit den vier Diskussionsplattformen im Vorlauf der documenta rückt Enwezor die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen künstlerischer Produktion jenseits des Westens in den Mittelpunkt. Dies kann auch der etablierten Kunstszene neue Impulse geben. (dpa/arn)

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