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Fußball

Der beste Fußballer aller Zeiten - Pelé wurde 70

Er ist der jüngste Weltmeister der Fußballgeschichte und zweifellos der berühmteste Fußballer der Welt. Am Samstag wurde die brasilianische Persönlichkeit Edson Arantes do Nascimento - kurz: Pelé - 70 Jahre alt.

Portraitfoto von Pelé mit einem Fußball (Foto: AP)

Auch kurz vor seinem runden Geburtstag wurde Pelé nicht müde, den seit Jahrzehnten schwelenden Zwist mit seinem Erzrivalen Diego Armando Maradona zu schüren. "Er war ein großartiger Spieler, ist aber als Vorbild negativ", kritisierte Brasiliens Fußballstar jüngst seinen argentinischen Kontrahenten, der seiner Meinung nach sowieso "nur mit links schießen, aber nicht köpfen" konnte. Dabei hat (der beidfüssig spielende und kopfballstarke) Pelé das entscheidende Duell gegen Maradona längst gewonnen: Er und nicht der Argentinier wurde einst vom Fußball-Weltverband FIFA zum Fußballer des Jahrhunderts gewählt – und zudem vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zum Jahrhundertsportler.

Mit 17 Jahren bereits Fußball-Weltmeister

Pelé, links, erzielt sein drittes Tor der WM in Schweden (Foto: AP)

WM 1958 in Schweden: Pelé verzaubert mit 17 Jahren alle Zuschauer und schießt sein drittes WM-Tor

Dass die Kunst des Fußballspiels ihm in die Wiege gelegt worden war, kann man nicht gerade behaupten. Zwar verdiente auch sein Vater Geld als Berufsfußballer, doch der brachte es nicht weit. Als Vater und Sohn gemeinsam die Finalniederlage Brasiliens bei der Weltmeisterschaft 1950 erlebten, versprach der damals Neunjährige, dass er – wenn er erst einmal groß sei – dafür sorgen werde, dass Brasilien Weltmeister werde. Acht Jahre später hielt Pelé sein Versprechen: mit gerade einmal 17 Jahren als bislang jüngster Weltmeister aller Zeiten. Bei dieser WM 1958 in Schweden ging sein Stern auf. Besonders im Endspiel gegen die Gastgeber begeisterte der Instinktfußballer mit seinem furiosen und mitreißenden Auftritt.

"Wenn Pelé einen Freistoß ausführte, wollten sich die Spieler, die die Mauer bildeten, am liebsten umdrehen, um sich das Tor nicht entgehen zu lassen", beschrieb es der uruguayische Schriftsteller Eduardo Galeano einmal treffend. Mit insgesamt sechs Toren in vier WM-Spielen machte der Ballkünstler die ganze Welt auf sich aufmerksam. Noch heute gilt er als der ungekrönte König des Spiels. Als Stürmer ebenso wie als Spielmacher. In Brasilien nennt man ihn noch immer ehrfurchtsvoll "O Rei" ("den König").

Treffsicherer geht es kaum - Pelé schoss mehr als 1000 Tore

Pelé mit einem Fallrückzieher (Foto: AP)

Ein typisch brasilianisches Kunstück à la Pelé - die Gegenspieler staunen

Aufgewachsen in einem kleinen Ort zwischen São Paulo und Rio de Janeiro spielte Pelé, der sich damals vehement gegen diesen Spitznamen wehrte, zunächst für den FC Bauru. "Als ich zum ersten Mal mit 13 Jahren in der Zeitung stand, geriet Fußball für mich zum Lebensmittelpunkt", erzählt er heute. Wenig später, mit 15 Jahren, wechselte er zum FC Santos, der durch ihn in den frühen 60er Jahren zu einem der besten Vereine der Welt wurde.

Vier Mal trat der Ausnahmefußballer Pelé bei Fußball-Weltmeisterschaften an und holte drei Mal den Titel: 1958, 1962 und 1970. Insgesamt erzielte der hervorragende Techniker und brillante Freistoßspezialist in 1375 Spielen 1284 Tore – eine ausgezeichnete Bilanz. Mit gerade einmal 20 Jahren erklärte ihn die brasilianische Regierung zum "Nationalheiligtum" und bei seinem 1000. Treffer im Spiel gegen Vasco da Gama am 19. November 1969 läuteten im ganzen Land die Glocken. Sein Jubiläums-Treffer wurde auf einer brasilianischen Sonderbriefmarke verewigt.

Personifizierte Hoffnung

Brasilianische Jungen spielen auf einem Platz im Armenviertel von Grajau nahe der südamerikanischen Wirtschaftsmetropole Sao Paulo Fußball (Foto: dpa)

Alltag in brasilianischen Armenvierteln: Fußball gehört dazu

In den Straßen Brasiliens tragen sie heute noch immer stolz sein Trikot – die kleinen Nachwuchsdribbler genauso wie ihre Väter. Moderne Fußballer wie Robinho oder Kaká, die längst Millionen Euro verdienen und in den großen Arenen der Welt spielen, werden noch immer mit Pelé verglichen – doch selbst sie reichen noch lange nicht an das große brasilianische Idol heran. Denn Pelé gilt bis heute als Beispiel dafür, dass man es aus der Unterschicht Brasiliens bis ganz nach oben schaffen und dort auch bleiben kann – sogar nach der aktiven Sportkarriere. Pelé ließ seine Karriere gemeinsam mit Franz Beckenbauer in den USA ausklingen. Mitte der 70er Jahre wechselte er zu Cosmos New York und machte dort erste Erfahrungen als Geschäftsmann: Er gründete seine Firma "Pelé, Sports & Marketing", die heute einfach nur "Pelé Pro" heißt, mit Erfolg. Nebenher versuchte er sich noch als Fernsehkommentator, Schauspieler, Sonderbotschafter der UNESCO, Sportminister und als Sänger.

Repräsentant einer großen (Fußball-)Nation

Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, links, nimmt den Weltpokal von FIFA-Präsident Joseph Blatter entgegen (Foto: AP)

Die Fußball-WM 2014 findet in Pelés Heimat statt

Auch wenn er der Politik und dem Geschäftsleben mittlerweile den Rücken gekehrt hat ("In der Politik laufen so viele Dinge, die ich nicht mit meinen Grundsätzen vereinbaren kann", sagte er in einem Interview), bleibt er das wichtigste Aushängeschild einer ganzen Nation. Einer Nation, für die Fußball mehr bedeutet als nur ein Spiel. Die Seleção dürstet nach dem nächsten WM-Titel, dem sechsten. Schon vor der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika hatte Brasilien die "Mission Hexa" ausgerufen. Doch wo könnte diese Mission passender erfüllt werden als im Heimatland selbst? Und obwohl Pelé nicht mehr selbst für die Seleção auf dem Rasen zaubern wird, hat auch er sein Verdienst daran, dass die nächste Fußball-Weltmeisterschaft in vier Jahren in seinem Geburtsland ausgetragen wird: 2014 kommt die WM wieder nach Südamerika – nach Brasilien.

Autorin: Olivia Fritz
Redaktion: Stefan Nestler

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